Episode Description
Judith Booker leitet seit anderthalb Jahren den ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst der Malteser im Landkreis Emmendingen.
Im Gespräch erzählt sie von ihrem persönlichen Weg in die Hospizarbeit, von prägenden Verlusterfahrungen und davon, warum diese Aufgabe für sie „Liebe auf den ersten Blick“ war. Besonders wichtig ist ihr, ein häufiges Missverständnis aufzulösen: Kinder- und Jugendhospizarbeit bedeutet nicht nur Sterbebegleitung, sondern vor allem Lebensbegleitung – ab der Diagnosestellung, manchmal über viele Jahre hinweg, für erkrankte Kinder, Jugendliche, Geschwister und auch Familien, in denen ein Elternteil schwer erkrankt ist.
Im Alltag geht es darum, Familien in enorm belastenden Situationen konkret zu entlasten: durch Gespräche, organisatorische Unterstützung, Hilfe bei Anträgen oder Krankenkassen-Themen und durch Ehrenamtliche, die regelmäßig Zeit mit dem erkrankten Kind oder den Geschwistern verbringen. Ein Besuch kann ganz unterschiedlich aussehen – je nachdem, was die Familie braucht. Oft entsteht über feste wöchentliche Termine eine stabile Unterstützung, die Eltern Raum zum Durchatmen gibt und Kindern schöne, verlässliche Momente schenkt. Gleichzeitig beschreibt Judith Booker, wie stark Kinder und Jugendliche selbst in schweren Situationen sein können – mit Dankbarkeit, Mut und immer wieder neuen Momenten von Freude und Lebensqualität.
Ein Herzstück der Arbeit sind die Ehrenamtlichen. Wer Familien begleiten möchte, wird über einen mehrmonatigen Qualifikationskurs vorbereitet und kann sich unabhängig von Beruf, Alter oder Vorerfahrung einbringen. Wichtig sind Mitgefühl ohne Mitleiden, ein offenes Herz, gutes Zuhören und die Bereitschaft, schwere Situationen mitzutragen.
Unterstützen kann man den Dienst aber nicht nur durch aktive Begleitung, sondern auch im Hintergrund, durch Öffentlichkeitsarbeit, Räume, Material oder Spenden, denn die Arbeit ist für Familien kostenfrei und bleibt über ein eigenes Spendenkonto direkt in der Region.
Judith Bookers Wunsch für die Zukunft: dass alle Menschen im Landkreis wissen, dass es diesen Dienst gibt, damit betroffene Familien überhaupt die Wahl haben, Hilfe anzunehmen.