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Ein Forensisches Fehlurteil? Der Fall Marie Lafarge

Episode Transcript

Am 24.

Januar 1840 klopft es an der Tür von Marie Lafarge.

Sie ist hiermit verhaftet und angeklagt.

Die Justiz ist überzeugt davon, dass Marie für den Tod ihres Mannes Charles Lafarge verantwortlich ist.

Die Fürsorge um ihren kranken Ehemann war nur ein Vorwand, um ihm nach und nach eine tödliche Menge Arsen zu verabreichen.

Marie ist entsetzt.

Auch wenn sie anfangs nicht glücklich in der Ehe war, hatte sie nie vor, ihren Ehemann zu vergiften.

Die Fahrt ins Gefängnis wird für Marie zu einem Spießrutenlauf.

Im französischen Departement Corrèze hat sich der ungewöhnliche Todesfall wie ein Lauffeuer verbreitet.

Alle kannten Maries Namen.

Ein halbes Jahr später beginnt der Prozess.

Und niemand kann mit abschließender Sicherheit sagen, ob Charles Lafarge mit Arsen umgebracht wurde.

Bis ein neuer Test aus England Licht ins Dunkel bringen soll.

Handelt es sich hier um einen hinterlistigen Mord oder ein großes Missverständnis?

Zwei Wochen später ist klar, der Fall Marie Lafarge wird nicht nur Frankreich in zwei Lager spalten, sondern auch die Gerichtsmedizin für immer revolutionieren.

Das ist Food Crimes.

Was schmeckt dahinter?

Mit Lili Temme und Florian Rätzer.

Da hast du mal wieder einen Arsen-Fall mitgebracht.

Und einen historischen Fall, weil jetzt im zweiten Jahr kann man ja fast von einer Tradition sprechen, dass wir zum Jahresabschluss einen historischen Fall machen.

Richtig, denn letztes Jahr hatten wir...

Dein Fall aus Seattle mit der Ärztin, die eine ganz besondere Diät medizin...

Ah, das war unsere Silvesterfolge letztes Jahr.

Das war unsere Silvesterfolge im letzten Jahr.

Und tatsächlich machen wir ja relativ wenig historische Fälle.

Aus dem ganz einfachen Grund oft, dass es da nicht so viele Informationen gibt oder man schwer so eine ganze Geschichte erzählen kann, weil einfach so die Details fehlen, um auch die Person ein bisschen auszuschmücken.

Und bei diesem Fall ist es anders, weil, ich habe es ja schon angedeutet, es geht hier um einen Test.

Der so noch nie dagewesen ist.

Und zwar, wie man Arsen nachweisen kann.

Und wir haben schon so oft über Arsen gesprochen.

Da dachte ich mir, müssen wir auch mal wirklich bis zum Anfang zurückgehen und schauen, wo diese Tests eigentlich herkommen.

Und was bei diesem Fall auch besonders ist, was mich auch davon überzeugt hat, dass ich Ihnen die erzähle, ist, dass Marie Lafarge in ihrer Gefängniszeit ihre Memoiren geschrieben hat.

Das heißt, es ist auch ganz viel bekannt, wie sie diesen Fall sieht, wie sie aufgewachsen ist, Hintergründe.

Marie Lafarge.

Wir haben ja schon sehr oft über Arsen gesprochen.

Dieser Fall ist deswegen besonders, weil wir heute darüber sprechen werden, wie es überhaupt dazu kam, dass man Arsen zweifelsfrei nachweisen kann.

Aber es steht fest, dass er an Arsen gestorben ist.

Wir schauen uns den Fall einfach mal an, oder?

Okay, okay, okay.

Und wie immer gibt es auch heute ein paar Bilder in unserem letzten Videopodcast auf ZDF Besseresser.

Im nächsten Jahr geht es ganz normal weiter als normaler Podcast.

Ihr könnt uns weiterhören auf allen Plattformen, wo es Podcasts gibt.

Ansonsten gibt es die Bilder auch bei Instagram.

Folgt uns doch mal da rein.

Ja, folgt uns da rein.

Neujahrsvorsatz.

Was schmeckt dahinter bei Instagram-Folgen?

Richtig, das hilft.

Das macht eigentlich das Leben grundsätzlich besser, wenn man da rein folgt.

Und unsere Hauptfigur.

Bin mandarinsüchtig, ne?

Ja, übrigens, wir haben noch gar nicht angestoßen mit unserem...

Unserem Glühwein.

Lilly hat Glühwein zubereitet.

Cheers.

Selbstgemachten Glühwein.

Selbstgemachten.

Mit Vinos-Wein.

Mit Vinos-Wein.

Darf man das sagen?

Natürlich, ist er ein Werbepartner von uns.

Ja, wir haben ein super tolles Vinos-Angebot.

Ich glaube, das ist schon vorbei, wenn die Folge rauskommt.

Wir hatten ein super gutes Vinos-Angebot, wo wir selber zugeschlagen haben.

Ja.

Und aus einem Weißwein habe ich einen leckeren Glühwein-Kredenz.

Also Vinos.

Wir sollten mal über ein Frühjahrspaket nachdenken.

Mhm.

Ja.

Eure Weine eignen sich nicht nur zum Kalttrinken, sondern auch zum Warmtrinken.

Ja, ist wirklich fantastisch.

Beim selbstgemachter Glühwein.

Dann ist der nicht ganz so süß.

Weil ganz ehrlich, wir sind noch nicht bei unserem Foodcrime, aber Glühwein ist mir oft ein Ticken zu süß.

Und der ist fantastisch, Lilly.

Da hast du dich mal wieder selber übertroffen.

Danke.

Wenn du nicht schon was hättest, würde ich sagen, was möchtest du trinken?

Das hat meine Oma immer gesagt, wenn man ihr ein Kompliment gemacht hat.

Ganz ehrlich, davon könntest du noch mal einen Eimer machen.

Also, ich würde sagen, wir gehen rein in den Fall und ja, unsere Hauptfigur ist Marie Lafarge.

Übrigens, wir waren letzte Woche in Italien.

Wenn ihr Probleme mit Lilies Aussprache hattet, was italienischen Namen angeht, dann könnt ihr euch für heute anschnallen, weil ich werde natürlich mit meinem Schulfranzösisch hier jeden Namen gnadenlos zerfleischen, auseinandernehmen.

Jegliche falsche Aussprachen bitte gerne in die Kommentare unter diesem Podcast.

Ich bin doch da, ich kann dich direkt verbessern.

Ja, perfekt.

Weil Französin bin ich auch.

Halb Italienerin, halb Französin.

Ja, 100% Deutsch.

Ja.

Genau, unsere Hauptfigur ist Marie Lafarge und wie wahrscheinlich alle Frauen zu dieser Zeit, kommt sie mit einem anderen Namen zur Welt.

Als Marie Fortuné-Capelle wird sie 1816 in Paris in ein gutbürgerliches, wohlhabendes Haus geboren.

Ihr Vater ist Artillerieoffizier in Napoleons Armee.

Ihre Mutter wiederum war die Tochter des ehemaligen französischen Königs.

Ihre Mutter?

Also ihre Oma war die Tochter des Königs?

Also Prinzessin?

Das ist ja nicht nur adlich, das ist ja ganz um.

Aber wahrscheinlich, weil die Erbfolge ja an die Menos weitergegeben wurde, hat sie dann jetzt mit dem Königshaus nicht mehr so viel zu tun.

Aber immer noch, es ist wirklich Wohlhabend, diese Familie.

Marie mangelt es in ihrer Kindheit an nichts.

Doch die Atmosphäre, in der Marie aufwächst, beschreibt sie selber als unglücklich.

Ihr Vater wollte eigentlich einen Sohn.

Seine Enttäuschung spürt Marie früh und später auch ihre jüngere Schwester.

Die glücklichsten Momente ihrer Kindheit verbindet Marie mit der Zeit, die sie auf dem Gut ihres Großvaters mütterlicherseits in Villers-Elan verbringt.

Es ist ein Ort der Freiheit.

Und diese Freiheit lebt sie aus, zum Unmut ihrer Eltern.

Um ihren eigensinnigen Charakter zu zähmen, wird Marie ins strenge Internat Saint-Denis geschickt.

Auch dort leidet sie.

