Episode Transcript
Simon David Dressler: Ich fange an, ich habe mir einen Einstieg überlegt.
Ole Liebl: Okay, perfekt.
Simon David Dressler: Ole, spürst du das?
Ole Liebl: Was denn?
Simon David Dressler: Wir sehen so anders aus heute.
Ole Liebl: Wie meinst du?
Ich verstehe gar nichts.
Simon David Dressler: Wir sehen so gut aus.
Schau doch mal auf das Handy-Display, wo die Leute gerade den Podcast hören.
Ole Liebl: Ah, ja, wir sehen hervorragend aus.
Simon David Dressler: Ja, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer, wir haben ein Cover.
Und zwar ein wunderschönes.
Simon David Dressler: Wir hatten auch vorher ein Cover.
Simon David Dressler: Wir hatten vorher ein Cover, aber das waren leider nur anonymisierte Furby.
Simon David Dressler: Und jetzt sind wir zu sehen auf dem Cover und wir haben tolle Klamotten an und Simon David Dressler: das hat ein ganz toller Mensch geschossen, Markus Höhn und die Bilder sind fantastisch Simon David Dressler: geworden und ich freue mich.
Ole Liebl: Ich freue mich auch.
Also wirklich, war auch ein total süßes Shooting irgendwie.
Simon David Dressler: Ja, total.
Ole Liebl: Ich meine, Simon kam da so, wir hatten uns, was die Outfits angeht, Ole Liebl: nicht abgesprochen und Simon kam einfach im schwarzen Anzug und ich einfach Ole Liebl: in meinem Flieder, Fluder Wuschel-Urteil.
Simon David Dressler: Ja, ich meine, ich wusste ja ungefähr, was du anziehen wirst.
Simon David Dressler: Und dann habe ich mir gedacht, okay, dich outfit-technisch übertrumpfen kann ich sowieso nicht.
Simon David Dressler: Und ich habe sowieso nicht so viel extravagante Kleidung.
Simon David Dressler: Deshalb bin ich einfach, jetzt ist das polare Gegenteil von dir auf dem Bild.
Simon David Dressler: Und ich finde, das hat sehr gut geklappt.
Und ich finde, wir sehen sehr seriös und aufrecht aus.
Ole Liebl: Ja, jemand hat kommentiert, dass ich so Tread-Vibes gebe.
Ole Liebl: Das ist so lustig.
Das fand ich sehr gut.
Das hat mich sehr gefreut.
Ole Liebl: Genau das war es, was ich eigentlich auch repräsentieren wollte.
Simon David Dressler: Ja, toll.
Jemand hat auch kommentiert, es sieht aus wie die Werbung für ein Simon David Dressler: Bestattungsunternehmen, wo der Engel auch gleichzeitig mitgeliefert wird.
Ole Liebl: Der Todesengel.
Simon David Dressler: Dafür bist du viel zu lieb und süß.
Dankeschön.
Ole Liebl: Wir wollen heute aber über Sachen reden, die gar nicht so lieb und süß sind.
Ole Liebl: Wir haben nämlich beide die Haftbefehl-Doku angeschaut auf Netflix.
Simon David Dressler: Und wir haben beide sogar Videos drüber gemacht.
Ole Liebl: Wir haben beide Videos drüber gemacht und ich würde gerne drüber sprechen.
Ole Liebl: Jetzt erstmal so als Seheindruck, Simon, was hast du so während der Doku erlebt?
Ole Liebl: Wie hast du dich gefühlt?
Wie fandest du die Doku so overall, Ole Liebl: was sie so ausgestrahlt hat?
Simon David Dressler: Also ich fand sie vom Erscheinungsbild, hatte mich sehr an so amerikanische Simon David Dressler: Dokus erinnert, die immer so einen sehr bombastischen Tonus haben und eine sehr Simon David Dressler: bombastische Inszenierung.
Simon David Dressler: Und das macht ja auch Sinn, weil das ist halt eine Netflix-Produktion und da Simon David Dressler: wird man auch mit internationalen, also amerikanischen Einflüssen irgendwie Simon David Dressler: dann gearbeitet haben.
Ich meine, produziert ist ja, glaube ich, Simon David Dressler: von Elias Mbarek unter anderem.
Simon David Dressler: Und es ist aber sehr so filmisch.
Und dann gibt es immer wieder diese Einspieler, Simon David Dressler: diese Szenen, wo so irgendwie was nachgestellt wird.
Und das ist so total episch.
Simon David Dressler: Und auch diese Interviewsequenzen, wo seine Brüder, also Haftbefehles Brüder, Simon David Dressler: interviewt werden, sind so hochstilisiert.
Simon David Dressler: Ich habe ganz viel auf Twitter gelesen, dass sie halt einfach Hardcore am Aura-Farmen Simon David Dressler: sind und sich da so irgendwie darstellen lassen und ich bin mir nicht sicher, Simon David Dressler: inwieweit das der Thematik gerecht wird.
Mhm.
Ole Liebl: Ich war mir auch nicht so genau sicher, in dem Sinne, als dass diese Doku sich so anfühlte, Ole Liebl: als ob sie erstens sehr lange dauern würde, weil die Hälfte der Einstellungen Ole Liebl: war in Slow-Mo und von der ganzen Machart der Doku schien es mir so, Ole Liebl: als ob sie wie ein konstant ausgeführter Trailer von einem Musikvideo ist.
Ole Liebl: Und irgendwie hatte ich nie das Gefühl, dass es jetzt so richtig anfängt, Ole Liebl: weil es immer nur so eine Art Ankündigung war.
Ole Liebl: Also jetzt nur vom Stil her, natürlich nicht von dem, was erzählt wurde.
Ole Liebl: Und das hat mich so ein bisschen nervös gemacht, als ich das geschaut habe.
Ole Liebl: Weil ich dachte immer so, ja, aber wann geht es denn jetzt los?
Ole Liebl: Also wann kommt dieser Film gewissermaßen in so eine erzählerische Ruhe, Ole Liebl: dass jetzt irgendwas...
Ole Liebl: Verhandelt wird.
Aber es war immer nur so die Ankündigung.
Ole Liebl: Und das ist ein bisschen strange.
Und auch diese Interview-Einschnitte, Ole Liebl: wo dann irgendwie jeder nochmal irgendwas zu Haftbefehl sagen durfte.
Ole Liebl: Das hat mich auch irritiert, weil das waren ja auch keine inhaltlich gehaltvollen Ole Liebl: Aussagen über Leute, die den kannten.
Simon David Dressler: Also meinst du die anderen Rapper?
Ole Liebl: Ja, so weiß ich nicht.
Simon David Dressler: Peter Fox und so.
Ole Liebl: Peter Fox, Jan Delay, Materia, die dann irgendwie sagen, ja, Ole Liebl: das war ein ganz toller Rapper.
Simon David Dressler: Große Legende.
Ja, ja.
Auch, ich hab bei Peter Fox, hab ich drauf geachtet, Simon David Dressler: weil der sagt wirklich nur einen Satz, der sagt irgendwie so, Simon David Dressler: ja, er ist auf jeden Fall irgendwie eine Legende oder so.
Simon David Dressler: Und mehr nicht.
Und ich denke mir so, okay, dafür sitzt jetzt Peter Fox in so Simon David Dressler: einem ultra krassen Hotelzimmer, wo die gedreht haben und also, Simon David Dressler: was für einen Input hat er denn erst zu der Doku?
Ole Liebl: Genau, nämlich gar keinen, weil das ist ein bisschen so wie bei diese 13 Fragen Ole Liebl: an Bubble-Formate vom CDF.
Ole Liebl: Ja, ist doch so.
Wo dann die Hälfte der Leute irgendwelche Influencer sind, Ole Liebl: so wie wir, die wir auch aufgetreten sind.
Und was machen wir?
Ole Liebl: Wir sagen, ja, coole Show, hier ist eine Story, hier ist ein Repost.
Ole Liebl: Und dann haben die kostenlos Reichweite gemacht.
Bzw.
ein Drehtag, Ole Liebl: wo Peter Fox dann danach einen Beitrag, Like kommentiert, eine Story postet, Ole Liebl: ist billiger, als wenn man Peter Fox fragt, ob der eine bezahlte Kollabo macht.
Simon David Dressler: Also hast du uns jetzt gerade in eine Reihe mit Peter Fox gestellt.
Simon David Dressler: Das habe ich jetzt von dir mitgenommen.
Ole Liebl: Da hast du sehr wenig mitgenommen, Simon David Dressler: Aber das ist okay, damit komme ich klar.
Ole Liebl: Diese Form von Influencer-Einbindung zur Marketingverwertung, Ole Liebl: dann, wenn das Produkt fertig ist, finde ich ein bisschen schäbig.
Simon David Dressler: Ich meine, das wirkt schon halt auch einfach wie so, dass diese gesamte Doku Simon David Dressler: einfach zur Legendenbildung von Haftbefehl beiträgt.
Simon David Dressler: Also es gibt ja auch diese Szene, wo er als lebende Legende angekündigt wird Simon David Dressler: auf diesem einen Konzert und er sagt dann, ja, so redet man nur über Tote, Simon David Dressler: aber er lebt ja noch.
Das war ja in der Doku, ne?
Ole Liebl: Genau, genau.
Simon David Dressler: Und, Simon David Dressler: Die Doku macht da ja mit, also das ist eins zu eins eigentlich wie eine Doku Simon David Dressler: über jemanden, der tot ist.
Ole Liebl: Also die Doku wäre kein Unterschied gewesen.
Simon David Dressler: Genau, wenn er jetzt am Ende quasi, also wenn das Ende wäre, Simon David Dressler: genau, wenn das Ende halt nicht wäre, er kommt in diese Klinik in der Türkei, Simon David Dressler: in Istanbul und dann damit endet das ja eigentlich so und es wäre dramaturgisch Simon David Dressler: überhaupt kein Unterschied, wenn er halt tatsächlich verstorben wäre.
Simon David Dressler: Und das ist total, und dann machen halt auch diese, sind diese ganzen Rapper-Interviews Simon David Dressler: in einem ganz anderen Licht zu sehen, weil die sich dann halt alle nochmal als Simon David Dressler: Teil von dieser Legendenbildung sehen wollen.
