Episode Description
Ich nenne es für mich gerade krebsinduzierte Neurodivergenz.
Nicht, weil Krebs aus einem Menschen einfach einen anderen Neurotyp macht. Sondern weil eine schwere Erkrankung, Todesangst, Entzündung, Chemotherapie, Medikamente, Steroide, Kontrollverlust und die Angst vor einem Rezidiv das Nervensystem so belasten können, dass in der Akutzeit plötzlich keine Kapazität mehr übrig bleibt.
Bei mir war diese Kapazität vor allem während der Therapien weg. Ich hatte keine Kraft mehr, souverän zu wirken, Gespräche auszuhalten, Rollen zu erfüllen oder weiter so zu funktionieren, als wäre ich noch derselbe Mensch wie vorher.
Erst später, während der Traumaverarbeitung, habe ich verstanden, woran das eigentlich lag.
Diese fehlende Kraft war nicht nur eine Folge von Krebs. Sie hat sichtbar gemacht, wie viel Energie ich schon vorher dafür verbraucht hatte, zu maskieren, mich anzupassen und gegen meine eigene Wahrnehmung zu leben.
Krebs hat das nicht erfunden. Krebs hat mir in der Akutzeit nur die Kapazität genommen, es weiter zu überspielen.
Ein paar Gedanken über krebsinduzierte Neurodivergenz, Maskieren, Sinnlosigkeit, Akuttherapie, Trauma, Sympathikus, Parasympathikus und die Frage, warum man nach so einem Kollaps vielleicht gar nicht mehr ins alte Leben zurück sollte. 🧠