Der Verlust ihrer Freiheit und die unnachgiebige Disziplin zermürbt sie.

Erst als sie schwer erkrankt und in Verzeiflung verfällt, holen ihre Eltern sie zurück.

Bald darauf, als Marie gerade einmal zwölf Jahre ist, stirbt ihr Vater durch einen Jagdunfall.

Von ihm bleibt dir nur ein Satz.

Tue, was du sollst und geschehe dann, was wolle.

Worte, die bald eine bittere Ironie entfalten werden.

Tue, was du sollst und geschehe dann, was wolle.

Was wolle?

Was wolle.

Was wolle.

Also ein bisschen YOLO.

Ja.

YOLO im Rollszenario.

Egal, was du machst, das kommt eh irgendwie anders.

Ja, oder.

Et küt wie et küt, eigentlich.

Ja, oder leb, wie du willst, und dann leb aber auch mit den Konsequenzen.

Das ist ja so ein bisschen, ne?

Tue, was du sollst, und geschehe dann, was wolle.

Aber es geschieht eh, was geschehen wird.

Ja, ich finde das aber ein ganz...

Guten Ansatz eigentlich, weil ich finde, man sollte in dem Moment, in dem man ist, immer das tun, was man für richtig hält und sich dann nicht im Nachhinein denken, hätte ich mal anders.

Also du denkst nicht an die Konsequenzen, die dein Handeln haben könnte?

Doch, schon an die Konsequenzen denken, aber nicht im Nachhinein denken, ich hätte es anders machen sollen.

Ach so, sondern nichts bereuen.

Genau, weil ich finde sozusagen, bereuen ist irgendwie schwierig, weil es ist besser, sich in dem Moment zu denken, ist das jetzt richtig, was ich tue?

Und wenn ich in dem Moment denke, dass es richtig ist, dann muss ich auch mit den Konsequenzen das stimmt und man kann sich dann auch im Rückblick immer noch Absolution selber erteilen, weil man weiß, in dem Moment hat sich das richtig angefühlt.

Nee, nicht Absolution, also das klingt so negativ.

Nee, ich finde, das stimmt schon.

Ich hab das jetzt so viel Sand, ich mache ja hier, ich sei Satire.

Die Satirikerin hat aus mir gesprochen.

Aber ich finde den Gedanken, wenn man etwas macht, weil man daran geglaubt hat und sich dessen sicher war und auch den Konsequenzen bewusst war, dann kann man im Nachhinein schon, wenn Sachen nicht so gekommen sind, wie man dachte, sagen, ja, aber in dem Moment habe ich ja für mich die richtige Entscheidung getroffen.

Ich meine das eigentlich ernst.

Das heißt ja auch, dass du daraus lernen kannst.

Weißt du, ich sage ja nicht so, dass man da nicht sagen soll, ja, das war richtig und ich würde es genau wieder so machen, sondern dass man sich dann denkt, okay, das war vielleicht nicht richtig, beim nächsten Mal mache ich es anders, aber in dem Wissen, dass ich etwas anders machen möchte.

Manchmal weiß man ja auch schon in dem Moment, das ist eine scheiß Idee, but I'll do it for the plot zum Beispiel.

Und das ist ja auch eine Entscheidung.

Und da muss man aber auch mit den Konsequenzen leben.

Und da wir ja kurz vor dem Jahresende, dem Jahreswechsel, den Vorsätzen stehen, finde ich, ist das auch ein guter Vorsatz.

Man sollte immer das machen, was man für richtig hält, dann dazu stehen, daraus lernen, aber sich nicht im Nachhinein denken, hätte ich mal.

Weil wenn du...

Das hättest anders machen können, warum hast du es dann nicht anders gemacht?

Und wenn du es in dem Moment nicht gemacht hast, dann ist es auch okay, dass du es nicht anders gemacht hast.

Das war jetzt sehr abstrakt.

Ich würde sagen, wir kommen wieder zu einer sehr praktischen Geschichte zurück.

Also, Marie verliert mit zwölf Jahren schon ihren Vater.

Und nach dem Tod des Vaters zieht die kleine Familie dann zum Großvater auf das Gut.

Der Großvater mütterlicherseits, das war ja dann der Mann von der Prinzessin.

Ja, ob die Großmutter schon gestorben war zu dem Zeitpunkt, darüber weiß ich jetzt nichts.

Also das ist bei den ganzen Familienzusammenhängen, das ist das, was sie selber beschreibt.

Aber da bin ich jetzt nicht allzu tief reingegangen, weil der Fall eigentlich erst beginnt, wenn sie jetzt in ihre späten Zehner, jungen Zwanziger kommt.

Ihre Mutter stirbt auch Jahre später.

Wann genau?

Das schreibt sie in ihren Memoiren nicht.

Ich habe eine Quelle gefunden, die von 1835 gesprochen hat.

Also ungefähr als Marie so plus minus 20 war, stirbt die Mutter.

Und ja, das hat für sie jetzt vor allem die Konsequenz, dass sie auch weiß, dass sie auf dem Gut des Großvaters nicht ewig wohnen wird können.

Denn der Unterhalt des Guts frisst das Vermögen des Großvaters immer weiter auf und sie kann dazu jetzt auch nicht groß was beitragen.

Marie zieht daher nach Paris zu ihrer Großtante, Madame de Valence.

Das klingt alles wie so erfundene Namen.

Madame de Valence, die Tante findet Marie unpraktisch und verträumt.

Doch sie behandelt Marie gut und führt sie in die feine Pariser Gesellschaft ein.

Hier trifft Marie auf Diplomaten, Künstler und Aristokraten.

Sie führt ein glamouröses Leben.

Zu dieser Zeit freundet sie sich eng mit Marie de Nicolai an, einer jungen Frau aus aristokratischem Haus.

Die beiden werden unzertrennlich, vertrauen sich alles an.

Marie fungiert sogar als Postillon d'amour.

Das heißt, sie trägt heimlich Briefe und Nachrichten zwischen Marie de Nicolai und ihrem Liebhaber hin und her, da die Beziehung vor der Öffentlichkeit verborgen bleiben muss.

Auch Marie selbst sucht die Liebe, doch sie lehnt mehrere Partien ab.

Keiner der Männer entspricht ihren romantischen Vorstellungen.

Nur ein Graf kommt in Frage.

Zwischen den beiden entwickelt sich eine tiefe intellektuelle Zuneigung.

Doch der Graf gerät in finanzielle Schwierigkeiten.

Eine Hochzeit zwischen den beiden rückt erst in weite Ferne und dann ins Unmögliche.

Nachdem diese Beziehung scheitert, verfällt Marie in eine tiefe Melancholie.

Sie fühlt sich einsam und nutzlos.

Von Marie habe ich zwei Bilder mitgebracht.

Das sind Kupferstiche, weil natürlich kam die Fotografie ja erst langsam auf, da hatten das keine Fotos, Fotos und es ist einmal eine seitliche Ansicht und einmal so eine leicht seitlich-frontale Ansicht.

Ich habe lange überlegt, welche Fotos ich dir zeige, aber beschreib erst mal, was du siehst.

Ja, also das Profil zeigt eine dunkelhaarige Frau, die, Ich kenne mich in Modegeschichte nicht aus, aber wahrscheinlich für die damalige Zeit so ein klassisches Outfit von einer gut betuchteren Person anhatte.

Aber sie trägt so einen Schleier vor ihrem Gesicht.

Der sieht aus wie ein Trauerschleier.

Aber auch nur auf dem einen Bild.

Ja, auch nur auf dem einen Bild.

Wie wir gelernt haben, hat man ja auch auf Fotos damals anders geschaut.

Das ist kein Foto, das weiß ich, aber auf Bildern anders geschaut als heutzutage.

Deswegen wird der Eindruck immer erweckt, dass die Leute irgendwie traurig seien oder so, nur weil sie nicht lachen.

Hast du aus unseren Instagram-Reels gelernt.

Und auf dem zweiten Bild sieht man mehr von ihrem Gesicht.

Was, Super symmetrisch aussieht.

Das ist das Erste, was mir auffällt.

Aber nur in der Vertikale.

Und da trägt sie das gleiche Outfit, aber natürlich ist da dieser Schleier nicht drauf, weil sonst würde man ja gar nichts von ihrem Gesicht sehen.

Es sieht aber so aus, als hätte das die gleiche Person gemacht.