Die sind ja jetzt schon Nachruf.
Simon David Dressler: Genau, die machen jetzt schon im Prinzip den Nachruf auf den Typen, Simon David Dressler: der halt quasi von allen als einer der krassesten Deutschrapper aller Zeiten gesehen wird.
Simon David Dressler: Und die wollen alle nochmal sich quasi in seinem Glanz eigentlich sonnen und Simon David Dressler: sagen, ah ja, ich bin so relevant, ich darf in der Doku nochmal sagen, Simon David Dressler: was es für ein krasser Typ war.
Simon David Dressler: Ja, es ist sehr traurig.
Hast du denn Haftbefehl gehört?
Also so in den letzten Jahren?
Ole Liebl: Also ich sag mal so, ich hatte mal eine Phase, wo ich mehr Deutschrap gehört Ole Liebl: habe, die ist schon ein bisschen her, diese Phase, und ich hatte...
Ole Liebl: Dann auch, also Haftbefehl ab und zu mal gehört, aber nie so aktiv, Ole Liebl: also ich würde mich nie als Fan bezeichnen, um Gottes Willen, Ole Liebl: aber ich habe alle Alben zumindest einmal angehört.
Von Anfang bis Ende.
Ole Liebl: Dafür fand ich es dann einfach zu relevant und zu interessant als Künstler.
Simon David Dressler: Also meine erste Berührung mit Haftbefehl war, glaube ich, wie viele Leute in Simon David Dressler: meinem Alter über Julians Blog.
Ole Liebl: Ganz kurz, bevor du jetzt die Geschichte erzählst, für Leute, Ole Liebl: die hier zuhören, ihr müsst wissen, Simon hat ein außerordentliches Gedächtnis, Ole Liebl: was Songtext und insbesondere Rap-Texte angeht.
Ole Liebl: Also manchmal kann ich, keine Ahnung, wenn ich ihn so sehe, kann ich ihn an Ole Liebl: der Seite pieksen und dann kommt plötzlich irgendwie so ein Farid-Bang-Text raus aus dem Nichts.
Simon David Dressler: Es ist wirklich crazy.
Ole Liebl: Weil ich hingegen kann mir überhaupt keine Songtexte merken.
Ole Liebl: Also ich kann einen Song hundertmal hören und dann kriege ich einen halben Satz Ole Liebl: vom Refrain mit und der Rest ist la la la.
Ole Liebl: Ich weiß auch nicht, mein Gehirn kriegt das nicht gebacken und du bist wirklich, Ole Liebl: sowas habe ich selten erlebt.
Simon David Dressler: Also ich kann mir allgemein ziemlich gut Sachen merken und also auch so Vokabeltests Simon David Dressler: früher in der Schule musste ich immer nicht besonders lang lernen und das finde Simon David Dressler: ich auch ziemlich gut und ich will mir das auch bewahren.
Simon David Dressler: Ich habe das Gefühl, mit jeder Sekunde Social Media Nutzung geht mein Erinnerungsvermögen Simon David Dressler: so ein Prozent irgendwie runter.
Simon David Dressler: Aber bei Songtexten ist es tatsächlich so, dass ich mir die irgendwie extrem Simon David Dressler: leicht merke und dann muss ich die auch immer so vor mich hin sagen.
Simon David Dressler: Also ich würde sagen so ein zweistelliger Prozentteil von dem, Simon David Dressler: was ich am Tag sage, sind Rap-Zitate, die ich halt einfach so in meinen, Simon David Dressler: so in mein soziales Umfeld so rein blöke irgendwie.
Ole Liebl: Es sind eigentlich wie so Ohrwürmer, nur halt eben aus Texten.
Simon David Dressler: Ja, ja, es ist ein bisschen wie so, also ich prompte das so rein in die Welt.
Oh Gott.
Simon David Dressler: Und das sind meistens, also ich hab rein mengenmäßig, glaube ich, Simon David Dressler: als Teenager und auch zum Teil heute noch, wenn ich im Gym bin, Simon David Dressler: so jung und brutal gut aussehend die Alben.
Simon David Dressler: Das heißt, sehr viele der Lines, die ich so, Simon David Dressler: in Situationen einfach so loswerde, sind irgendwelche komplett over the top.
J.B.G.
Zitate.
Simon David Dressler: Aber naja, mein erster, genau, ich kann entwarnen, ich werde in dieser Podcastaufnahme Simon David Dressler: keine Haftbefehlszitate loswerden.
Ole Liebl: Danke.
Simon David Dressler: Hier habt ihr mein Ehrenwort.
Naja, auf jeden Fall, meine erste Berührung mit Simon David Dressler: Haftbefehl war über Julien's Blog.
Simon David Dressler: Ist dir das die Saga bekannt?
Ole Liebl: Ich weiß es nicht mehr.
Also irgendwas klingelt in meinem Kopf, Ole Liebl: aber wenn du mich jetzt fragen würdest, was genau war, ich kriege es nicht mehr zusammen.
Simon David Dressler: Also Juliens Blog war einer der ersten großen deutschen YouTuber, würde ich sagen.
Simon David Dressler: Der hat so Meinungsvideos gemacht über Themen, hat sich über Sachen aufgeregt.
Simon David Dressler: Also so 2011, würde ich sagen, hat das angefangen, war wahnsinnig frauenfeindlich.
Simon David Dressler: Hat so Tippvideos für pubertierende Männer gemacht.
Simon David Dressler: Also er hat so auf Kommentare reagiert und halt gesagt irgendwie, Simon David Dressler: ja, du musst die entsprechende Frau noch schlechter behandeln.
Simon David Dressler: Also das war so der Tonus und war halt einer der ersten wirklichen deutschen Simon David Dressler: YouTube-Stars, würde ich sagen.
Simon David Dressler: Und er hatte dann auch irgendwann das Students-Blog-Battle, also so ein Video-Battle-Turnier, Simon David Dressler: also Rap-Battle-Turnier gestartet, wo dann auch Leute wie Spongebob...
Ole Liebl: Also ich kenne auch die Reimliga-Battle-Arena, kennst du die noch?
Simon David Dressler: Die RBA, genau.
Da hat er zum Beispiel Kollegah seinen Anfang gefunden.
Simon David Dressler: Und im JBB, also im Julien's Block Battle, hat jemand wie Spongeboss, Simon David Dressler: also San Diego, quasi so seine Karriere gestartet.
Simon David Dressler: Aber auch Green, der Rapper, falls du den kennst.
Ole Liebl: Nein.
Simon David Dressler: Und der, also und Julien's Block hat, Simon David Dressler: Julien's Block hat nicht mit dem Julien's Block Battle in die Hip-Hop-Szene Simon David Dressler: quasi gestartet, sondern mit Meinungsvideos über Deutschrap.
Simon David Dressler: Also er hat sogenannte Rap-Analysen gemacht und seine Rap-Analysen bestanden Simon David Dressler: eigentlich daraus, dass er Reime gezählt hat.
Simon David Dressler: Also Julien's Block war damals extremer Kollegah und Eminem-Fan.
Ole Liebl: Ah ja, und die haben natürlich total übertrieben.
Simon David Dressler: Und seine Definition von Hip-Hop war eigentlich, wenn du irgendwelche achtsilbigen Simon David Dressler: Nomenreime verwendest, dann bist du guter Rapper.
Simon David Dressler: Okay.
Und Julien's Blog hat dann irgendwann, also auch so 2012, Simon David Dressler: glaube ich, selber Rap gemacht, also selber Musik gemacht und auch ein Album released.
Simon David Dressler: Das heißt Analyse und Anal ist großgeschrieben quasi.
Ole Liebl: Wie alt ist der?
Simon David Dressler: Der war damals schon so, würde ich sagen, 30.
Ole Liebl: Das ist sehr peinlich.
Simon David Dressler: Das ist auf jeden Fall maximal peinlich.
und einer seiner, ich glaube, Simon David Dressler: ich glaube, seine erste Rap-Analyse war über Haftbefehl.
Simon David Dressler: Und er hat dann quasi mit diesem Mindset von wegen, wer die meisten silbigen Simon David Dressler: Nomenreime verwendet, ist der beste Rapper, hat er dann auf Haftbefehl angewendet.
Simon David Dressler: Und das funktioniert natürlich nicht, weil Haftbefehl schon damals, Simon David Dressler: 2012, einen ganz anderen Rap-Stil hatte.
Simon David Dressler: Und dessen Version und Perspektive auf Hip-Hop hat nicht darauf beruht, Simon David Dressler: dass er sich irgendwie stundenlang irgendwelche krassen Wie-Vergleiche und irgendwelche, wie gesagt, Simon David Dressler: keine Ahnung, mehr silbigen Reime ausdenkt, wie jetzt Kollegah oder halt Eminem Simon David Dressler: oder Spongeboss oder so, Simon David Dressler: sondern mehr die Worte so formt, wie er sie halt braucht und mehr noch auch Simon David Dressler: mit dem Beat arbeitet und eigentlich seiner Zeit voraus war.
Simon David Dressler: Also er so einen Hip-Hop gemacht hat, der halt nicht dieses mechanische Silbenzählen Simon David Dressler: war, was Deutschrap auch eine lange Zeit war, Simon David Dressler: sondern eher so eine heutige oder die Perspektive von vorher so fünf Jahren hat.
Simon David Dressler: Auf Hip-Hop schon angewendet hat, wo es so eher um den Vibe geht, Simon David Dressler: wo eine Atmosphäre geschaffen wird, wo die Stimme eigentlich mit dem Beat so, Simon David Dressler: zusammenarbeitet und das zu einem großen Instrument wird.
Ole Liebl: Und das ist ja, glaube ich, ganz auf diese, um das mal kurz die Rückführung Ole Liebl: zur Doku zu machen, auch etwas, was man der Doku auch so anmerkt.
Ole Liebl: Es geht ja ganz klar um Ehrlichkeit, Authentizität, ihn genau so zeigen, wie er ist.
Ole Liebl: Die beiden Regisseure hatten das auch in einem Interview mit Rolling Stone nochmal Ole Liebl: genau so betont, dass Haftbefehl dann auch wirklich jede Szene gesehen hat und Ole Liebl: hat überhaupt nichts daran verändert.
