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#21 Wie ZDF-Reporter Jörg Brase ein Model-Casting im Flüchtlingslager erlebt

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ZDF.

Der Auslandsjournal Adventskalender.

Hinter jedem Türchen eine Geschichte.

Das hier hinter mir, das ist das ZDF-Studio in Nairobi, Kenia und vielleicht das exotischste ZDF-Studio.

Ich kenne sie jetzt nicht alle, aber doch die meisten und deshalb würde ich das jetzt mal ganz ungeschützt behaupten.

Das hier ist Stan, das ist unser Kameraassi und zweiter Kameramann und der, der das hier dreht, ist Olof hier hinter der Kamera.

Wir berichten hier von Nairobi aus insgesamt über 35 Länder in ganz Ostzentral- und Westafrika.

Aus unserem Afrika-Studio sind in diesem Jahr viele Geschichten gekommen, aber ich will von einer eigentlich ganz schönen berichten.

Die handelt von jungen Männern und Frauen, die den Traum von einer großen internationalen Modelkarriere träumen.

Und weil das Flüchtlingskinder sind, beginnt die Geschichte in einem Flüchtlingslager und endet vorerst bei einer großen Show in Nairobi, Afrikas Next Supermodel.

Und dabei haben wir vor allem die Geschichte von einer jungen Frau erzählt, die wir über viele Monate begleitet haben und das ist Nyaloueth.

Die Geschichte von Yalueth beginnt hier, im Flüchtlingslager Kakuma.

Eine Stadt von knapp 300.000 Einwohnern nahe der Grenze zum Südsudan.

Die meisten hier sind vor dem Bürgerkrieg dort geflohen.

Kaum ein Weg führt raus aus dem Camp, eine Sackgasse.

Auch die Familie von Yalueth kam vor 25 Jahren aus dem Südsudan.

Yalueth wurde in Kakuma geboren.

Entdeckt wurde sie von Model Scouts auf der Straße im Flüchtlingslager.

Als ich meiner Familie das erste Mal sagte, dass ich Model werden will, meinten die, nein, auf keinen Fall.

Das ist doch Prostitution.

Du bleibst schön zu Hause.

Und ich sagte, nein, das will ich nicht.

Ich will keine Hausfrau werden, Kinder kriegen, Kinder großziehen und nur Hausarbeit machen.

Nein, sie träumt wie so viele in Kakuma von der großen Modelkarriere.

Stars der Szene wie Naomi Campbell, aber vor allem südsudanesische Topmodels wie Adut Akech sind ihre großen Vorbilder.

Denn südsudanesische Jungs und Mädchen sind angesagt in der Modeszene.

Sie sind groß, schlank und sehr dunkel.

Schon in der Grundschule war ich ganz schlank.

Die Leute haben gesagt, oh, du siehst aus wie Naomi Campbell.

Du bist so groß und du bist so dunkel, du wirst bestimmt ein gutes Model.

Das hatte ich immer in meinem Kopf.

Dann kommt der große Tag, ihr erstes Casting.

Eine Modelagentur aus Nairobi hat sie eingeladen.

Für viele ist es der erste Catwalk for Publikum.

Yaloueth weiß, sie muss sich gut bewegen.

Nur ein paar Sekunden werden entscheiden, ob sie von der Agentur zum Trainingslehrgang eingeladen wird.

Und tatsächlich, ihr Name steht auf der Liste.

Zuerst wusste ich nicht, ob ich es schaffen werde.

Die Konkurrenz war sehr groß.

Jetzt bin ich sehr glücklich, aber ich kann noch besser werden.

Nyaloueth will für die große Castingshow im November trainieren und auch wir machen uns erstmal auf den Heimweg.

Und unser Studiowagen, dieser wunderschöne alte Landcruiser, der spielt in unserer Geschichte auch eine kleine Nebenrolle.

Es war Regenzeit.

Das Flüchtlingslager steht unter Wasser, da half dann auch irgendwann kein Allrad mehr.

Raus aus der versunkenen Karre, die Schlappen bleiben im Matschdecken.

Nur nicht ausrutschen jetzt.

Einen Schönheitspreis gewinne ich damit nicht, aber gut, Hauptsache im Trockenen.

Ein anderer Wagen zieht uns raus, Luken auf, Schlamm raus, einmal drüber wischen und ab nach Hause ins Studio nach Nairobi.

Die Rechnung kam dann eine gute Woche später.

Stehende Gewässer sind bekanntlich Moskito-Brutstätten und so habe ich mir bei dem Dreh dann auch gleich eine kleine Malaria eingefangen, aber nach zwei, drei Tagen Pillen schlucken, war es dann wieder gut.

Den zweiten Teil unserer Geschichte drehen wir dann im November in Nairobi.

Yaluez hat es tatsächlich unter die Top 16 geschafft.

Sie bekommt eine Einladung zur großen Show Afrikas Next Supermodel.

Heute beginnt meine Reise und ich hoffe, dass ich weit kommen werde.

Irgendwann will ich mal für Prada laufen.

Nyaloueth ist aufgeregt.

Es läuft nicht so, wie sie es sich erhofft hatte.

Am Ende reicht es nicht ganz.

Eine junge Dame aus dem Chad wird zur Siegerin gekürt.

Anfangs ist Nyaloueth enttäuscht.

Zu gern hätte sie dort oben gestanden und hätte den Siegerscheck in der Hand gehalten.

Doch für mich, sagt sie, ist das erst der Anfang.

Für die junge Dame war die ganze Reise in die Glitz an der Modewelt natürlich eine tolle Erfahrung.

Nialues ist mittlerweile ins Flüchtlingslager Kakuma zurückgekehrt.

Sie steht aber bei der Agentur auf der Liste und sie hofft auf die zweite Chance.

Wenn die kommt, dann folgt vielleicht der dritte Teil unserer Geschichte.

Bis dahin wünschen wir Ihnen jedenfalls erstmal ein frohes Weihnachtsfest und kommen Sie gut ins neue Jahr.

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