Ja, es ist schon sehr ähnlich.

Und sie sieht dafür, dass sie so ein Freigeist ist und unpraktisch, wie ihre Großtante sie nennt, sieht sie ganz schön lieb aus.

Ja, das ist wahrscheinlich auch ein bisschen angepasst, das Bild.

Oder dieser Holzschnitt, Kupferstich.

Ich weiß gar nicht, was das genau ist.

Da bin ich leider nicht firm.

Da müsste ich nochmal ins Kunststudium zurückkehren.

Aber ja, ich erzähle die Geschichte kurz mal ein bisschen weiter.

Dann können wir vielleicht auf das Bild nochmal zurückkommen.

Marie ist also in Paris in der Feingesellschaft.

Und Madame de Valence, eine Frau, die Wert auf Etikette und gesellschaftlichen Stand legt, Weiß nun, sie will Marie unter die Haube bringen.

Doch in der feinen Gesellschaft zeigt niemand so richtig Interesse an Marie.

Den einen ist sie zu hässlich, den anderen nicht reich genug.

Auch andere Familienmitglieder verlieren die Geduld mit der ledigen Anfang-20-Jährigen.

Einer ihrer Onkel beauftragt daher heimlich einen Heiratsvermittler.

Marie erfährt davon erst, als sein Treffen bereits arrangiert ist.

Sie sträubt sich und weint vor Scham, doch sie willigt schließlich ein.

Es treibt sie der familiäre Druck und ihre steigende finanzielle Abhängigkeit.

Der Mann, den sie treffen soll, ist der 28-jährige Charles Pouche Lafarge.

Wie?

Charles Pouche Lafarge.

Also der Mittelname wird Pouch geschrieben.

Also P-O-U-C-H.

Das Englische war Pouch.

Charles Pouche Lafarge.

Charles Pouche.

Gut, nehme ich.

Bevor mir jetzt wieder in den Kommentaren vorgeworfen wird, dass ich den Namen falsch ausspreche...

Schauen wir das doch mal nach.

Lafarge ist schon mal richtig.

Ja, Pouche.

Pouche.

Ja.

Charles Pouche.

Lafarge.

Lafarge.

Charles Pouche Lafarge.

Er ist ein wohlhabender Eisenfabrikant mit tadelloser Abstammung und einem beträchtlichen Anwesenden in Le Glendier im Zentrum Frankreichs.

Tadellose Abstammung klingt bei so Pferden, bei so Zuchtpferden.

Generell, ich muss dir sagen, das ist heute teilweise so ein bisschen gestelzt, die Sprache.

Ich habe mich dabei auch an Memoiren orientiert.

Also sowas wie unpraktisch und sowas fand ich dann irgendwie.

Also dieses Buch, was ich da genutzt habe, ist auch eine deutsche Übersetzung aus, also schon sehr alt, das war hier in Südterlin geschrieben.

Was ich übrigens, ich bin dann sehr...

Das hast du dir reingezogen?

Man kann das analysieren lassen.

Ich habe das nicht alles gelesen.

Mit KI?

Ich habe mit der KI.

Also wirklich, ich habe das probiert, weil ich mir dachte, das Buch hat nämlich 300 Seiten.

Und ich habe das dann bei Gemini reingehauen, das analysiert.

Und dann kannst du Gemini Fragen stellen und dann zeigt dir das sozusagen die Seite mit dem Auszug.

Also das kann auch Sütterlin lesen.

Das heißt, ich konnte auch sozusagen immer die Stellen und das, was mir dann gesagt wurde, konnte ich im Text dann nochmal nachlesen.

Das war wirklich...

1A.

Also wirklich krass.

Und bei Südterlin, wie gesagt, ich bin ein einfacher Charakter.

Ich lese dann immer, das S ist ja eher so ein F.

Ich lese das dann auch immer so.

Besser.

Ich weiß nicht warum.

Besser als F.

Besser als F.

Mich unterhält das tatsächlich sehr.

Anyways, Charles Pouche-Lafage ist ein wohlhabender Eisenfabrikant mit tadelloser Abstammung und einem beträchtlichen Anwesend in Le Clandier im Zentrum Frankreichs.

Doch als Marie ihn bei ihrem Date in der Oper sieht, ist sie wenig begeistert von ihm.

Ihrer eigenen Beschreibung nach ist Charles unbeholfen, plump und übergewichtig.

Marie mag Charles nicht.

Doch ihre Gefühle zählen wenig.

Innerhalb weniger Tage lässt ihre Tante die Eheaufgebote veröffentlichen.

Das bedeutet, dass in den Heimatkirchen der beiden die beabsichtigte Hochzeit verkündet wird und jeder und jeder aus der Gemeinde hat dann die Chance, Einspruch zu erheben, falls einer der beiden bereits verheiratet ist oder zu eng verwandt.

Achso, nicht weil Leute verliebt sind?

Naja.

Meine Romantikerin oder die Romantikerin in mir denkt, dass dann so ein einsamer Jüngling jetzt endlich die Chance ergreift und seine Liebe besteht.

Schade.

Am 10.

August 1839 ist die unglückliche Marie verheiratet.

Als Marie Lafarge tritt sie drei Tage später in einer Kutsche die ca.

450 Kilometer lange Reise nach Le Glendier, der Heimat von Charles Lafarge.

Der Heimat von diesen Namen.

Sag doch einfach Charles.

Charles.

Ist auch nicht leichter.

Als Marie Lafarge tritt sie drei Tage später in einer Kurzschildi ca.

450 km lange Reise nach Le Grandier, der Heimat von Charles, an.

Das Einzige, was sie jetzt noch bei Laune hält, ist die Aussicht auf das vornehme Gut der Familie Lafarge.

Doch als das frischgebackene Ehepaar wenige Tage später ankommt, muss Marie feststellen, dass sie betrogen wurde.

Charles Lafarge war nicht der, für den er sich ausgegeben hatte.

Bitte?

Que?

Quoi?

Quoi?

Non.

Well, well.

Merde.

Well, well.

Es fällt mir gerade auf, noch nie ein Fall aus Frankreich, oder?

Das ist unser erster französischer Fall.

Nee, du hattest schon mal, ich erinnere mich an irgendwelche französischen Namen, die du falsch ausgesprochen hast.

Sympathisch.

hatten wir schon mal was aus Frankreich oder war das vielleicht einfach nur dein französischer Name?

Überleg gerade.

Ja, aber es fällt auch gerade noch nichts ein.

Ich weiß, dass du, hast du nicht die Fälle, die es nicht geschafft haben?

Nee, hast du mir nicht mal bei dieser Amazon, bei diesem Videodreh, was von dieser französischen Fluggesellschaft erzählt?

Auch nicht?

Dann hatten wir vielleicht noch nichts aus Frankreich.

Ich gehe gerade durch die Liste.

Ich schaue ja gerade durch die Liste.

Nee, ich glaube, wir waren noch nie in Frankreich.

Nee, glaube ich nicht.

Ich finde es übrigens Wahnsinn, dass wir seit dem 1.

Oktober 2024 jede Woche eine Folge produziert haben.

Ja, das ist völlig absurd.

Neben unserem eigentlichen Job.

Machen wir das hier.

Dank euch.

Das muss man ja auch dazu sagen.

Also ich meine, ihr hört so fleißig zu, dass wir das überhaupt noch jede Woche machen können.

Richtig.

Und das freut uns sehr.

und deswegen machen wir auch weiter.

Jede Woche.

Und möglicherweise auch bald mit einem weiteren französischen Fall, damit ich hier weitere französische Namen auseinandernehmen kann.

Aber ja, als sie dann ankommt, komme ich gleich dazu, ist der Schock groß, aber auch schon auf der Fahrt nach Le Glandier.

Also das ist in Zentralfrankreich.

Also da ist jetzt nicht groß was drumherum.

Aber dann ist Paris ja nicht so weit weg.

Doch, Paris ist schon, also es sind 450 Kilometer.

Und ich habe mal geschaut, das sind ungefähr fünf Autostunden.

Und das umgerechnet in Kutschenstunden sind das ja...

Also man ist da schon eine Weile unterwegs.

Ich glaube so, man ist da...

Auch da wieder...

Es gibt bei diesen Tages- und Zeitangaben, es ist immer so ein bisschen schwammig.

