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Episode Description
Michael Gartenschläger beweist die Existenz der DDR‑Selbstschussanlagen. Doch bei seiner letzten Aktion am 30.4.1976 wird er von einem Stasi-Kommando erwartet und erschossen.
In diesem Zeitzeichen erzählt Ulli Schäfer:
- warum Michael Gartenschläger die Selbstschussanlagen an der deutsch-deutschen Grenze demontieren will,
- wie aus einem unangepassten Jugendlichen aus Strausberg ein entschiedener Gegner des SED-Regimes wird,
- weshalb sein Tod bis heute für viele als Symbol für das Unrecht an der innerdeutschen Grenze steht.
Knapp 1400 Kilometer Metallgitterzaun, Stacheldraht, Minen, Wachtürme und tausende Selbstschussanlagen: Michael Gartenschläger kennt das System, mit dem die DDR ihre Grenze sichert.
Der 1944 geborene Strausberger hört als Jugendlicher Westmusik, protestiert nach dem Mauerbau gegen das Regime und wird 1961 zu lebenslanger Haft verurteilt. Fast zehn Jahre sitzt er im Gefängnis, bis ihn die Bundesrepublik freikauft.
Doch Gartenschläger schweigt nicht. 1976 demontiert er zwei Selbstschussanlagen vom Typ SM-70 und macht damit öffentlich, was die DDR leugnet. Als er am 30. April 1976 eine dritte Anlage abbauen will, gerät er in einen Hinterhalt und wird erschossen.
Das sind unsere wichtigsten Quellen und Interviewpartner:
- Thomas Köckeritz, Neffe von Michael Gartenschläger
- Freya Klier: Michael Gartenschläger. Kampf gegen Mauer und Stacheldraht, Leipzig 2012
- Lothar Lienicke und Franz Bludau: Todesautomatik. Die Staatssicherheit und der Tod des Michael Gartenschläger an der Grenzsäule 231, Frankfurt am Main 2003
- Andreas Frost: Michael Gartenschläger. Der Prozess. Mutmaßliches DDR-Unrecht vor einem bundesdeutschen Gericht, Schwerin 2002
Weiterführende Links:
- Zeitzeichen: Strafe in der DDR - Todesurteil für ein Flugblatt
- Zeitzeichen: 03.05.1974 - Erich Honecker will auf Flüchtende schießen lassen
- Zeitzeichen: Bau der Mauer in der DDR (am 13.08.1961)
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Die Macher hinter diesem Zeitzeichen:
Autor: Ulli Schäfer
Redaktion: Matti Hesse