Wenn der Körper nicht mehr mitmacht – Intimität mit chronischer Krankheit und Long Covid

February 22
45 mins

Episode Description

Mara lebt schon lange mit einer chronischen Erkrankung und sie kennt den Balanceakt zwischen Alltag, Energiehaushalt und dem ständigen Mitdenken: Was geht heute, was nicht? Über die Jahre hat sie Strategien entwickelt, die ihr Halt geben: Routinen, Pausen, eine gewisse Disziplin im Umgang mit ihren Kräften. Doch seit Long Covid dazukam, fühlt es sich an, als hätte sich der Boden unter diesen bewährten Methoden verschoben. Plötzlich reicht das, was früher geholfen hat, nicht mehr. Der Körper reagiert unberechenbar, Grenzen tauchen früher auf, und das Vertrauen in die eigene Belastbarkeit gerät ins Wanken.

Im Gespräch mit Dania beschreibt Mara, wie schwer es ist, wenn der eigene Körper nicht mehr als verlässlicher Partner erlebt wird, sondern als etwas, das jederzeit „dazwischenfunken“ kann. Diese Unsicherheit verändert nicht nur den Alltag, sondern auch das innere Erleben: die Stimmung, das Selbstbild, die Geduld mit sich selbst. Mara erzählt von Tagen, an denen sie sich wie eine andere Version ihrer selbst fühlt, weniger spontan, weniger belastbar, schneller überfordert. Und sie spricht über das stille Gefühl von Verlust: von Freiheit, von Leichtigkeit, von einem Körper, der „mitmacht“.

Besonders spürbar wird das in ihrer Partnerschaft. Intimität war lange ein Ort von Nähe und Verbundenheit. Doch unter der gesundheitlichen Belastung wird sie zunehmend kompliziert. Nicht, weil Liebe fehlt, sondern weil Energie fehlt. Weil Berührungen manchmal zu viel sind. Weil Lust nicht einfach abrufbar ist. Weil körperliche Symptome und Erschöpfung mitten in etwas Schönem auftauchen können. Mara beschreibt, wie sich daraus ein Kreislauf entwickeln kann: Rückzug aus Selbstschutz, Missverständnisse, Scham, Schuldgefühle und das Gefühl, dem anderen nicht mehr gerecht zu werden.

Gemeinsam mit Dania schaut Mara darauf, wie Paare in solchen Situationen neue Wege finden können, ohne die Realität zu beschönigen. Es geht darum, Erwartungen neu zu verhandeln: Was bedeutet Intimität, wenn Sex nicht (immer) möglich ist? Wie kann Nähe entstehen, wenn der Körper Grenzen setzt? Welche Formen von Berührung, Zärtlichkeit und Begehren passen zu dem, was heute da ist und nicht zu dem, was früher war? Im Zentrum steht die Frage: Wie kann Verbindung gelingen, wenn Planbarkeit fehlt?

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