Mal steht drei Tage, mal steht vier Tage.

Also man ist schon ein paar Tage unterwegs.

Und auf dieser Fahrt gibt es auch schon erste Auseinandersetzungen zwischen den beiden.

Ach, der ist dabei, der ist in der Kutsche dabei.

Die fahren zusammen, ja, ja.

Und es gibt sexuelle Übergriffe.

Und so lange in so einer Kutsche eingesperrt sein.

Ja, die du zwei Wochen vorher kennengelernt hast und mit der du jetzt verheiratet bist.

Und die, wie es dann in diesen Texten immer heißt, ihren ehelichen...

Pflichten?

Ja, Pflichten und andersrum bei ihm ehelichen...

Gelüsten?

Ja, wie sage ich das nochmal?

Dann heißt es in diesen Texten immer, dass sie ihren ehelichen Pflichten nachgehen muss und sowas, was im Grunde heißt, sie sitzt zum Sex verpflichtet.

Und das führt auch schon auf der Fahrt zu ersten Auseinandersetzungen zwischen den beiden.

In der ersten Nacht in Le Grandier ist Marie der Verzweiflung nah.

Ihr Traum von einem vornehmen, geruhsamen Leben liegt in Trümmern.

Denn was Marie bei ihrer Ankunft vorfindet, hat nichts mit ihren Erwartungen zu tun.

Was in ihrer Vorstellung ein prächtiges Chateau war, stellt sich als ein verfallenes, trostloses Anwesen heraus.

Das Haus der Familie Lafarge war mehr als baufällig.

Überall huschten Ratten durch die Räume.

Die Eisenhütte, die für Charles' Reichtum sorgen sollte, war bankrott.

Und auch Charles' Familie empfängt Marie alles andere als herzlich.

Die Schwiegermutter und Charles' Schwester sind in ihr nur ein verwöhntes Pariser Mädchen.

Oh, das ist schrecklich.

Marie hatte einen aggressiven Lügner geheiratet.

Sie greift zur Feder und schreibt einen Brief an ihren Ehemann.

Ihre Hand zittert, als sie die Worte formt, ich liebe einen anderen Mann.

Er ist ja aus Paris gefolgt, schreibt sie.

Natürlich war auch das eine Lüge.

Aber wie du mir, so ich dir.

Sie droht, sich mit Arsen zu vergiften oder sofort nach Bordeaux zu fliehen, um von dort ein Schiff nach Izmir zu nehmen und für immer zu verschwinden.

Okay, Drama auf jeden Fall.

Auch weirdly specific, aber das ist der Brief, mit dem sie in der ersten Nacht ihm eine Botschaft zukommen möchte.

Ich finde das auch eine Frechheit.

Also allein schon, dass sie zwangsverheiratet wurde, aber dann, dass noch nicht mal gecheckt wurde, ob das, was der Mann vorgibt zu sein, noch wirklich stimmt.

Ja, man hat diesem Heiratsvermittler dann da vertraut, dass der jemand ordentlich ...

Ich meine, in den Zeiten, wie prüfst du sowas nach?

Ich weiß ja nicht, was dir diesem Heiratsvermittler vorlegen musste, um zu beweisen, dass er ein reicher Fabrikant ist.

Ja, scheinbar nicht viel.

Ein kleiner Ausflug nach, wie heißt der Ort?

Le Glendier.

Le Glendier, hätte es ja getan.

Ich musste gerade daran denken, ich bin ja mal einen Monat durch Frankreich gereist, vor drei Jahren oder so, alleine mit einem Auto.

Und ich war zwischenzeitlich schon auch einsam, aber habe sehr viele einsame Schlösser gefunden.

Und manchmal war ich so mutig und bin dann einfach reingelaufen.

Und es ist Wahnsinn, wie viele leere, verlassene, teilweise auch Schlösser, bei denen du denkst, die wurden vor einem Tag verlassen, verlassene Schlösser es da gibt in dieser Umgebung.

Und ich stelle mir gerade so ein bisschen vor, dass er in einem dieser Schlösser gewohnt hat, weil das war nämlich südlich von Paris dann in der Gegend und dann Richtung Bordeaux gefahren.

Es gibt ja in Frankreich sehr, sehr viel verarmten Adel, weil diese ganzen Adelstitel und Adelsprivilegien, die wurden ja alle abgeschafft und ich meine, so ein Schloss kannst du ja dann irgendwann nicht mehr halten.

Deswegen gibt es viele Familien, die dann wahrscheinlich einfach möglicherweise noch besitzen irgendwo, aber einfach verfallen lassen.

Oder sind dann von der oberen Etage nur noch in die untere gezogen oder dann nur noch in zwei Zimmer, die beheizt wurden und so.

Aber da habe ich Sachen gesehen.

Ja, man kann auch super viele Schlösser mieten, also so auf irgendwelchen Ferienwohnungseiten und so weiter und nicht direkt bei Airbnb, aber man kann schon einige von diesen Schlössern auch mieten.

Ich erzähle später auch noch ein bisschen was zur Geschichte von diesem Gut.

Dieser Brief, den Marie also an diesem Abend schreibt, der sorgt jetzt dafür, dass noch am selben Abend Charles und seine Familie mit Marie reden und sie vom Bleiben überzeugen.

Marie gibt der Ehe noch eine Chance, unter Bedingungen.

Charles willigt ein, auf seine ehelichen Rechte zu verzichten, also Sex, bis er das Haus renoviert und sein Geschäft wieder aufgebaut hat.

So lange gibt es keinen Sex.

Für die Renovierung des Hauses setzt Marie nach eigenen Angaben sogar ihr eigenes Vermögen ein.

In den folgenden Wochen scheinen sich die Dinge zu bessern.

Charles hält sein Wort.

Er lässt Renovierungsarbeiten am Anwesen beginnen und beantragt einen Kredit, um die Eisenhütte zu retten.

Um seine junge Braut weiter zu besänftigen, organisiert er allerlei Annehmlichkeiten.

So lässt er sogar ein Klavier aus Paris anliefern und besorgt ihr ein arabisches Pferd zum Reiten.

Wo ich mich gefragt habe, wäre das Geld nicht besser ins Schloss und die Eisenhütte geflossen?

Ja, für den Araber kostet.

Ja.

Wobei vielleicht die Dimensionen auch von wie es ihm vorher ging zu jetzt andere sind als wir uns jetzt vielleicht vorstellen, weil ein Klavier und ein Pferd sind natürlich teure Dinge Und die Familie hatte immer noch Bedienstete Das war jetzt keine verarmte Familie Es war jetzt nicht, dass sie da in irgendeine.

Bruchbude gekommen ist wo noch drei Leute gehaust haben sondern es war dem, was sie erwarteten und aus welchem Umfeld sie kam eben diesem feinen französischen Adel der Feingesellschaft in Paris, war das aus ihrer Sicht ein Abstieg.

Marie übernimmt jetzt auch ihre Rolle als Herrin des Hauses.

Sie beginnt Pläne zu schmieden, wie das rustikale Interieur von Le Glandier in etwas Eleganteres verwandelt werden kann.

Die Tristesse soll also weichen.

Im Dezember 1839, also gut vier Monate nach ihrer Hochzeit, macht sich Charles auf den Weg nach Paris für eine Geschäftsreise.

Er will ein neues Patent für seine Eisenhütte anmelden und Kredite aufnehmen.

Es scheint also so langsam bergauf zu gehen.

Und von Le Glandet habe ich jetzt natürlich auch noch ein paar Fotos für dich.

Und zwar einmal wieder eine Zeichnung von damals und dann auch ein Bild von heute.

Die beiden Bilder sind jetzt nicht so sonderlich aussagekräftig, aber dass du so ein Gefühl dafür bekommst, was der Vibe dort ist, wo Marie sich jetzt gerade auffällt.

Ähm...

Also das zweite Bild, was heute ist, da wird jetzt ein bisschen was drumherum sein.

Das ist mehr so ein bisschen die Landschaft und eins der Gebäude wird dieses Gut sein.

Ja, sieht aus wie im Bergischen Land.

Oder?

Sieht ganz nett aus.

Also auf dem ersten Bild sieht man von einem Baum rechts eingerahmt hinten im Hintergrund so ein großes Gutshaus stehen mit einem riesigen Garten und Anwesen.