Ole Liebl: Er wollte, dass es genau so gezeigt wird.
Und diese Form von Stil, Ole Liebl: die seine Musik geprägt hat, ist dann auch was, was, glaube ich, in der Doku Ole Liebl: auch repräsentiert werden sollte, wie sehr das gelungen ist oder nicht, Ole Liebl: müssen wir auch noch diskutieren.
Ole Liebl: Weil ich finde diese, ja, was ist schon authentisch?
Also klar, Ole Liebl: wenn du jetzt irgendwie Musik machst und volle Kontrolle über dein Album hast Ole Liebl: und über die Beats und wirklich mit dabei bist, das ist nochmal was anderes, ich finde, Ole Liebl: als wenn du jetzt so eine Netflix-Produktion hast, wo ganz andere Interessen Ole Liebl: dahinter stehen, ganz andere Zielgruppen.
Simon David Dressler: Ich meine, in der Doku gibt es ja auch so Szenen, wo er Musik aufnimmt und wo Simon David Dressler: man diesen diesen Zugang, den er zur Musik hat und diesen Approach, den er zu Hip-Hop hat, Simon David Dressler: halt nochmal so im Detail sieht und da geht es nicht darum, dass er da irgendwie Simon David Dressler: sitzt und sich halt irgendwelche Reime, Simon David Dressler: also so mehrsilbige Reime ausdenkt, sondern dass er dieses Mikro reinschreit Simon David Dressler: und total irgendwie im Studio abgeht und seine Stimme ganz verstellt und so Simon David Dressler: ganz extreme tonale Schwankungen in diese Stimme einbaut und so.
Simon David Dressler: Und vielleicht nochmal, um den Bogen mit Julien's Blog fertig zu machen, Simon David Dressler: dieses Video war extrem populär.
Simon David Dressler: Und Julien's Blog war damals halt um ein Vielfaches populärer als Haftbefehl.
Simon David Dressler: Und ich würde wirklich sagen, dass dieses Video, weil also Julien's Blog hat Simon David Dressler: Haftbefehl dann halt komplett zerstört in diesem Video und gesagt, Simon David Dressler: das ist der dümmste, der beschissenste Deutschrapper aller Zeiten.
Simon David Dressler: Und das hat Haftbefehls Karriere, würde ich sagen, wirklich über mehrere Jahre Simon David Dressler: geprägt, dass Leute ihn aus dieser Perspektive betrachtet haben.
Simon David Dressler: Nämlich, der rappt ja gar nicht wie Kollegah.
Das kann ja gar nicht gut sein.
Simon David Dressler: Und gerade für Leute so in meinem Alter, weil ich war zwölf, Simon David Dressler: als ich dieses Video gesehen habe, das heißt so gerade die Phase, Simon David Dressler: wo man halt vielleicht anfängt, sich aktiv mit Musik zu beschäftigen und Hip-Hop Simon David Dressler: zu hören und irgendwie so ein Teenager zu werden.
Simon David Dressler: Und das war auch meine Perspektive lange auf Haftbefehl.
Ich kann mich noch Simon David Dressler: an Chabos Wissen, wer der Barbossa erinnert.
Simon David Dressler: 2014 war das, glaube ich, oder 2013.
Simon David Dressler: Was dann so übertrieben populär war.
Und ich habe das gehört und ich war so, Simon David Dressler: ja, irgendwie ist das geil, aber ich kann so nicht wirklich beschreiben, warum.
Simon David Dressler: Weil ich halt immer noch so geprägt von dieser Sichtweise auf Hip-Hop war, Simon David Dressler: die Julien's Blog lange im Deutschrap-Kosmos propagiert hat.
Simon David Dressler: Und ich glaube, für viele Leute Simon David Dressler: eben in meinem Alter war das der erste Berührungspunkt mit Haftbefehl.
Simon David Dressler: Und vielleicht, wenn die Zuhörerinnen und Zuhörer das, vielleicht könnt ihr Simon David Dressler: das mal irgendwie schreiben in die Kommentare oder mir persönlich oder so, Simon David Dressler: das würde mich wirklich interessieren, ob ich da der Einzige bin.
Simon David Dressler: Aber ich glaube nämlich nicht.
Simon David Dressler: Abgesehen davon hatte ich dann auch immer wieder Phasen, wo ich sehr viel Haftbefehle Simon David Dressler: gehört habe.
Also ich bin dann einfach irgendwann auf den Trichter gekommen.
Simon David Dressler: Zum Beispiel Anfang von Corona habe ich unfassbar viel Haftbefehle gehört.
Simon David Dressler: Da kam damals das Album raus, das weiße Album.
Ole Liebl: Genau, 2020 war das.
Simon David Dressler: Genau, es ist unfassbar gut.
Simon David Dressler: Und da habe ich extrem viel Haftbefehl gehört und deshalb waren auch die meisten Simon David Dressler: Songs, die in der Doku gespielt wurden, waren dann auch mir nicht unbekannt.
Ole Liebl: Ich würde gerne nochmal auf die Doku zurückkommen, weil das ja auch ein bisschen Ole Liebl: der Auslöser war, warum wir auch die Videos gemacht haben.
Ole Liebl: Ich würde, bevor wir nochmal so inhaltlich werden, nochmal fragen, Ole Liebl: was fandst du die beste Szene und warum?
Ole Liebl: Also in der Doku?
Und welche fandst du die schlechteste?
Simon David Dressler: Also ich fand den einen Satz, den seine Frau Nina sagt, sehr schön, Simon David Dressler: wo sie meint, dass sie Haftbefehl nicht liebt, aber I could liebt sie.
Simon David Dressler: Das fand ich sehr schön, weil sie halt diese Trennung so explizit macht zwischen Simon David Dressler: eben dem Künstler oder der Künstlerpersona und der Person, die dahinter steht.
Simon David Dressler: Und ich finde das eine sehr schöne und sehr radikale Auffassung von Kunst und Simon David Dressler: von Künstler und so den Menschen, die dahinter stecken, Simon David Dressler: nämlich das ist halt, also er betritt die Bühne und er wird zur Haftbefehl und Simon David Dressler: das ist dann eigentlich ein Fremder für sie.
Simon David Dressler: Mit dem Mann hat sie dann eigentlich gar nichts zu tun und dann kommt er von Simon David Dressler: der Bühne runter und dann, Simon David Dressler: wird er wieder zu IKOT und dann wird er wieder zu ihrem Mann und ich fand das Simon David Dressler: eine sehr kraftvolle Weise, wie man über das Leben mit Künstlern redet, Simon David Dressler: also die halt mit einem Künstler zusammenlebt.
Simon David Dressler: Die schlechteste Szene weiß ich gerade nicht.
Sag du mal, was deine Lieblingsszene Simon David Dressler: war, dann überlege ich währenddessen, was meine schlechteste Szene war.
Ole Liebl: Also meine Lieblingsszene, jetzt gerade wenn es darum geht, dass diese Doku Ole Liebl: so authentisch und ehrlich wie möglich sein sollte, die mich wirklich berührt hat, Ole Liebl: war, wo er in seinem begehbaren Kleiderschrank oder so sitzt und von Reinhard Ole Liebl: May in meinem Garten mitsingt.
Ole Liebl: Das war wirklich eine sehr, sehr krasse Szene, weil das so unerwartet kommt Ole Liebl: und dann kommt dieses sehr fast heitere Lied und er singt es so mit mit dieser Ole Liebl: gebrochenen Stimme, die schon kaum mehr kann, weil er krank ist, Ole Liebl: glaube ich an dem Zeitpunkt auch.
Ole Liebl: Also jetzt nicht nur wegen seiner Suchterkrankung, sondern wirklich, Ole Liebl: glaube ich, auch erkältet.
Ole Liebl: Also der ist ziemlich fertig einfach und dann sitzt er da mit der Capuze runtergezogen Ole Liebl: und singt da dieses Reinhard-Mei-Lied auswendig mit.
Ole Liebl: Das fand ich sehr krass.
Und die schlechteste Szene?
Simon David Dressler: Mir ist einer eingefallen und Simon David Dressler: zwar eigentlich alles, was mit diesem Geburtstagskonzert zusammenhängt.
Simon David Dressler: Also wo sie dieses Geburtstagskonzert für ihn organisieren in Frankfurt in der Simon David Dressler: Jahrhunderthalle und da auch ganz klar gemacht wird, dass er schon extrem krank ist.
Simon David Dressler: Also ihm geht es extrem scheiße.
Und die reden darüber, Simon David Dressler: dass sie irgendwie rätseln, ob er jetzt kommt oder nicht.
Und sie haben schon Simon David Dressler: so viel Geld und Zeit in dieses Konzert investiert und Materia ist da und irgendwie Simon David Dressler: ganz viele andere Rapper.
Simon David Dressler: Und dann sieht man ihnen, wie er dieses Auto mit seiner Frau drin, Simon David Dressler: komplett irgendwie besoffen oder zugekokst, irgendwie durch den Beck, Simon David Dressler: also quasi an der Arena irgendwie rumfährt.
Simon David Dressler: Und klar ist so, er hat ein Umfeld, was dieses Konzert auf die Beine stellt für ihn, Simon David Dressler: wo man so irgendwie die Message, also wo die Message rüberkommen soll, Simon David Dressler: oh wie toll, die machen ihm ein Geburtstagskonzert, wo er ja natürlich aber Simon David Dressler: performen soll, also das ist der Sinn von dem Konzert, Simon David Dressler: er soll auf der Bühne stehen und die sehen und jeder sieht, dass er halt einfach Simon David Dressler: da schon wirklich ein körperliches Wrack ist und massiv Hilfe braucht und die Simon David Dressler: er sich aber nicht selber nimmt, aber sein Umfeld eben trotzdem, Simon David Dressler: ihn weiterhin ausschlachtet, Simon David Dressler: für diese, Simon David Dressler: Publicity, für das Konzert, für was auch immer und dann sagt irgendjemand, Simon David Dressler: ich weiß nicht mehr wer, sagt dann so, ja, also wir wussten gar nicht, Simon David Dressler: ob er überhaupt kommt, weil es ihm so scheiße ging, aber dann war er auf der Simon David Dressler: Bühne und hat drei Stunden durchperformt.
Toll.
Ole Liebl: Super, dann ist ja alles gegessen.
