Episode Transcript
Willkommen zur nächsten Episode dieses kleinen Podcasts.
Heute geht es um eine Redewendung, die fast jeder kennt.
Ich kenne meine Pappenheimer.
Meist gesagt mit einem vielesagenden Lächeln oder einem Augenzwinkern, wenn wir jemandem zu verstehen geben wollen, ich weiß genau, wie er tickt und was von euch zu erwarten ist.
Doch wer waren diese Pappenheimer eigentlich?
Die Geschichte führt uns ins 17.
Jahrhundert, in den 30-jährigen Krieg zwischen 1618 und 1648.
Dort kämpfte unter dem berühmten Feldherrn Albrecht von Wallenstein ein Graf namens Gottfried Heinrich zu Pappenheim.
Er führte ein legendäres Kürassierregiment an, schwer gepanzerte Reiter, die für ihre außergewöhnliche Tapferkeit, Treue und Entschlossenheit bekannt waren.
Diese Pappenheimer galten als Elite-Truppe der kaiserlichen Armee und standen für unbedingten Mut und Loyalität.
Der Spruch selbst stammt jedoch nicht direkt aus dem Dreißigjährigen Krieg, sondern aus Friedrich Schillers berühmter Wallenstein-Trilogie von 1799.
Im dritten Teil, Wallensteins Tod, lässt Schiller den Feldherrn Wallenstein sagen, daran erkenne ich meine Pappenheimer.
Er äußert dies zu einer Abordnung der Pappenheimer-Kürassiere, die ihn aufsuchen, um zu erfahren, ob die Gerüchte über seinen geplanten Verrat am Kaiser der Wahrheit ansprechen.
Wallenstein ist gerührt, dass seine Pappenheimer nicht den kursierenden Gerüchten glauben, sondern direkt bei ihm die Wahrheit erfragen wollen.
Ursprünglich war der Ausspruch also durchaus positiv gemeint, ein Ausdruck der Wertschätzung und des Vertrauens.
Wallenstein kannte seine Pappenheimer als treue, mutige Soldaten, auf die er sich verlassen konnte.
Doch die Ironie der Geschichte, wie sich im weiteren Verlauf von Schillers Drama zeigt, täuscht sich Wallenstein in seinen Pappenheimern und diese auch in ihm.
Am Ende wird Wallenstein von seinen eigenen Leuten ermordet.
Diese dramatische Wendung erklärt, warum die Redewendung heute meist mit einem ironischen Unterton verwendet wird, Wenn wir sagen, ich kenne meine Pappenheimer, schwingt auf Skepsis oder liebevoller Spott mit.
Wir kennen die Leute und wissen, was von ihnen zu erwarten ist.
Aber das ist nicht immer etwas Positives.
Interessant ist auch, dass die Stadt Pappenheim im bayerischen Altmühltal tatsächlich existiert und stolz auf ihre sprichwörtliche Berühmtheit ist.
So hat ein einzelnes Kürassierregiment aus dem 30-jährigen Krieg durch Schillers geniale Feder unsterblichen Ruhm erlangt, wenn auch in etwas anderer Form als ursprünglich beabsichtigt.