Und auf dem zweiten Bild sieht man halt so ein kleines Dörfchen, was in so einer Senke drin liegt und ringsherum sind ganz viele Bäume.

Es sieht herbstlich aus, gemütlich, aber da liegt natürlich der Hund begraben.

Also von Paris jetzt da hinzuziehen, stelle ich mir schwierig vor.

Richtig, da wird nicht viel sein, außer die Family.

Und die war ja auch nicht sonderlich erquickt, dass sie da jetzt diese Pariser Göre im Haus haben.

Die zu dem Zeitpunkt, das haben wir, glaube ich, noch gar nicht gesagt, jetzt gut 23 Jahre alt ist.

Noch so zwei Worte zu Le Glendier.

Das war, bevor die Familie Lafarge dorthin gezogen ist, ein Sitz des Kratheuser Ordens, also ein katholischer Orden.

Und am 6.

März 1817 kaufte Jean-Baptiste Pouche-Lafarche, also der Vater von Charles, den größten Teil dieser Kartäuse, wie man das nannte.

Viele Wörter, die ich heute benutze, die ich noch nie gehört habe.

Ich kenne Kartäuser, weil es in Köln den Kartäuserwall gibt als Straße.

Ja, das Wort sagt mir auch was, aber ich habe nie so richtig gedacht, wo das dazu gehört.

Man weiß nicht, was das bedeutet.

Oder wusste nicht.

Kartäuse.

Okay, Kartäuse ist also das Gebäude.

Das ist der Orden.

Also der Kartäuser...

Der Kartäuser ist der Orden?

Genau.

Und die Kartäuse, stimmt, ja, das ist dann wahrscheinlich das Gebäude, wo der Orden sitzt.

Während Charles in Paris ist, renoviert Marie das Gute Le Glendier.

Von ihrem Mann hat sie dafür relativ freie Hand bekommen.

Es scheint, als hätte sie sich mit der Situation abgefunden und beschlossen, das Beste draus zu machen.

Auch die Beziehung zu Charles ist wärmer geworden.

Sie schickt ihm sogar herzliche Briefe nach Paris und Mitte Dezember ein Kuchen.

Nach vier bis fünf Tagen kommt der Kuchen in Paris an.

Charles ist hoch erfreut und macht sich über die Süßigkeit her.

Doch schon kurz darauf wird er furchtbar krank.

Es blagen ihm Krämpfe und Erbrechen.

Der Kuchen muss auf der langen Reise schlecht geworden sein, denkt er sich.

Doch die Übelkeit verschwindet auch in den folgenden Tagen nicht.

Als Charles Anfang Januar nach Le Glandier zurückkehrt, geht es ihm immer noch schlecht.

Er begibt sich sofort ins Bett.

Der Arzt verordnet ihm eine sofortige Bettruhe.

Marie widmet sich in den kommenden Tagen hingebungsvoll der Pflege ihres Mannes.

Sie bringt ihm Essen und Trinken und versucht ihm so etwas Komfort zu verschaffen.

Besonders gern trinkt Charles Eiswasser, obwohl der Arzt warme Getränke empfohlen hat.

Also da sind wir sehr ähnlich.

Dazu reicht ihm Marie Merengue mit Creme, Trüffel und, als es ihm etwas besser zu gehen scheint, in weingetunktes Brot mit Geflügel und pürierten Kartoffeln.

Also da wurde schon auch ordentlich gegessen.

Finde ich, sollte man heute auch wieder einführen, dass wenn es einem schlecht geht, dass man da ein bisschen Trüffel isst.

Auf jeden Fall, da bin ich auch dafür, ja.

Petition.

Dass das bei der deutschen Ärzteschaft als Medizin eingetragen wird.

Ja.

Am ersten Krankheit, oder zweiten, am ersten geht es einem so schlecht.

Am zweiten Krankheitstag sollte das verordnet werden, dass ein kleines Bällchen Trüffel vor jeder Haustür liegt.

Auf den Körper aufgetragen wird.

Nee, das finde ich jetzt...

Dann kannst du es runterlegen.

Herr Lauterbach übernehmen Sie.

Ich glaube, der wäre da dagegen tatsächlich.

Ja, wahrscheinlich.

Herr Spahn übernehmen Sie.

Der wäre vielleicht dafür.

Doch trotz dieser Feinspeisen verschlechtert sich sein Zustand immer weiter.

Charles leidet unter ständigem Erbrechen, Krämpfen, Halluzinationen und einer beständigen Kälte.

Charles friert entsetzlich in dem kalten Schloss.

Wenn sie alleine sind, legt sich Marie zu ihm, um ihn zu wärmen.

Sie inszeniert sich als aufopferungsvolle Pflegerin, die sich immer wieder über die rabiaten Methoden der Landärzte beschwert, über die Sendpflaster und den Adalas.

Doch es hilft alles nichts.

Am 14.

Januar 1840 stirbt Charles Lafarge.

Und seine Familie hat schon zu diesem Zeitpunkt das Gefühl, dass die herzliche Pflege von Marie nur Show war.

Denn in den Tagen vor Charles' Tod beobachten seine Schwester und Mutter, wie Marie immer wieder ein weißes Pulver in seine Getränke und Medikamente mischt.

Auch mit den Hausangestellten führt sie verschwörerische Gespräche.

Als sie Marie darauf ansprechen, sagt diese nur, dass es sich dabei um Gummi-Arabikum handelt.

Doch die Familie glaubt ihr nicht.

Warum sollte sie ihm auch Gummi-Arabikum verreichen?

Das war damals auch ein Arzneimittel.

Heute ist es ein Zusatzstoff.

Damals war es ein Arzneimittel.

Ein Zusatzstoff?

Ein Zusatzstoff.

Die Familie glaubt, dass es Arsen ist.

Und zwar das Arsen, das Marie gekauft hatte, um angeblich die Ratten im Haus zu vernichten.

Und schauten sie jetzt auf die letzten Monate zurück, fügte sich auch ein Bild.

Die Enttäuschung über ihren angeblich so reichen Ehemann, der verzweifelte Brief in der ersten Nacht, der Kuchen in Paris.

Sie können nicht anders und informieren die Justizbehörden.

Zehn Tage später wird Marie verhaftet und ins Gefängnis gebracht.

Auf dem Weg stehen unzählige Menschen am Wegesrand, um Marie zu sehen und sie zu beschimpfen.

Denn der Tod von Charles Lafarge war jetzt auch ein Medienspektakel geworden.

Eine enttäuschte Frau bringt ihren Ehemann um.

True Crime hatte auch schon im 19.

Jahrhundert in Frankreich Konjunktur.

Doch der angebliche Mord war nicht alles, was Marie nun vorgeworfen wurde.

Denn bei der Durchsuchung ihres Zimmers in Le Glandier findet die Justiz Diamanten.

Und zwar genau die Diamanten, die ihre ehemalige beste Freundin Marie de Nicolai in Paris wenige Monate zuvor als vermisst gemeldet hatte.

War Marie also nicht nur eine Giftmörderin, sondern auch noch eine Diebin?

Schade, ich dachte ja am Anfang nach deinem Intro, dass das alles gar nicht so war, wie es erst dargestellt wurde, aber das hört sich ja jetzt wirklich so an, als hätte sie...

Das nur gespielt, die liebende Ehefrau und die kümmernde Ehefrau.

Und als hätte sie sich einfach überlegt, dass sie aus der Sache am besten rauskommt, wenn sie ihn los wird und nicht, wenn sie ihr Leben dafür opfert.

Ja, also die Indizien sind auf jeden Fall belastend, kann man glaube ich sagen.

Jetzt hat sie auch noch ihrer Freundin die Diamanten geklaut.

Ja, allegedly.

Ja, gut.

Wie sollen die in ihren Besitz gekommen sein?

Ja, sie argumentiert, dass Marie ihr diese Diamanten gegeben hat, weil ihr damaliger Ehemann oder immer noch Ehemann Geldprobleme hatte und sie nicht wollte, dass er diese Diamanten nimmt und umsetzt.

Das ist ihre Argumentation.

Und was ich ganz spannend fand in diesem Zusammenhang, ist, dass Arsen zu dieser Zeit tatsächlich auch ein Medikament war.

Also das nannte man, oder das nennt man auch heute noch fauler Lösung.