Da gibt es ja nichts weiter zu sehen.
Simon David Dressler: Das ist so unfassbar.
Ole Liebl: Und erst wenn er absagt und sich fünf Tage im Hotel einschließt, Ole Liebl: dann kommt der stellvertretende Simon David Dressler: Universal-Chef im Urban-Typ und bleibt in der Lobby und schreibt ihm, Simon David Dressler: ja, ich werde nicht gehen, bis wir in eine Klinik fahren oder so.
Simon David Dressler: Aber bevor Haftbefehl quasi seine, in Anführungszeichen, monetären ökonomischen Simon David Dressler: Pflichten vernachlässigt, bevor er das nicht tut, sind alle fein damit.
Das ist so Wahnsinn.
Ole Liebl: Und erst wenn er wirklich gar nicht mehr kann, Und dann kommt dann dieser Manager Ole Liebl: und sagt, ja, da bin ich auch mal Mensch geworden.
Und ich denke, Ole Liebl: ja, genau.
Und davor warst du ein Einpeitscher.
Simon David Dressler: Genau, das ist wirklich Wahnsinn.
Ole Liebl: Und seine Menschlichkeit ist ja auch eigentlich nur das weitere Schwungholen Ole Liebl: mit der Peitsche, um ihn dann in die Entzugsklinik zu klaren.
Simon David Dressler: Genau, damit er wieder quasi Geld nehmen kann.
Damit er in zwei.
Ole Liebl: Drei Jahren wieder das nächste Album aufnimmt.
Simon David Dressler: Ja, also das ist im Prinzip da ein Verhältnis von Angestellter und Chef.
Ja.
Simon David Dressler: Nur halt ein sehr gut bezahlter Angestellter und ein noch besser bezahlterer Chef.
Ole Liebl: Ja, ich hätte ein ähnliches Gefühl bei einer anderen Szene, die wieder mehr Ole Liebl: auf die Doku abzieht und weniger auf das, wie so sein Umfeld von seinem Plattenstudio Ole Liebl: und den Leuten, die seine Konzerte organisieren, abzielt.
Ole Liebl: Nämlich als diese Szene gezeigt worden ist, wo er ins Krankenhaus gekommen ist.
Ole Liebl: Weil das ist ja ganz oft so, dass so Erinnerungen kommen oder Erzählungen und Ole Liebl: dann wurden die so ganz filmisch hinterlegt.
Ole Liebl: Ja, super pathetische Musik, dann hast du alles irgendwie nachgestellt mit irgendwelchen Ole Liebl: schwammigen Kameras und alles verzerrt und keine Ahnung.
Ole Liebl: Und dann haben sie diese Krankenhausszene nachgestellt und das war so albern Ole Liebl: überzeichnet, diese Szene, dass ich echt gedacht habe, wo befinden wir uns denn hier gerade?
Ole Liebl: Also er erzählt, ja, ich war eigentlich klinisch tot und du siehst aber nur Ole Liebl: ganz hektische Schnitte und du denkst, du bist jetzt hier irgendwie bei so einer Ärzte-Doku.
Ole Liebl: Und ich fand das so, nee, nee, noch nicht mal Doku, sondern wirklich dieser Ole Liebl: total aufgeladene, schnelle Schnitt und das ist wie so ein Intro von einem nächsten Musikvideo.
Ole Liebl: Und da dachte ich mir, stopp, hier passiert nämlich was, was ich in dem Video, Ole Liebl: was ich auch dazu gepostet habe, aber das ist real auch so genannt habe.
Ole Liebl: Hier bei dieser Doku ein Stil reproduziert wird, der so ein Fantum im schlechtesten Sinne repräsentiert.
Ole Liebl: Also Fans jetzt wirklich eher in so einem fast stalkerhaften Verhältnis zu den Ole Liebl: Künstlern, die werden auf der einen Seite Ole Liebl: total idealisiert, also es findet eine Glorifizierung statt, Ole Liebl: das ist ja genau das, was die Doku auch tut, mit diesen ganzen, Ole Liebl: ja irgendwas zwischen Zeugnissen und Nachrufen so, ja ist die absolute Legende Ole Liebl: und eine Säule unserer Gemeinschaft oder irgend so etwas.
Ole Liebl: Mag ja auch alles stimmen, könnt ihr auch so denken, aber in diesem Zusammenschnitt Ole Liebl: wirkt es eben wie eine absolute Glorifizierung von jemandem, Ole Liebl: der der nicht mehr da ist oder auch nicht wirklich mitzureden hat.
Ole Liebl: Und auf der anderen Seite, das ist nämlich die Kehrseite von diesem Fantum, Ole Liebl: was so glorifiziert, ist auch der Voyeurismus, wenn dieser Star fällt.
Ole Liebl: Deswegen gehören für mich in so einem Phantom, also jetzt im schlechten Sinne Ole Liebl: verstanden, diese Momente von Chlorifizierung und Voyeurismus, also absolut zusammen.
Ole Liebl: Und in dieser Doku wechselt das in so einer Geschwindigkeit, Ole Liebl: dass einem schwindelig wird und mir auch ein bisschen schlecht.
Ole Liebl: Ich fand es wirklich ein bisschen ekelhaft, das anzuschauen, Ole Liebl: von dieser Machart, wie dann Haftbefehl dargestellt wurde.
Und ich hab da eigentlich Ole Liebl: was ähnliches bemerkt eben wie du.
Ole Liebl: Also du warst von der Stelle abgestoßen, wo man merkt, wie diese Maschine vor Ole Liebl: seinem Fall ihn ausquetscht, bis er eben fällt.
Ole Liebl: Und bei der Netflix-Doku ist es genau das, was dann danach folgt.
Ole Liebl: Also er ist dann gefallen, er ist in der Entzugslinie, er kann keine Musik mehr Ole Liebl: machen, weil er einfach so am Ende ist.
Ole Liebl: Und dann springt irgendwie Netflix rein und begleitet ihn mit einer Doku, Ole Liebl: die das auch nochmal entsprechend ausstellt und ausschlachtet.
Ole Liebl: Und das fände ich irgendwie so furchtbar mit anzusehen.
Simon David Dressler: Darüber hatte ich in meinem Video über die Doku auch geredet, Simon David Dressler: nämlich, dass diese Darstellung von der Ausbeutung von Haftbefehl also komplett unkritisch passiert.
Simon David Dressler: Also man hat mit diesem Nefi Temur, also der Vize-Chef von Universal Music, Simon David Dressler: Universal Urban oder so.
Nee, Universal Urban, genau.
Simon David Dressler: Der redet dauernd in dieser Doku, wird total unkritisch da halt gezeigt und Simon David Dressler: ich will jetzt nicht auf ihn persönlich zeigen, sondern er...
Ole Liebl: Er ist ja auch nur ein Funktionsträger.
Genau.
Simon David Dressler: Er ist Repräsentant von der Musikindustrie, die halt seit, wie gesagt, Simon David Dressler: Jahrzehnten ihre KünstlerInnen ausquetscht und die komplett freidrehen lässt Simon David Dressler: und die machen lässt, was sie wollen, Simon David Dressler: bis sie halt kein Geld mehr abwerfen und dann werden sie fallen gelassen.
Simon David Dressler: Und ich hatte in meinen Kommentaren...
Ole Liebl: Wie gesagt, ganz kurz nochmal, genau, in den Kommentaren kamen Leute, Ole Liebl: die gesagt haben, ja, aber er hat doch auch Millionen gemacht.
Ole Liebl: Ich finde ganz wichtig, dass wir das nochmal sagen, was wir mit Ausquetschen Ole Liebl: hier meinen.
Natürlich ist Haftbefehl dadurch mehrfacher Millionär geworden.
Ole Liebl: Natürlich hätte er da auch Geld bekommen und zwar nicht zu knapp.
Ole Liebl: Aber was wir unter Ausquetschen verstehen, dass so der offensichtliche Raubbau, Ole Liebl: den Hafenfehl in seinem Körper betreibt, einfach nicht nur hingenommen wird, Ole Liebl: sondern sogar noch in dieses Image einfließt, dass man wieder zu Geld machen kann.
Ole Liebl: Also kein Mensch irgendwas sagt.
Alle waren so, ja, er ist halt irgendwie so Ole Liebl: ein Rockstar und so.
Und ich denke, nee, ist halt nicht.
Er ist schwer suchtkrank und alle wissen es.
Simon David Dressler: Und ich meine, ich habe ja, wie gesagt, seine Musik sehr viel gehört und er Simon David Dressler: redet schon sehr lange darüber, dass er das mit den Drogen nicht allzu gut findet.
Simon David Dressler: Also das ist jetzt kein Geheimnis.
Ich meine auch, wie gesagt, Simon David Dressler: sein Umfeld wusste das ja.
Simon David Dressler: Wenn man das als Fan oder als Hörer checkt, dann checken das die Leute, Simon David Dressler: die um ihn herum sind, ja wohl dreimal.
Simon David Dressler: Und in den Kommentaren...
Ole Liebl: Ja, weil wenn ein Rapper in einem Rapsong sagt, so ja, ich zieh mir hier morgens, Ole Liebl: mittags, abends Kokain rein, dann heißt es ja nicht, dass er wirklich real irgendwie Ole Liebl: fünf, sechs, sieben, acht, neun Gramm am Tag zieht.
Simon David Dressler: Ja, also Haftbefehl hat aber schon relativ konkret darüber geredet, Simon David Dressler: nicht über seinen Drogenkonsum in so einem Kollegamodus von wegen irgendwie, Simon David Dressler: ich hocke auf Coca-Bergen, die größer sind als Atomkraftwerke oder so.
Simon David Dressler: Oh Gott, jetzt habe ich doch eine Rappline zitiert.
Ah, Katscha!
Simon David Dressler: Haftbefehl hat halt so, also sehr konkret darüber geredet, dass ihn diese, Simon David Dressler: also er hat dann oft das mit Dämonen verknüpft, also so wie der in der Doku Simon David Dressler: auch einmal, er mit quasi den Dämonen redet, die ihn heimsuchen.
