Trotz Krisen einen kühlen Kopf bewahren: Dr. Nina-Kathrin Wienkoop über ihre Tätigkeit als Protestforscherin

March 20
50 mins

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Episode Description

Warum gehen Menschen demonstrieren, und können Demonstrationen wirklich etwas gegen den Rechtsruck und die daraus erwachsende Gefährdung unserer Demokratie ausrichten? Das sind die Fragen, mit denen sich Dr. Nina-Kathrin Wienkoop täglich auseinandersetzt. Als Politikwissenschaftlerin an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg und Vorstandsmitglied des Instituts für Protest und Bewegungsforschung (ipb) beobachtet sie Demonstrationen nicht nur, sondern analysiert sie und befragt systematisch Demonstrierende, so auch bei den „Demos gegen rechts", die medial große Aufmerksamkeit erhalten haben. Wie sich ihre Arbeit in diesem Kontext konkret gestaltet, welche Erkenntnisse sie dabei gewinnt und warum sie seitdem als Privatperson häufig nur noch ohne Schild an Demonstrationen teilnimmt, erzählt sie in dieser Episode.

Ihren akademischen Weg begann Nina mit einem Bachelorstudium in Ethnologie und Politikwissenschaften in Göttingen und einem anschließenden Master in Politischer Wissenschaft und Regierung an der Freien Universität Berlin. Hier kam sie im Rahmen der Friedens- und Konfliktforschung das erste Mal mit dem Thema Gruppendynamiken in Berührung: Wie entstehen diese, wer setzt sich durch, wer organisiert sich, wer bleibt still? Diese Fragen wurden schließlich die Grundlage für das, was in Ninas Promotion folgte: Für ihre Dissertation an der Leuphana Universität Lüneburg untersuchte sie, wie Protestbewegungen in Ländern, in denen demokratische Institutionen unter Druck geraten, als Schutzschild gegen die Aushöhlung der Demokratie wirken können. Konkret analysierte sie, was passiert, wenn Präsident:innen versuchen, nach Ablauf ihrer in der Verfassung festgesetzten Amtszeit weiter zu regieren, und welche Rolle zivilgesellschaftliche Mobilisierung dabei spielt, das zu verhindern. Für die Feldforschung reiste sie nach Westafrika, nach Burkina Faso und in den Senegal, lernte, in einem ganz neuen kulturellen Kontext zu forschen und auch die eigene Rolle als Wissenschaftlerin immer wieder kritisch zu hinterfragen. Diese Erfahrungen, berichtet sie, haben sie bis heute geprägt und haben ihr Verständnis von der eigenen Arbeit grundlegend beeinflusst.

Die Promotion selbst, die sie 2020 abschloss, beschreibt Nina als einen Weg, der sich Stück für Stück ergeben hat und nie vollständig vorgezeichnet war. Als Erstakademikerin gab es für sie von Anfang an eine klare innere Verbindung zwischen Bildung und der Freiheit, persönlich zu wachsen, sich entfalten und auf unterschiedlichste Arten einbringen zu dürfen. Diese Grundhaltung ließ sie auch ungewöhnliche berufliche Wege in Betracht ziehen: Den Entschluss, zu promovieren, fasste sie nicht aus dem inneren Wunsch, Professorin zu werden, sondern weil ihr eine Kollegin gezeigt hatte, dass nach einer Promotion ganz unterschiedliche Wege denkbar sind, um sich beruflich zu verwirklichen und zugleich einen Beitrag zum gesellschaftlichen Zusammenleben zu leisten. Diese Erkenntnis beschreibt Nina als einen der prägendsten Momente ihrer Zeit an der Universität.

Hört rein und erfahrt die Antworten auf folgende Fragen: Wie läuft eine Demonstrant:innenbefragung in der Praxis ab? Warum plädiert Dr. Nina-Kathrin Wienkoop dafür, dass Streiten nicht das Gegenteil von Demokratie ist, sondern ihr Kern? Und was können wir selbst tun, wenn wir von der Politik müde sind und den Eindruck haben, als einzelne:r Wähler:in wenig bewirken zu können?

Viel Spaß beim Hören!

Moderiert wird diese Episode von: Helena Minner

Das Interview fand statt im Februar 2025

Hier geht es zu Links und weiterführenden Informationen: https://studium-und-dann.com/?p=16565

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