Und das ist eine Mischung aus Kalium und Arsen, was zu dieser Zeit wirklich als Allheilmittel betrachtet wurde.

Also man hat dann dieses Arsenpulver mit Potasche, mit einem Salz aufgekocht.

Und das hat dann das Arsen so gebunden, dass der Körper das aufnehmen konnte, einfacher.

Und weil diese ganze Mischung absolut ekelhaft geschmeckt hat, hat man das Ganze dann noch mit Lavendel versetzt.

Und so hatte man dann eine Medizin geschaffen, die zu einem Prozent aus Arsen bestand.

Und damit hat man dann Syphilis behandelt, Asthma behandelt, Schuppenflechten, Blutarmut und Malaria.

Also es war wirklich ein Rundum-Medikament.

Nur zwölf Monate nachdem Marie in den Feinsalons der Pariser Oberschicht unterwegs war, saß sie nun im barbarischen Zentralfrankreich in einem dreckigen Gefängnis.

Also weil für die Pariser war natürlich alles, was außerhalb von Paris war, barbarisch.

Waren die Pariser damals schon so hochnäsig?

Scheint so.

Bunkelt man ja.

Scheint so.

In ihren Memoiren bittet sie den Leser an dieser Stelle immer wieder, ihr durch ihre Unschuld zu glauben.

Doch ob sie wirklich unschuldig war, das musste nun ein Gericht entscheiden.

Als der Prozess am 3.

September 1840 in Thühl im Département Corrès beginnt, ist Marie gerade einmal 24 Jahre alt.

Zu ihrer Verteidigung hat sie vier Anwälte engagiert.

Vier?

Und die sind zu diesem Zeitpunkt bitter nötig, denn ihr öffentlicher Ruf ist bereits zerstört.

Zwei Monate zuvor, im Juli 1840, wurde sie zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass sie die Diamanten von Madame de Nicolai in Paris gestohlen hatte.

Marie sitzt nun nicht nur als verdächtige Mörderin, sondern auch als verurteilte Diebin vor Gericht.

Vor Gericht sagt nun zuerst die Familie von Charles aus.

Ihren Verdacht, dass Marie Charles mit Arsen umgebracht hat, wollen sie belegen.

Vor Gericht sagt nun zuerst die Familie von Charles aus.

Ihren Verdacht, dass Marie ihren Ehemann mit Arsen umgebracht hat, wollen sie belegen.

Vor Gericht wird also eine Puderzuckerdose präsentiert, in der Marie das Arsen aufbewahrt hat.

Und tatsächlich, der Inhalt stellt sich als Arsen heraus.

Nach dieser Feststellung veranlasst das Gericht, dass lokale Apotheker und Ärzte den Mageninhalt von Schal auf Arsen untersuchen.

Doch die Ergebnisse widersprechen sich.

Manchmal schlagen die Tests an, manchmal nicht.

Ein klares Urteil gibt es nicht.

Und das liegt vor allem daran, dass es zu diesem Zeitpunkt keine einfache Methode gibt, die eine Arsenvergiftung mit Sicherheit nachweisen kann.

Aber welche Möglichkeiten hatten die Ärzte und Apotheker damals überhaupt?

Möglichkeit 1, der Knoblauchtest.

Der Hintergrund ist der, wenn man Arsen verbrennt, dann riecht es stechend nach Knoblauch.

Das Problem war nur, man hatte den Mageninhalt von Schal.

Also man hat kein reines Arsen.

Das heißt, der fällt schon mal weg, der Test.

Möglichkeit 2, Farbtests.

Und zwar funktionierte der so, dass man einer Flüssigkeit, die angeblich Arsen enthält, Schwefelwasserstoff oder Kupfersulfat hinzufügt.

zusammen mit Ammoniak.

Wenn sich die Farbe verändert, enthält die Flüssigkeit Arsen.

Der Test war allerdings sehr störanfällig bei organischen Substanzen, also bei Mageninhalten.

Die Möglichkeit 3 ist, dass man den Mageninhalt mit Kaliumkarbonat und Kalk filtert, aufkocht, mit einer Säure versetzt und dann Holzkohle hinzufügt.

Und diese Kohle entzieht dem Arsenoxid den Sauerstoff.

Es bleibt also nur Arsen übrig.

Und das steigt als dampfförmiger Stoff auf und schlägt sich am kühleren oberen Teil des Glases als schwarzer metallischer Arsen-Spiegel nieder.

Das heißt, man versucht das Arsen, was in dem Markeninhalt ist, zu einem Gas zu verwandeln.

Das Ganze ist relativ aufwendig und man braucht auch einen sehr deutlichen Arsen-Gehalt.

Das war der Hintergrund, warum die Tests mal anschlagen, mal nicht anschlagen.

Wenn genügend Arsen in der Probe war, dann konnte man das nachweisen.

Wenn zu wenig drin war, dann ging das nicht.

Und das ist ja ein Wettlauf gegen den Mageninhalt, weil irgendwann ist nicht mehr genug da, was du untersuchen kannst.

Ja, also das kommt auch noch erschwerend hinzu, dass man Schal zu diesem Zeitpunkt exhumieren musste, um an den Mageninhalt zu kommen.

Ich merke, ich langweile dich.

Das heißt, wir machen mal weiter.

Du langweilst mich nicht.

Wir können ja ganz transparent sein.

Es ist Freitagabend, halb sieben.

Und wir haben schon hinter uns liegt eine lange Woche und wir haben schon den ein oder anderen Glühwein drin das heißt wir bringen das Jahr jetzt hier mit euch gemeinsam zu Ende sorry für den Gena ich bin ganz ohr ich bin auch nur müde.

Okay, ist doch gut, dass es nicht an mir liegt.

Also die dritte Möglichkeit kann man jetzt anwenden, aber die bringt eben kein eindeutiges Ergebnis zustande.

Nur für eine Verurteilung, da brauchte das Gericht einen wasserdichten Beweis.

Und da der Prozess mittlerweile landesweit Schlagzeilen gemacht hat, entscheidet sich das Gericht keine Kosten und Mühen zu schäumen.

Denn erst vor vier Jahren hatte der britische Chemiker James Marsh eine Methode entwickelt, mit der man Arsen zweifelsfrei von organischem Material trennen und so selbst kleinste Spuren nachweisen konnte.

Diesen Test konnte in Frankreich nur einer durchführen.

Der hochdekorierte Toxikologe und Forensiker Mathieu Orphila.

Oder Mathieu Orphila.

Bitte, Eltre.

Dieser reist nun von Paris nach Tülle.

Und im Gepäck hat er den Marschtest.

Und von Mathieu Orphila habe ich natürlich auch noch ein Bild.

Natürlich.

Das ist der gute Mann, der jetzt Licht ins Dunkel bringen soll.

Oh ja, Mathieu.

Mathieu sitzt so wie 50% der Männer in U-Bahnen, breitbeinig.

Er ist Rechtsträger.

Er ist Rechtsträger, ja.

Da habe ich jetzt gar nicht so genau hingeschaut.

Wow, hat der ein markantes Gesicht.

Ja.

Also auch eine markante Frisur.

Das ist alles markant.

Rechts und linkses Haar, oben ist nichts mehr.

Sie sitzt sehr steif da.

Aber irgendwie hat der ein tolles Gesicht, muss ich sagen.

Ich denke mal, bei so einflussreichen Menschen, die haben schon auch dafür gesorgt, dass sie so dargestellt werden, dass sie in Zukunft ...

Weißt du, was ich meine?

Wie sehr sah er wirklich so aus?

Wie sehr wurde da am Gesicht ein bisschen ...

Vielleicht war das die Schönheits-OP des 19.

Jahrhunderts, dass man dann auf solchen Gemälden so ein bisschen Glätte ins Gesicht gebracht hat.

Witzig finde ich aber, dass das Gesicht als solches auch als alte Fotografie durchgehen könnte und der Rest total gemalt aussieht.

Ja.

Aber er sitzt, wie es sich wahrscheinlich für einen hochdekorierten Toxikologen gehört, an einem Schreibtisch.

Im Hintergrund sind Bücher zu sehen, im Vordergrund auch.

Da lese ich irgendwas mit Poisson oder Poisson.

Also es geht um Gift.

Irgendwas mit Medizin, Legal, Medizinrecht.