Simon David Dressler: Und das war ein Motiv, was in seiner Musik schon sehr lange immer wieder vorkam, Simon David Dressler: dass er sehr authentisch und ernsthaft darüber geredet hat, was ihn da an weltlichen Simon David Dressler: Dingen kaputt macht.
und, Simon David Dressler: Ich habe dann in meinen Kommentaren unter meinem Video viel darüber gelesen Simon David Dressler: von Leuten, die geschrieben haben, Simon David Dressler: dass er die erstens andere Beispiele gebracht haben aus der Musikindustrie, Simon David Dressler: nämlich Amy Winehouse, Michael Jackson oder auch es gab irgendeine Lady Gaga-Doku, Simon David Dressler: glaube ich, wo ein ähnlicher Modus gefahren wird.
Simon David Dressler: Und ich weiß jetzt nicht mehr, ob es Lady Gaga war, ich glaube ja, Simon David Dressler: oder auch Zitate von The Weeknd, Simon David Dressler: der ähnlich über die Musikindustrie auch redet, dass sie quasi die Trauer und Simon David Dressler: den Downfall und die Tragik eigentlich will, solange sie das halt im Geld vermarkten kann.
Simon David Dressler: Und dann, wenn das ernst wird, nämlich wenn dich diese Trauer als Künstler dann Simon David Dressler: halt, oder diese Dämonen, wenn man so will, als Künstler wirklich materiell zugrunde richten, dann.
Simon David Dressler: Verschwindet die Musikindustrie, weil dann gibt es ja nichts mehr bei dir zu holen.
Simon David Dressler: Und eine andere Person in meinen Kommentaren hatte dann geschrieben, Simon David Dressler: dass diese Ausbeutung durch die Musikindustrie in der Doku ja gezeigt wird.
Simon David Dressler: Nämlich in der Szene, die ich gerade beschrieben habe.
Nämlich mit diesem Geburtstagskonzert.
Simon David Dressler: Also, dass es halt da gezeigt wird.
Ole Liebl: Ja, das wird, das wird, das ist da zu sehen, aber es wird nicht benannt.
Simon David Dressler: Genau, es wird überhaupt nicht beleuchtet.
Und ich hatte halt in meinem Video Simon David Dressler: davon geredet, es wird verschwiegen.
Simon David Dressler: Und dann war, wie gesagt, die Antwort von dieser Person, nee, Simon David Dressler: es wird ja nicht verschwiegen, es wird ja gezeigt.
Simon David Dressler: Und ich denke mir so, ja.
Das ist kein Widerspruch.
Aber das ist meine, Simon David Dressler: das ist ja meine Interpretation davon.
Simon David Dressler: Also das ist ja meine Lesart, also eine korrekte Lesart von dieser Situation, Simon David Dressler: die aber meine eigene Interpretationsleistung ist.
Ole Liebl: Genau, die aber auch filmisch überhaupt noch nicht mal angedeutet wird.
Ole Liebl: Genau.
Und es ist ja nicht so, dass man versucht, uns zum Selberdenken zu bewegen.
Ole Liebl: Das ist was, wo wir durch die Ästhetik des Films hindurchdringen müssen, Ole Liebl: damit wir gegen das, was uns die Ästhetik vermittelt, nämlich ein stinknormales Ole Liebl: Geburtstagskonzert, wo alle Freunde sich am Ende so gut performen konnte, Ole Liebl: zu Designschutzung gelangen.
Simon David Dressler: Ja, also diese Interpretation wird trotz der Doku gemacht.
Simon David Dressler: Nicht, weil die Doku es zeigt, sondern obwohl die Doku es so zeigt.
Ole Liebl: Genau.
Simon David Dressler: Und das ist wirklich, also es ist wirklich fatal.
Ole Liebl: Ja, und ich glaube, an dieser Stelle ist es sinnvoll, auch nochmal den Take Ole Liebl: reinzubringen.
Jetzt haben wir über Dan Take in deinem Video gesprochen.
Ole Liebl: Ich hatte einen etwas anderen Turn, der geht zwar in eine ähnliche Richtung, Ole Liebl: aber er bezog sich ja auf die Rolle der Frauen in dem Video.
Ole Liebl: Hier kurz nochmal eine Klarstellung, das wurde auch in dem Reel sehr, oder andersrum.
Ole Liebl: Ich habe in dem Reel gesagt, dass ich Einschätzungen gelesen oder gehört habe, Ole Liebl: auch auf TikTok und Instagram und so weiter, die halt das Schicksal von Nina, Ole Liebl: also der Ehefrau von Haftbefehl, Ole Liebl: porträtiert haben sie als alleinerziehende Mutter und haben daraus versucht, Ole Liebl: so eine feministische Erzählung zu machen.
Ole Liebl: Oder eine feministische Kritik zu formulieren, dass sie in dieses Bild fällt.
Ole Liebl: Und das fand ich deswegen nicht gerechtfertigt, weil wenn wir über alleinerziehende Ole Liebl: Mütter in einem feministischen Diskurs reden, dann reden wir ja von einer Gruppe, Ole Liebl: die mehr armutsbetroffen ist als so ziemlich jede andere Gruppe in unserer Gesellschaft.
Ole Liebl: Also wenn man jetzt nur auf Geschlecht achtet, wenn dann noch Rassifizierung Ole Liebl: und so dazu kommt, das ist irgendwie noch krasser.
Ole Liebl: Und diese Form von gesellschaftlicher oder sozioökonomischer Position, Ole Liebl: mit der alleinerziehende Mütter oder alleinerziehende Eltern, Ole Liebl: aber vor allem alleinerziehende Mütter zu kämpfen haben, Ole Liebl: ist ja nicht das, was in irgendeiner Weise von Nina repräsentiert wird, Ole Liebl: die eben verheiratet ist mit einem internationalen Sinne von Österreich und Ole Liebl: Schweiz, also einem sehr erfolgreichen Bühnenkünstler, der Millionen gemacht hat.
Ole Liebl: Die leben irgendwie in, die haben mehrere Anwesen, leben wohl, Ole Liebl: das war nicht so ganz grauen herauszufinden, in Offenbach, Stuttgart, Ole Liebl: Dubai, oder haben sie zumindest auch mal gelebt.
Ole Liebl: Und wir sehen hier also eine Person, deren Klassenposition eben als Ole Liebl: Als Teil einer Millionärsfamilie, eben nicht das ist, was man in einem feministischen Ole Liebl: Diskurs meint, wenn man alleineziehende Mütter meint.
Das ist nicht der Punkt.
Ole Liebl: Dass sie natürlich trotzdem alleine ist, also viele Nächte alleine verbringt, Ole Liebl: weil ihr Mann wahrscheinlich 200 Nächte oder so im Jahr im Hotels verbringt, Ole Liebl: das ist damit natürlich jetzt nicht abgesprochen.
Ole Liebl: Das ist das, was ist, worunter man extrem leidet.
Und wenn der Mann auch noch Ole Liebl: schwer suchtkrank ist, dann kommt das noch erschwerend hinzu und sie alleine gelassen wird.
Ole Liebl: Und das in dieser Doku auch gar nicht weiter benannt wird.
Und klar könnte man Ole Liebl: sagen, es ist ja auch nur eine Doku über Haftbefehl und nicht über Nina, sondern über Ico.
Ole Liebl: Dann könnte man sagen, ja, versteht man irgendwie, aber sie bekommt ja schon Ole Liebl: auch entsprechenden Raum, das auch zu formulieren.
Ole Liebl: Und dieses Leid auch wirklich mitzugeben und das auch sehr klar in die Kamera Ole Liebl: zu sagen.
Und das kriegt auch einen großen Anteil, wie ich finde.
Ole Liebl: Also, dass sie nicht zu Wort kommt oder ihre Lebensrealität nicht so ganz berücksichtigt Ole Liebl: wurde.
Weiß jetzt nicht, ob ich da mitgehen würde.
Ole Liebl: Also ich finde die Perspektive auf Nina nicht die wichtigste, Ole Liebl: wenn man jetzt versucht, eine feministische Kritik zu formulieren.
Ole Liebl: Wie gesagt, ich spreche damit ihr nicht ihr Leiden ab, das wäre auch verleger Ole Liebl: Unsinn, aber auch die Probleme, die sie dann hat, sind ja auch primär, Ole Liebl: sind nicht mehr primär welche, die sie als Frau hat, sondern vor allem als Frau eines suchtkranken Ole Liebl: Mann ist, der nie zu Hause ist.
Dass das natürlich auch eine Erfahrung ist, Ole Liebl: die viele Frauen machen, weil sie Frauen sind und so weißt du, Ole Liebl: das spielt natürlich da rein, aber mir ist es einfach, mir ist diese Position, Ole Liebl: die Haftbefehl hat, einfach ein bisschen zu außergewöhnlich, Ole Liebl: als ja, super erfolgreicher Star, Simon David Dressler: Der ist.
Ökonomisch aus.
Ole Liebl: Genau, um da irgendwie Vergleiche zu ziehen mit dem Rest der Bevölkerung.
Ole Liebl: Das gibt für mich nicht so ganz Sinn.
Ole Liebl: Was ich aber sehe in der Doku, ist die Abwesenheit einer Frau, Ole Liebl: die eigentlich viel wichtiger sein sollte, wenn man die Familiengeschichte von Ole Liebl: den Brüdern halt anhört.
Und das ist halt die Mutter von Haftbefehl.
Ole Liebl: Ich finde es halt schon auch krass zu sehen, dass sie halt wirklich überhaupt nicht vorkommt.
Ole Liebl: Sie reden ab und zu mal von ihr, aber im Endeffekt schneidet diese Doku ja die Ole Liebl: komplette Biografie von Haftbefehl auf den Vater zu.
Ole Liebl: Und alle Probleme, die er hat, und alle Dämonen und alle weiß Gott was, Ole Liebl: wird immer wieder in Verbindung gesetzt mit der schwierigen Geschichte oder Ole Liebl: seinem schwierigen Verhältnis zu dem Vater, der sich ja auch suizidiert hat.
Ole Liebl: Die sagen ja dann auch, die Brüder, so wer in der Familie sich alles, das Leben genommen hat.
Ole Liebl: Also da ist es wirklich, da ist es schon krass auch in der Familie.
Ole Liebl: Aber im Endeffekt wird die Biografie erklärt durch den Vater über den Vater.
