Verbrecherjagd auf dem Ostfriedhof: Als die ganze Stadt einen Polizistenmörder suchte

February 21
38 mins

Episode Description

Wahre Verbrechen und spannende Kriminalfälle aus Köln und Umgebung

Hausfrauen unterbrechen ihren Einkaufsgang und Kinder ihre Spiele. Autofahrer halten an und steigen aus. Kein Parkplatz sei mehr in der Nähe des Ostfriedhofs zu bekommen, berichtet der Kölner Stadt-Anzeiger im April 1980. Beerdigungen mussten abgesagt werden, weil die Polizei das Gelände durchsuchen wollte. Drumherum standen offenbar Hunderte Schaulustige. Das Spektakel sei „eine prächtige Abwechslung“. Eigentlich fehle nur die Würstchenbude. Die Überschrift des Artikels lautete „Die Jagd hat ihr Publikum“. Er endete mit dem Satz „The show must go on.“ Es ist kaum zu glauben, was sich vor 46 Jahren in Köln abspielte: Eine ganze Stadt schien den Mörder Stefan Hlywa zu suchen, der tagelang die Polizei narrte, nachdem er ohne Schuhe aus einem Haus in Odenthal im Bergischen Land geflohen war. Immer wieder tauchte er irgendwo im Osten der Stadt und im Kölner Umland auf und verschwand wieder. In der neuen Folge von True Crime Köln berichten Laura Ostenda und Helmut Frangenberg von einem heute fast vergessenen Kriminalfall, der zu einem großen Medienspektakel wurde. Private Internetnutzungen und soziale Medien gab es damals noch nicht. Man kann sich leicht vorstellen, was sich in heutigen Zeiten abspielen würde, wenn die Polizei ähnlich arbeiten würde wie damals, als staunende Zuschauer gleich neben schwer bewaffneten Polizisten in der ersten Reihe standen. Bei der Fahndung durch die Polizei reihte sich eine Panne an die nächste. Alles schien unkoordiniert und planlos. Das Opfer des Flüchtigen war ein Polizist gewesen, der mit einem Kollegen ohne besondere Schutzmaßnahmen Hinweisen auf ein illegales Waffenlager in einer Privatwohnung nachgehen sollte. Die Lage eskalierte. Nachdem Stefan Hlywa auf Socken vom Balkon gesprungen war, versuchten die Polizisten, ihn zu stellen. Im Garten hinter dem Haus erschoss Hlywa den Polizeihauptmeister Günther Müller und entkam. Es begann eine Verfolgungsjagd ohne Gleichen. Dass Hlywa tagelang nicht gefasst werden konnte, obwohl er immer in der Nähe blieb, sorgte für bundesweites Aufsehen. Das zweiwöchige Katz-und-Maus-Spiel endete da, wo es begonnen hatte – im Haus der Wohnung seiner Lebensgefährtin.

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