Habe ich jetzt eins und eins zusammengezählt.

Ja.

Der Mann, dem die Giftmörderinnen nicht vertrauen.

Also, das Besondere war, dass dieser Test das Arsen vom organischen Material trennen konnte.

Und zwar funktionierte das Ganze so, dass man der verdächtigen Probe Zink und Schwefelsäure zusetzte.

Und wenn die Probe, diese verdächtige Probe jetzt Arsen enthält, dann reagierte dieses Arsen mit dem entstehenden Wasserstoff zu einem Gas, und zwar Arsenwasserstoff.

Das hast du doch gerade schon mal erklärt.

Der Unterschied ist im Grunde jetzt, dass dieser Arsenwasserstoff, der entsteht, der ist reiner und kann sozusagen kleinere Mengen aufnehmen.

En détail.

Kann ich dich jetzt da nicht einführen.

Was der größte Unterschied ist, der größte Unterschied ist, dass man bei dem Marschtest Zink und Schwefelsäure hinzusetzt und bei dem anderen setzt man Kaliumkarbonat und Kalk ein.

Wie genau die beiden Sachen jetzt wie wo reagieren, Lilly, da bin ich überfragt.

Ja, auch wenn du es mir jetzt erklären würdest.

Richtig.

Ich würde es wahrscheinlich eh nicht verstehen.

Und es interessiert mich.

Ja, weil das Wichtige ist, dass dieser Marschtest, dass diese Erfindung dafür sorgt, dass selbst kleinste Arsenpartikel freigesetzt werden.

Und das ist der größte Unterschied.

Der ist einfach genauer.

Der ist sehr viel genauer.

Und dieser Arsenwasserstoff, der jetzt aufsteigt, der wird durch ein Glasrohr geleitet und an einer Stelle wieder stark erhitzt.

Und durch die Hitze zerfällt das Gas dann.

Und wenn Arsen enthalten ist, dann fällt das reine Arsen wieder als schwarzer Belag am Glas nieder.

Und das nennt man dann Arsen-Spiegel.

Und je mehr Arsen in der Probe war, desto dicker und länger wird dieser Spiegel, weil er eben durch die Verbrennung dann abfällt.

Was außerdem ein Vorteil von diesem Test war, dass Gerichtsmediziner dieses Glasrohr dann einfach abschmelzen konnten, versiegeln und als physisches Beweisstück mit in den Gerichtssaal nehmen konnten.

Und Mathieu Orphila führt den Test jetzt mit dem Mageninhalt von Charles Lafarge durch und erhält ein eindeutiges Ergebnis.

Charles Lafarge wurde mit Arsen getötet.

Die Familie jubiliert, doch die Verteidigung von Marie möchte noch nicht aufgeben.

Sie argumentieren, dass Arsen ja auch aus dem Boden stammen könnte.

Denn um an den Mageninhalt von Charles zu kommen, musste sein Leichnam exhumiert werden.

Und dabei kam der Mageninhalt auch mit Erde in Kontakt.

Doch auch dieses Argument kann Mathieu auch Phila widerlegen.

Er nimmt Bodenproben rund um das Grab und unterzieht auch die Erde einem Marschtest.

Sie ist arsenfrei.

Am 19.

September 1840 wird Marie Lafarge schuldig gesprochen.

Das Gericht sieht es durch den Marschtest als erwiesen an, dass sie die Mörderin von Charles Lafarge ist.

Es ist ein juristischer Durchbruch.

Denn zum ersten Mal wird ein Urteil in einem Arsen-Mordprozess auf Basis eines toxikologisch-chemischen Beweises gefällt.

Der Test wurde jetzt nicht per se für einen anderen Mordfall entwickelt.

Dadurch ist dieser Fall das erste Mal, dass dieser Test angewandt wird, um jemanden zu überführen.

Aber hatten die Beweise dafür, dass sie die Person war, die ihm das verabreicht hat?

Also nur weil die Familie gesehen hat, dass sie weiße Pülverchen irgendwo reingemischt hat, heißt das ja noch lange nicht, dass sie das nach Sehen untergemischt hat.

Ja, wir kommen gleich dazu.

Denn die Strafe für Marie fällt zu diesem Zeitpunkt hart aus.

Sie wird in Tühl öffentlich an den Pranger gestellt und danach muss sie bis an ihr Lebensende Zwangsarbeit verrichten.

Doch als sich das Gericht auflöst und der Fall für beendet erklärt wird, trifft ein weiterer Verteidiger von Marie in Tühl ein.

Aufgrund von Verspätungen hatte er es nicht mehr rechtzeitig zum Prozess geschafft.

Er ist entsetzt, dass das Urteil schon rechtskräftig ist.

Er argumentiert, dass das Arsen ja auch aus den verwendeten Stoffen, also dem Zink oder der Säure, hätte stammen können.

Denn die waren zur damaligen Zeit oft nicht chemisch rein.

Die Unklarheit über die verwendeten Stoffe und ein fehlendes Beweisstück, das Marie zweifelsfrei als Mörderin überführt, sorgt in Frankreich für mächtiges Aufsehen und spaltet das Land in zwei Lager.

Die Anti-Lafagisten sehen in Marie eine eiskalte Mörderin, die hinterlistig ihren Ehemann ermordet hat.

Überzeugt werden diese Menschen auch von öffentlichen Vorträgen, die Mathieu Orphila hält und in denen er den hochmodernen, zweifelsfreien Marschtest erklärt.

Seine Vorträge sind so populär, dass der Marschtest bald auch in Salons vorgeführt wird.

Die Lafagisten, darunter viele Intellektuelle und Künstler, sehen in Marie das Opfer einer brutalen Justiz, einer unglücklichen Zwangsehe und einer provinziellen Verschwörung der Familie ihres Mannes.

Bestätigt wurden sie durch den Biologen François-Monson Raspey, der die Zuverlässigkeit der chemischen Tests in Frage stellte und argumentierte, dass die Ergebnisse oft irreführend sein könnten.

Auf welcher Seite stehst du?

Also dadurch, dass mir gerade nicht einfällt, wer das sonst gewesen sein könnte.

Denke ich schon auch, dass sie das war.

Nur ich fand gerade die Beweislage halt ein bisschen mau.

Die Beweislage ist absolut mau.

Also die Beweislage ist, hier wurde mit Arsen gearbeitet, die Familie hat sie gesehen, wie sie mit dem Stoff hantiert hat und er ist offensichtlich an Arsen gestorben.

Ja, und sie war unglücklich.

Er war ein übergriffiger, vergewaltigender Ehemann.

Also, dass sie aus der Situation raus wollte, kann man nachvollziehen.

Aber dieser Fall ist wirklich in aller Munde, vor allem in Paris, wo Marie ja herkommt.

Und auch in anderen Teilen Europas wird der Fall analysiert und kritisiert.

Die einseitige Prozessführung und wiederholten Kreuzverhöre beschreibt ein Mediziner aus London als grausam und ungerecht.

Die Auseinandersetzungen kochen immer weiter hoch.

Kurz nach dem Prozess wandelt König Louis Philipp I.

die Zwangsarbeit daher in eine einfache, lebenslange Haftstrafe um.

Das soll die erhitzten Gemüter beruhigen.

Im Juni 1892 wird Marie Lafarge vom damaligen König Napoleon III.

begnadigt.

Zu diesem Zeitpunkt leidet sie bereits schwer an Tuberkulose.

Gut fünf Monate später, am 7.

November 1852, stirbt sie am Fuß der Pyrenäen in Eussard-le-Ban mit 36 Jahren.

Bis zum Schluss beteuert sie ihre Unschuld.

Das ist der Fall Marie Lafarge.

Vielen Dank für diesen historischen Fall, der ja dann in der Gerichtsmedizin wirklich auch eine wichtige Rolle gespielt hat.

Was ich tatsächlich so ein bisschen symbolisch fand, war, wie sie sich eigentlich mit jedem Schritt weiter von Paris entfernt hat.

Also ich weiß nicht, wie sie da am Ende in den Pyrenäen gelandet ist, ob da einfach das Gefängnis war, wo sie zur Zwangsarbeit verpflichtet wurde.

Aber ja, mit jedem Schritt fände sie sich weiter eigentlich von diesem glamourösen Leben, dem sie mal angehört hatte.