Ole Liebl: Und ich meine, dadurch, dass ich jetzt ein Buch über Männlichkeit auch geschrieben Ole Liebl: habe und mich sehr viel auch mit solchen Männerliteraturen auseinandergesetzt Ole Liebl: habe, ist das etwas, was mir wirklich Ole Liebl: Sehr stark aufgefallen ist, dass wenn wir über moderne Formen von Männlichkeit Ole Liebl: reden und was heißt es, ein Mann zu sein und wie werde ich ein Mann und wo sind Ole Liebl: die Probleme dabei, dann ist immer wieder das Verhältnis der Väter im Mittelpunkt.
Ole Liebl: Und das steht in einem sehr eklatanten Verhältnis zu dem, was in der vor allem Ole Liebl: psychoanalytisch geprägten Männerforschung in den letzten Jahrzehnten so herausgearbeitet Ole Liebl: wurde, nämlich nicht, dass das Verhältnis zu dem Vater das große Problem in Ole Liebl: der Mannwerdung ist oder das, was eine Mannwerdung entscheidend prägt, Ole Liebl: sondern das Verhältnis zur Mutter.
Ole Liebl: Und vor allem auch die Abgrenzung zur Mutter und die ja als Repräsentantin des Ole Liebl: weiblichen Geschlechtes dann auch im Verlauf irgendwann abgewertet wird.
Ole Liebl: Oder eben diese Konkurrenzziehung zwischen die Mutter als Heilige und alle anderen Frauen als Huren so.
Ole Liebl: Das ist ja genau das, woran sich auch eine problematische Männlichkeit entzündet, Ole Liebl: nämlich an dem Verhältnis zu Frauen und nicht am Verhältnis zu anderen Männern oder zum Vater.
Ole Liebl: Und das ist was, was die Doku eins zu eins, wie ich finde, reproduziert, Ole Liebl: dass moderne Männerbiografien immer aus der Linse des Vaters beobachtet werden.
Ole Liebl: Ich will natürlich nicht sagen, dass der Vater überhaupt keine Rolle spielt.
Ole Liebl: Natürlich spielen auch Väter in der geschlechtlichen Prägung von Kindern eine Rolle.
Ole Liebl: Aber nichtsdestotrotz war das schon sehr bezeichnend, weil sie wirklich überhaupt Ole Liebl: nicht zu Wort kommt und die Abwesenheit des Vaters offensichtlich viel wichtiger Ole Liebl: war als die Anwesenheit der Mutter, Ole Liebl: also die, die ja wirklich die reale Care-Arbeit auch geleistet hat.
Ole Liebl: Also bei Nina könnte man ja noch sagen, die kam ja wenigstens noch zu Wort.
Ole Liebl: Und bei der Mutter ist es ja so, dass es ja auch sein könnte, Ole Liebl: dass sie einfach nicht dabei sein wollte.
Ole Liebl: Also ich meine, das ist immer noch eine Dokumentation, das sind ja viele Leute Ole Liebl: aus einem familiären Umfeld und es ist ja auch immer das gute Recht einer Person Ole Liebl: zu sagen, ich möchte da nicht reingezogen werden.
Ole Liebl: Und es ist vielleicht auch schambesetzt, dass man das sie einfach sieht, Ole Liebl: wie ihre Kinder, die sie mit Liebe und Hingabe wirklich allein erzogen hat.
Ole Liebl: Und da, finde ich, ist das, was die alleinerziehende Mutter so angeht, Ole Liebl: schon viel, viel, viel wichtiger von der Perspektive her, weil da ist ja auch Ole Liebl: einfach eine andere Position.
Ole Liebl: Das ist von einer Familie, die wirklich in einem etwas elendigeren Viertel von Offenbach gelebt hat.
Ole Liebl: Und die muss das halt alleine irgendwie klarkommen.
Also die ist ja eigentlich Ole Liebl: die Heldin sozusagen der Geschichte, weil sie sich einfach den Arsch aufgerissen hat.
Ole Liebl: Und dann aber zu sehen, dass ihre Kinder solche Wege einschlagen, Ole Liebl: also Kapo ist ja noch ganz gut weggekommen, aber ich meine, ja eben Haftbefehl Ole Liebl: jetzt mit seiner super schweren Erkrankung und wie heißt der mal sein älterer Bruder?
Eitok oder so?
Simon David Dressler: Eitasch.
Eitasch, danke.
Ole Liebl: Eitasch, der ist ja auch wegen, wenn ich es richtig gelesen habe, Ole Liebl: wegen einem Banküberfall verurteilt worden und saß auch irgendwie vier Jahre, Ole Liebl: also beide Söhne zwar irgendwie auf, oder alle Söhne auf ihre Weise ihren Weg Ole Liebl: gefunden, aber durchaus auch mit Ole Liebl: einem Verhalten, was sie wahrscheinlich nicht so gutheißen kann.
Ole Liebl: Und dass sie da auch sagt, ich möchte vielleicht nicht in der Doku teilnehmen, Ole Liebl: könnte ich total verstehen.
Ole Liebl: Aber dann muss man das in der Doku, finde ich, in irgendeiner Weise kontextualisieren, Ole Liebl: statt sie einfach rauszuschneiden und in keiner Silbe mehr zu erwähnen.
Das geht nicht.
Ole Liebl: Das geht wirklich überhaupt nicht.
Und das fand ich wirklich, Ole Liebl: also unmöglich und auch kritikwürdig.
Simon David Dressler: Ja, total.
Ich meine, das Verhältnis zu den Eltern ist ja irgendwie was, Simon David Dressler: was die ganze Doku einnimmt.
Ole Liebl: Nee, das Verhältnis zum Vater, nicht zu den Eltern.
Simon David Dressler: Genau, zum Vater.
Das zum Vater ist ja das prägende Element.
Simon David Dressler: Die ganzen Probleme, die Probleme von Haftbefehl, die gezeigt werden, Simon David Dressler: werden narrativ von der Doku darauf zurückgeführt, dass sich der Vater umgebracht hat.
Simon David Dressler: Und der Vater war dann auch, es wird ja auch gesagt, der war nie da, Simon David Dressler: Haftbefehl sagt, der war so selten bei meinen Fußballturnieren früher und so weiter.
Simon David Dressler: Und dann wird ja so der, also es wird dann nicht so richtig expliziert, Simon David Dressler: dass er halt das Verhalten von seinem Vater reproduziert.
Ole Liebl: Das wird schon sehr deutlich.
Simon David Dressler: Ja, aber es wird nicht gesagt.
Simon David Dressler: Haftbefehl reproduziert das Verhalten von seinem Vater, sondern das wird halt sehr nahegelegt.
Simon David Dressler: Und das führt wieder zurück auf diese fehlende ökonomische Perspektive darauf.
Simon David Dressler: Nämlich, dass es eben, das wird ja schon, also natürlich wird es da reingespielt Simon David Dressler: haben, dass wenn du diese traumatischen Erlebnisse mit deinem Vater irgendwie Simon David Dressler: hast und du bist in einem Umfeld, wo es keinen Raum gibt, Simon David Dressler: wo es keine Zeit gibt, keine Energie, dass es irgendwie aufgearbeitet wird, Simon David Dressler: wo es kein System gibt, was dich irgendwie, also ein Sozialsystem, was dich aufhängt, Simon David Dressler: was sich eventuell mal um deine psychische Gesundheit kümmert, Simon David Dressler: sondern wo das Outlet halt eher woanders liegt.
Simon David Dressler: Ja, und du hast gerade beschrieben, bei diesen drei Brüdern war das Outlet dann Simon David Dressler: halt, also bei Haftbefehl und Kapo war es dann halt Musik, Simon David Dressler: bei dem anderen war es zum Teil dann dieser Banküberfall und das ist halt, Simon David Dressler: also ich finde das total reduktiv, Simon David Dressler: also man kann doch nicht diese gesamte Sache dann irgendwie damit erklären und Simon David Dressler: das tut die Doku halt in meinen Augen.
Ole Liebl: Man muss es damit erklären, weil wenn man weitergucken würde, Ole Liebl: wo es herkommen könnte, dann wären wir ja genau bei dem Problem, Ole Liebl: dass dann Universal und Netflix in Verruf geraten würden.
Simon David Dressler: Ja, da müsste man sich selber als Doku hinterfragen und das geht ja nicht, Simon David Dressler: weil man will die Doku ja promoten.
Ole Liebl: Genau.
Simon David Dressler: Ja.
Ole Liebl: Und deswegen müssen dann Podcasts, wie wir uns hier hinsetzen und das irgendwie Ole Liebl: versuchen, einigermaßen auseinanderzunehmen.
Simon David Dressler: Ja, da müssen wir wieder herhalten.
Ole Liebl: Die aufrechten Demokraten.
Simon David Dressler: Ja, wir müssen mal wieder den Tag retten.
Ole Liebl: Ich würde, oh Gott, so heldenhaft würde ich mich jetzt noch nicht sehen, Ole Liebl: aber ich würde gerne noch auf einen anderen Aspekt zu sprechen kommen, Ole Liebl: der weniger die Doku berührt, als vielmehr so ein Gedanke, der mir bei der Doku dann kam.
Ole Liebl: Weil es wird ja viel Wert darauf gelegt, dass eben Haftbefehl eine Stimme einer Ole Liebl: bestimmten Generation ist oder einer bestimmten Gruppe einfach an migrantischen Ole Liebl: Personen, die sich absolut gesehen und repräsentiert gefühlt haben, Ole Liebl: auch in dem Struggle und in der Gewalt und in der Härte des Lebens, Ole Liebl: mit der sie eben leben müssen, jeden Tag.
Ole Liebl: Und gleichzeitig sieht man ja aber auch, wie sich das Leben von Haftbefehl auch Ole Liebl: gerade durch seine Berühmtheit total von dieser Lebenswirklichkeit entfernt, Ole Liebl: die er in seinen Songs beschreibt.
Ole Liebl: Und das ist ja ein ganz normaler Effekt.
Also es gibt ja diesen Spruch, Ole Liebl: dass Stars an dem Zeitpunkt, wo sie bekannt werden, nicht mehr weiter altern.
Ole Liebl: Also natürlich physisch, aber das dann irgendwie nicht so passiert, Ole Liebl: weil diese genau, weil das, wovon sie herkommen, wo sie auch ihre schöpferische Ole Liebl: Inspiration und so ziehen, dass das einfach weg ist, wenn sie bekannt werden Ole Liebl: und wenn sie reich werden.
Ole Liebl: Und ich habe bei dieser Haftbefehl-Doku an Sophie Passmann gedacht, Ole Liebl: was nicht unbedingt die naheliegendste Promi-Referenz wäre, die man haben könnte bei Haftbefehl.
Simon David Dressler: Die zwei großen deutschen Stimmen der Marginalisierung.
Ole Liebl: Ja, so ungefähr.
Aber da ist ja irgendwie, das finde ich irgendwie interessant Ole Liebl: zu sehen, also dass beide eben diese Geschichte haben und auch das in Alben Ole Liebl: oder Büchern oder so verarbeitet haben, Ole Liebl: aber ab einem gewissen Abstand ja auch diese Zeit, die dann so zurückliegt, Ole Liebl: wo das Leben so krass war und so, Ole Liebl: so weit entfernt ist und wahrscheinlich hat man auch noch irgendwann so ein bisschen auserzählt.
Ole Liebl: Ich würde jetzt nicht sagen, dass es bei Haftbefehl schon der Fall war, Ole Liebl: aber das ist ja so eine Tendenz, die irgendwann dann eintritt.
Ole Liebl: So nach dem Motto, dieser Fall, der jetzt bei Haftbefehl durch diese Suchterkrankung Ole Liebl: irgendwie kam und dieses Ende seiner Karriere, Ole Liebl: ist vielleicht auch eins, was allgemein in solchen künstlerischen Biografien Ole Liebl: schon zumindest als Gefahr angelegt ist, weil sie aus einer Biografie schöpfen, Ole Liebl: die mit dem Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung endet.
Ole Liebl: Und bei Sophie Passmann ist es ja so, dass sie dann ihre Strategie irgendwann geändert hat.
Ole Liebl: Also sie redet immer weniger von ihrer Schulzeit oder so, wo sie dann irgendwie Ole Liebl: gemobbt worden ist und so, sondern dass sie jetzt dann auch einfach konsequenterweise Ole Liebl: nur noch über sich selber redet und zwar nicht mehr, wie sie immer war, Ole Liebl: sondern wie sie jetzt ist.
Ole Liebl: Also ihr neuestes Buch, was sie jetzt rausbringen wird, geht ja auch darum, Ole Liebl: wie es ist, als bekannter Feministin im Internet zu sein.
Ole Liebl: Und das ist natürlich etwas, was für die meisten Menschen überhaupt keine Rolle Ole Liebl: spielt, weil die meisten Menschen sind nicht bekannter Feministinnen im Internet.
Ole Liebl: Und das, also wie gesagt, Simon David Dressler: Ich kenne mindestens einen bekannten Feministen im Internet okay.
Ole Liebl: Also ich würde das Buch von Sophie Passmann auf jeden Fall kaufen und lesen wie heißt das, Simon David Dressler: Ist das schon angekündigt?
Ole Liebl: Das ist schon angekündigt, ich habe den Titel gerade vergessen, Ole Liebl: warte mal lass mich kurz nebenbei gucken Sophie Passmann neues Buch Wie kann Ole Liebl: sie nur heißt das darf sie das?
Ole Liebl: Das kommt dann irgendwie im März im nächsten Jahr raus.
Ole Liebl: Und dann ist der Titel halt eben über den alltäglichen Wahnsinn, Ole Liebl: eine Frau im Internet zu sein, highly relatable.
Ole Liebl: Und das ist ja auch Sophie Passmanns Take, sie muss highly relatable sein.
Ole Liebl: Das ist ja auch ihr ganzer Podcast, der eben darauf abzielt, Ole Liebl: möglichst zugänglich zu sein für die Leute, die bereits Sophie Passmann-Fans auch sind.
Ole Liebl: Und wie macht sie das?
Ich glaube, ohne jetzt zu nahe treten zu wollen, Ole Liebl: das ist jetzt eine Psychologisierung von außen, aber dass sie immer wieder sich Ole Liebl: selber so runter macht.
Also es ist so dieser self-deprecating Humor.
Also, ja, also sich Ole Liebl: Sich schlecht macht und dann von der Scham redet, die sie dann spürt und das Ole Liebl: ist ja vom Grundgefühl genau das, was früher in ihrer Biografie passiert ist, Ole Liebl: dass Leute sie runtergemacht haben und dann kam eine Scham.
Ole Liebl: Und gewissermaßen muss sie diese Dynamik jetzt wiederholen und sich selber runtermachen, Ole Liebl: weil es niemanden mehr von außen gibt, weil sie einfach, sie hat es einfach Ole Liebl: geschafft, so, klar, es gibt genug Leute, die Hate irgendwie über sie ergießen, Ole Liebl: aber sie hat natürlich auch, Ole Liebl: also natürlich als Person des öffentlichen Lebens hat man eine andere Strategie, Ole Liebl: damit umzugehen und so weiter, aber es ist nicht mehr so, dass sie in der Schulklasse Ole Liebl: sitzt und fertig gemacht wird, so.
Ole Liebl: Und gewissermaßen findet da so eine Internalisierung des emotionalen Moduses Ole Liebl: statt, durch den sie bekannt und relatable geworden ist.
Ole Liebl: Und ich frage mich auch ein Stück weit, ob das bei Haftbefehl dann auch durch Ole Liebl: diese Drogen befördert wurde.
Ole Liebl: Also dass diese Dämonen, mit denen er kämpft, eben keine mehr sind, Ole Liebl: die jetzt mit dem harten Leben unter Armut und Rassismus zu tun haben, Ole Liebl: sondern die vor allem damit zu tun haben, dass er eben wahnsinnig viele Drogen Ole Liebl: nimmt und seinen Körper von innen heraus zersetzt und Schmerz verursacht und eine Paranoia und so, Ole Liebl: die total problematisch ist, aber die genau der Markenkern von Haftbefehl ist, Ole Liebl: den er früher bedient hat und so jetzt weiterführen kann.
Ole Liebl: Also es gibt so einen positiven Feedback-Lob zwischen diesen Selbstverletzungen, Ole Liebl: so unterschiedlich sie vielleicht auch sein mögen, Ole Liebl: jetzt im Falle von Drogen oder im Falle dieses Self-Deprecating Humors von Sophie Ole Liebl: Passmann und auch vielleicht in ihrer schädlichen Wirkung, aber ich sehe da Ole Liebl: irgendwie so Parallelen.
War das einigermaßen sinnvoll?
Simon David Dressler: Ja, doch, ich verstehe, was du meinst.
Also ich meine, man ist ja, wenn man halt, Simon David Dressler: Also es gibt auch diesen, es gibt so einen Spruch irgendwie, Simon David Dressler: du hast quasi ungefähr 25 Jahre, um dein erstes Album, also jetzt als Musiker, Simon David Dressler: du hast so 25 Jahre, um dein erstes Album vorzubereiten und um quasi die Geschichte Simon David Dressler: zu leben, die du da erzählst.
Simon David Dressler: Und dann veröffentlichst du das und dann hast du eigentlich ein oder zwei Jahre, Simon David Dressler: um nochmal genug Material zu sammeln für ein zweites.
Simon David Dressler: Und so geht es dann halt immer weiter.
Und ich glaube, das Problem jetzt nicht Simon David Dressler: nur bei Musikern, sondern mit vielen Künstlern ist, dass sie halt einfach nicht, Simon David Dressler: aufregend, nee, nicht spannende, also nicht genug spannende Leben führen.
Ole Liebl: Und das ist ja auch okay.
Das Leben ist total spannend.
Die Leute verlangen, Ole Liebl: dass sie drei, vier Leben führen.
Simon David Dressler: Also ich will das gar nicht sagen, als wäre das Leben als Promi nicht irgendwie super spannend.
Simon David Dressler: Natürlich erleben diese Leute total aufregende Dinge, denen man so im alltäglichen Simon David Dressler: Leben nicht begegnen würde.
Simon David Dressler: Aber die Frage ist, kann man darüber noch interessante Dinge sagen?
Simon David Dressler: Und viele KünstlerInnen schaffen das halt nicht.
Simon David Dressler: Also die reden dann weiterhin einfach über ihre Probleme, aber ihre Probleme sind dann nicht mehr, Simon David Dressler: verstehbar, die sind unfassbar auch aus der Zeit gefallen, wie zum Beispiel Simon David Dressler: halt jetzt, zum Beispiel wenn Taylor Swift über ihre persönlichen Probleme auf Simon David Dressler: ihrem neuen Album erzählt, Simon David Dressler: die Multimilliardären, während sich die allermeisten Leute in Amerika nicht Simon David Dressler: mal mehr die Miete leisten können.
Ole Liebl: Sie ist noch nicht Multimilliardärin, sie hat 1,6 Milliarden.
Simon David Dressler: Okay, sorry.
Kann man das Leben nennen schwerlich?
Ich würde sagen, nein.
Ole Liebl: Sie zählt nur zu den 3000 reichsten Personen und nicht zu den Top 100.
Simon David Dressler: Und das sorgt dann, das habe ich auch in der Rezeption zu Taylor Swift's Album Simon David Dressler: viel gesehen, dass Leute das alles, Simon David Dressler: taktlos wahrgenommen haben, dass man dann so über seine Luxusprobleme redet, Simon David Dressler: während es den meisten Menschen ökonomisch einfach richtig beschissen geht.
Simon David Dressler: Und es gibt da ein paar Gegenbeispiele, also zum Beispiel Frank Ocean, Simon David Dressler: kennst du?
Ja, Frank Ocean.
Ole Liebl: Ist auch viel passend, man hat ein Buch über Frank Ocean geschrieben, Ole Liebl: wenn ich mich recht entsinne.
Simon David Dressler: Und das habe ich gelesen, das ist ziemlich Simon David Dressler: gut.
Also sie sagt tatsächlich interessante Dinge über Frank Ocean.
Simon David Dressler: Ich habe auch sehr viel Frank Ocean gehört in meinem Leben.
Ich glaube, Simon David Dressler: es ist einer der Künstler, die ich am meisten gehört habe.