Ja, aber sie konnte ja niemals zurück.

Tatsächlich wurde wenige Jahre später, also nach der Verurteilung 1846, wurden strengere Vorschriften für den Handel mit Giften eingeführt.

Also zum Beispiel für Arsen, dafür hat dieser Fall auch gesorgt in Frankreich.

Und 1844, vier Jahre nach dem Tod von Charles, wird Le Grandier auch an einen anderen Besitzer versteigert, der aber mit der Eisenhütte auch keinen Erfolg hatte.

Weil ich die Geschichte dieses Guts irgendwie ganz spannend finde, habe ich dann nochmal ein bisschen weiter geschaut, was noch so passiert ist.

Der Kathäuser Orden hat das baufällige Kloster dann 1860 tatsächlich zurückgekauft.

Später war es dann ein Sanatorium für tuberkulosekranke Mädchen und junge Frauen, was irgendwie in dem Zusammenhang auch ein bisschen ironisch ist, dass bei Maria daran erkrankt war.

Und 2019, 20 haben die letzten BewohnerInnen das Gebäude verlassen.

Es wurde 2020 versteigert und gehört nun einer Firma aus Bordeaux, die den Zuschlag für 2,8 Millionen Euro bekommen hat.

Also war noch ein bisschen was, war ein bisschen teuer, das Ganze.

Aber das zeigt einem auch nochmal, dass wenn man sich an solchen Orten befindet oder solche Gebäude besichtigen kann oder die auch nur von außen sieht, dass es sich schon nochmal lohnt, reinzurecherchieren, was da alles passiert ist.

Was da für Geschichten geschrieben wurden, welche Menschen da gelebt haben, vielleicht auch gestorben sind.

Also eine sehr bewegte Geschichte hat dieser Ort hinter sich.

Spannend.

Und es gab auch einen Film, der diese Geschichte verfilmt hat.

1938 kam der Film La Ferre Lafarge ins Kino, der übrigens nicht auf dem Gut Le Glendier gedreht wurde, sondern woanders.

Ja, ein Fall mit großer Auswirkung, weil danach war der Marschtest im Grunde so der Standardtest, um Arsen nachzuweisen, weil man damit eben auch in organischen Materialien, wo es ja dann meistens am Ende landet, weil in den wenigsten Fällen hat man neben einem Opfer reines Arsen stehen.

Deswegen ist es so wichtig, dass man so kleine Spuren aus dem Körper noch extrahieren kann, wurde dieser Test zum Standardtest.

Mhm.

Spannend.

Gut.

Vielen Dank.

Das war unser letzter Fall für dieses Jahr.

Aber bevor wir jetzt ins Jahr 2026 starten und Lilly ins Bett gehen darf, musst du uns noch einen Foodcrime verraten.

Das ist, glaube ich, die müdeste Folge, die wir je aufgenommen haben.

Aber wir sind, glaube ich, beide ordentlich ruhig.

Ich finde, das beschreibt das ja auch ganz gut.

Lilly, wir haben uns jetzt mal eine ruhige Nacht verdient.

Ist so.

Aber nicht, bevor du uns hier deinen Foodcrime verraten hast.

Ja, was ist mein Foodcrime?

Kann ich den Palettone nochmal bringen?

Nee.

Den haben wir ja letzte Woche schon besprochen.

Scheiße.

Was isst man denn so um die Silvesterzeit, was ein absolutes No-Go ist?

Oder was habe ich in letzter Zeit gegessen, was ein absolutes No-Go ist?

Magst du Fondue oder Raclette?

Ja, liebe ich, ja.

Total, liebe ich.

Fondue.

Aber auch das mit Fett?

Auch das mit Fett.

Gerade das mit Fett ist ja viel geiler, wenn du da das Fleisch reintunkst.

Nee, da habe ich keinen.

Da habe ich nichts.

Ich habe kürzlich, ja, vielleicht kann ich das ja sagen.

Ich habe kürzlich, wir saßen dieses Jahr auch sehr viel in der deutschen Bahn, muss man sagen, weil wir sehr viel für Dreharbeiten, für ZDF-Besseresser, durch die deutsche Landschaft gefahren sind.

Fahren wir von Berlin nach Köln, schlimmste Fahrstrecke aller Zeiten.

Ja, warte mal, da blinkt irgendwas.

Ich kann mich mehr aufnehmen.

Ich habe kürzlich in der Deutschen Bahn einen Linseneintopf gegessen.

Und das war kein Linseneintopf, sondern das war eigentlich eine Suppe, die total wässrig geschmeckt hat.

Und ich habe grundsätzlich nichts gegen das Essen gelegt.

Ende der Deutschen Bahn.

Lillys Kamera ist gerade ausgegangen, aber da die Folge fast zu Ende ist, würde ich sagen, ziehen wir das hier doch durch.

Also ich habe grundsätzlich nichts gegen das Essen in der Deutschen Bahn.

Ich finde viele Sachen lecker, auch wenn es alles ein bisschen überteuert ist.

Aber dieser Linseneintopf, geschmacklich war der gut.

Die Konsistenz war kein Eintopf, sondern eine Suppe.

Und das hat mich frustriert, weil ich hatte so richtig Hunger auf was Deftiges.

Und dann befriedigt ein was Suppenartiges leider nur selten.

Oder mich.

Ich möchte das nicht verallgemeinern.

Mich befriedigt das nur selten.

Und dann war ich ein bisschen enttäuscht.

Und dazu habe ich noch so eine blöde Schrippe gereicht bekommen, die auch nicht lecker war.

Und das fand ich nicht in Ordnung, weil das hat auch zu viel Geld dafür gekostet.

Die Portion war klein, ich war danach nicht satt.

Das fand ich kacke.

Ich fühle dich, wie wir Kids sagen, weil ich würde das Essen der Deutschen Bahn jetzt auch nicht per se als Foodcrime bezeichnen.

Weil dafür gibt es dann immer wieder Sachen, die lecker sind.

Aber es ist halt immer so ein Glücksspiel.

Ich habe das Gefühl, bei allem, was man da isst, man kann sich nie sicher sein, ob das jetzt wirklich gut ist, ob es genug ist.

Also manche Sachen sind echt lecker und andere Sachen sind wirklich so, dass man sich denkt, warum macht ihr euch die Arbeit, um das jetzt hier in diesen Zug zu bringen.

Ich habe auch die letzten Tage gesehen, dass es so ein Eggdrop-Sandwich gibt.

Und dann stand in der Karte so, probieren Sie diese koreanische Frühstücksspezialität oder so ein Bullshit, wo ich mir so denke, nee Leute, also ihr müsst jetzt nicht im Zug anfangen mit Eggdrop-Sandwich, weil das ist nur geil, wenn du ein frisches Brioche hast, wo ein frisches Rührei drin ist.

Und nicht so ein Ei aus dem Tetra-Pack in so einem toten deutschen Toastbrot.

Nee.

Das ist immer so, ich finde, der Foodcrime ist der, dass man sich nicht sicher sein kann, was man da vorgelegt bekommt.

Okay, darauf können wir uns einigen.

Gehe ich mit.

Und ich würde sagen, damit...

Bringen wir die Food Crimes 2025.

Saison zum Ende.

Richtig.

Wir verabschieden uns, wir bedanken uns für ein ganzes Jahr Food Crimes.

Wie viele Folgen haben wir dann in diesem Jahr gemacht?

280.

Richtig.

Wir freuen uns aufs nächste Jahr mit euch, hoffen aber bis dahin, dass ihr erstmal gut ins neue Jahr rein startet.

Wo auch immer, mit wem auch immer.

Macht's euch schön und wir hören uns dann am wievielten Januar wieder?

Am 6.

Wir können ja schon ankündigen, wir haben uns gedacht, wenn wir jetzt ins neue Jahr starten, machen wir noch mal zwei Folgen, in denen wir uns Fälle anschauen, die es nicht geschafft haben.

Weil da ist im letzten halben Jahr auch einiges zusammengekommen und ihr fandet das im Sommer super, was uns gefreut hat, weil uns das auch viel Spaß gemacht hat.

Deswegen werden wir die nächsten zwei Wochen uns Fälle anschauen, die es nicht geschafft haben.

Und dann geht's ganz normal weiter.

Tschüssi!

Tschüss!

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