Simon David Dressler: Und der hat 2012 ein Album veröffentlicht und ist dann einfach vier Jahre lang Simon David Dressler: komplett off the grid gegangen.
Also der ist einfach verschwunden und hat...
Simon David Dressler: Einfach ein Leben gelebt.
Also er hat dann auch im Nachhinein gesagt, Simon David Dressler: ich habe einfach gelebt.
Simon David Dressler: Und erst dann, er hatte in Los Angeles gewohnt, glaube ich, und ist dann erst Simon David Dressler: nach London gezogen und dann nach Tokio und dann war auch eine Weile in Berlin Simon David Dressler: unterwegs und hat mit dem irgendwie mit dem, Simon David Dressler: Türsteher vom Berghain und mit dem Fotografen, der da irgendwie in diesen Sphären Simon David Dressler: rum schwirrt, ich glaube Wolfgang Tillmann heißt der, Simon David Dressler: so rumgehangen und so und hatte dann halt wirklich vier Jahre lang, Simon David Dressler: vier Jahre Lebenserfahrung, die er in seinem Album von 2016 dann verarbeiten konnte.
Simon David Dressler: Ich glaube, neben dem Fakt, dass Frank Ocean einfach ein wahnsinnig guter Songwriter Simon David Dressler: und Musiker und Sänger ist, hilft es halt auch, wenn man einfach weiterhin ein Simon David Dressler: Leben hat, über das man erzählt.
Simon David Dressler: Und ich glaube, die andere Perspektive oder die andere Möglichkeit wäre dann Simon David Dressler: halt einfach irgendwann um, Simon David Dressler: sich Gedanken über abstrakte Dinge zu machen.
Also sich von sich selber zu abstrahieren.
Ole Liebl: Also Klassenkampf.
Simon David Dressler: Genau.
Scheiß auf Musik, gib mir Klassenkampf.
Simon David Dressler: Also ich glaube, so was würde ich dann halt vielleicht bei Regisseuren zum Beispiel beschreiben.
Simon David Dressler: Dass es Filmregisseure gibt, wo vielleicht die ersten zwei Filme oder so noch Simon David Dressler: irgendwo autobiografische sind, wo irgendwie Probleme verhandelt werden, Simon David Dressler: die sie in ihrem Aufwachsen kennengelernt haben.
Ole Liebl: Bei Filmen hast du natürlich immer noch so einen Punkt, dass du Drehbuchautorinnen Ole Liebl: hast, die in die Beobachtung gehen, die rausgehen in die Welt und so weiter.
Simon David Dressler: Also zum Beispiel Autorenfilme wie jetzt Jean-Luc Godard oder so.
Simon David Dressler: Und wo die Filme dann aber immer abstrakter werden.
Also wo diese Regisseure Simon David Dressler: oder jetzt Künstler allgemein nicht mehr Kunst über sich selber machen, Simon David Dressler: eben weil sie halt wissen, gut, ich bin ein arschreicher Promi.
Simon David Dressler: Was ich sage, ist nicht wirklich, also klar ist es relevant, Simon David Dressler: aber hier gibt es nicht mehr so viel, was ich erzählen kann.
Simon David Dressler: Und dass dann man eben guckt, okay, es gibt ja aber auf der Welt genug spannende Simon David Dressler: Dinge, gespannte Konzepte, die man in der Kunst verhandeln kann.
Simon David Dressler: Zum Beispiel dann eben die Ökonomie, Kapitalismus, Unterdrückung.
Simon David Dressler: Und das ist eben die andere Möglichkeit.
Ole Liebl: Aber ja, oder was heißt auch einfach Lebenswirklichkeiten, die nicht die eigenen sind.
Simon David Dressler: Genau, genau.
Ole Liebl: Ich bin, wie du vielleicht weißt, ja eine krasse Sachbuchmaus, Ole Liebl: ich lese sehr wenig Literatur, aber ich glaube mitbekommen zu haben, Ole Liebl: dass es immer wieder mal auch beanstandet wird, dass in der Literatur autofiktionale Ole Liebl: Werke absolute Masse sind.
Ole Liebl: Also es gibt nur noch irgendwie sehr wenig Leute, die wirklich, Ole Liebl: ja, in die Imagination, sag ich mal, gehen, sondern autofiktionale Geschichten Ole Liebl: dominieren irgendwie das Geschehen.
Ole Liebl: Ich meine, ich kriege natürlich auch jetzt mit so einem, jetzt eher so bei InfluencerInnen, Ole Liebl: die Bücher schreiben, das natürlich Verträge bekommen, weil sie einen Bekanntheitsgrad haben.
Ole Liebl: Das passiert ganz oft, weil sie ihr eigenes Leben auch mit porträtieren, Ole Liebl: mit auf Social Media erstellen.
Und dann will man auch, selbst in Sachbüchern, Ole Liebl: dass immer biografische Noten damit reinkommen.
Ole Liebl: Selbst ich werde dazu bisweilen angehalten, auch wenn ich so gut wie überhaupt Ole Liebl: nichts über mein Privatleben verlautbaren lasse, weil ich das nicht so mag und nicht so mein Style ist.
Ole Liebl: Und ja, ich frage mich, was in so einer Kultur, die so einen riesigen Wert auf Ole Liebl: das Autofiktionale legt und auch ein großer Anteil an Kulturproduktion autofiktional ist, Ole Liebl: was das dann eigentlich macht mit Leuten, die längerfristig künstlerisch tätig werden wollen.
Ole Liebl: Weil das geht halt üblich, wie Ole Liebl: wir es ja gerade versucht haben zu analysieren, ab einem gewissen Punkt Ole Liebl: ist das Leben auserzählt.
Also, du weißt schon, ich meine, jetzt nicht natürlich Ole Liebl: nie auserzählt, aber ja.
Simon David Dressler: Ich glaube, dass halt dann irgendwann der Sprung gemacht werden muss zu der Abstraktion.
Ole Liebl: Genau, oder zu echter Fiktion.
Also Fiktion im Sinne von, heißt ja nicht nur Ole Liebl: fantastische Fabelwesen zu beschreiben, sondern Fiktion im Sinne von Lebenswirklichkeiten Ole Liebl: zu beschreiben, die gar nichts mit der eigenen zu tun haben.
Simon David Dressler: Und dafür muss man halt, glaube ich, entweder extrem, also wahnsinnig kreativ sein.
Ole Liebl: Oder Man muss raus in die Welt gehen.
Simon David Dressler: Genau, und raus in die Welt und halt diese anderen Perspektiven einfach mal kennenlernen.
Ole Liebl: Ja, genau.
Simon David Dressler: Und ich glaube, dass die meisten Promis ab einem gewissen Grad das halt einfach Simon David Dressler: nicht mehr machen wollen, weil warum musst du vor die Tür gehen?
Simon David Dressler: Also, da kann man dann Peter Fox zitieren.
Alle kommen vorbei, Simon David Dressler: ich muss nicht, ich muss, ich brauche nicht rauszugehen.
Simon David Dressler: Wie er in Hausaufgabe gesagt.
Okay, das habe ich wieder Rap-Lines zitiert.
Ole Liebl: Ja, oder nicht Peter Fox, sondern Peter Handke, der dann einfach, Ole Liebl: der ist doch irgendwo hingezogen, ich weiß nicht genau, aber der ist doch irgendwo Ole Liebl: auf irgendeinen Kaff gezogen.
Kannst du nicht in Frankreich oder so?
Simon David Dressler: Ja.
Ole Liebl: Kennt ihn wahrscheinlich niemand und dann in Ruhe irgendwie auf dem Bäcker gehen Ole Liebl: und sich die einfache Leute anschauen.
Simon David Dressler: Naja, gut.
Ich würde sagen, wir neigen uns dem Ende zu.
Simon David Dressler: Ich wollte noch sagen, oder hast du noch was, was du loswerden möchtest?
Ole Liebl: Nee.
Ole Liebl: Außer, dass ich zwei Bücher von Peter Handke gelesen habe und es mich auf jeden Ole Liebl: Fall nicht qualifiziert, um Aussagen über das literarische Werk von Peter Handke zu machen.
Simon David Dressler: Hat der einen Nobelpreis bekommen?
Ole Liebl: Das ist eine gute Frage.
Ich bin mir sehr, sehr sicher, dass er ihn bekommen hat.
Simon David Dressler: Ja, ich glaube auch vor so sieben, acht Jahren.
Naja, egal.
Ich wollte auf jeden Simon David Dressler: Fall sagen, ich, also du hast ja jetzt gerade gesagt, Influencer, Simon David Dressler: die Buchverträge bekommen und Simon David Dressler: dann irgendwie autofiktionale Sachen schreiben, das kommt bei mir nicht.
Ole Liebl: In die Tüte.
Ich weiß.
Simon David Dressler: Wenn ich ein Buch schreiben werde, dann wird das rein fiktiv sein.
Ole Liebl: Rein fiktiv sein.
Simon David Dressler: Das hat nichts mit dem Autor zu tun.
Ole Liebl: Naja, sehr gut.
So viel das.
Simon David Dressler: Wenn Sophie Passmans Buch im März erscheint und dein Buch erscheint auch im März, oder?
Ole Liebl: Jetzt, ich hatte gerade geschaut, zwei Wochen später.
Simon David Dressler: Oder 10-Talb später.
Wird ein harter Konkurrenzkampf.
Ole Liebl: Wird ein harter Konkurrenzkampf.
Ich drücke die Glam.
Ich finde, Ole Liebl: Sophie Passmann viel Glück, weil ich sehe keinen Grund.
Ole Liebl: Ich finde manchmal auch diesen Hate gegen Sophie Passmann ein bisschen art performativ.
Ole Liebl: Ich finde sowieso Hate oft performativ.
Einfach ignorieren.
Wenn ihr so etwas Ole Liebl: davon nicht mögt, einfach blockieren.
Simon David Dressler: Macht das Leben einfach.
Da würde ich tatsächlich sagen, it's not that deep.
Ole Liebl: It's not that deep.
Simon David Dressler: In diesem Sinne.
In diesem Sinne, liebe Leute.
Ole Liebl: Bis nächste Woche.
Simon David Dressler: Bis nächste Woche.
Adieu.
Ole Liebl: Tschüss.
Vielen Dank.
