Gfa-Kulturwelten: Fotorealismus. 1900 - 1950

August 15
1h 3m

Episode Description

 GfA Kulturwelten Kunst, Musik und Kulturgeschichte, ein Podcast der Gesellschaft für Arbeitsmethodik e.V. Die Reihen wechseln, bisher unter anderem eine Serie zur Kunst der Kunstbewertung und eine zur Geschichte des Tango Argentino, von den Anfängen in Buenos Aires bis nach Paris. Zu jeder Folge gibt es ausführliche Shownotes mit Literaturangaben, für alle, die weiterlesen wollen. Von Brigitte E. S. Jansen. Gesprochen wird die Reihe u.a. von Brigittes geclonter Stimme und von KI-Stimmen.
 Um 1900 wollten Fotografen Künstler sein — und machten ihre Bilder deshalb absichtlich unscharf. Diese Folge beginnt mit einem Rekord: Edward Steichens „The Pond—Moonlight" (1904), 2006 für 2,9 Millionen Dollar versteigert — ein Foto, das ein Gemälde sein wollte. Dem Piktorialismus steht die „Gerade Fotografie" gegenüber: Bilder, die nicht malen, sondern zeigen.Die Stationen:
  • Piktorialismus & Photo-Secession: Steichen, Stieglitz, der Gummidruck — die Fotografie verkleidet sich als Kunst
  • Die stillen Gegenentwürfe: Eugène Atget fotografiert das alte Paris ohne Menschen; Anton Josef Trčka porträtiert 1914 Klimt und Schiele in Wien — scharf, direkt, ungeschminkt (Trčka starb 1940, sein Nachlass verbrannte 1944)
  • Neue Sachlichkeit & Neues Sehen: August Sanders Menschen des 20. Jahrhunderts, Blossfeldt als Lehrer des Sehens, Renger-Patzsch' „Die Welt ist schön"; Erich Salomon erfindet mit der Ermanox den modernen Bildjournalismus; die Stuttgarter Ausstellung „Film und Foto" 1929
  • Theorie-Dreieck: Kracauer (1927), Benjamin (1931), Brecht (1934) — drei Antworten auf die Frage, was ein Foto über die Wirklichkeit verrät
  • Straight Photography in Amerika: Edward Weston („Pepper No. 30" — die „Quintessenz des Dinges selbst"), Tina Modotti in Mexiko („Workers Parade" 1926), die Gruppe f/64 (1932)
  • Dokument und Humanismus: Lewis Hines Reformfotografie, die Farm Security Administration (Dorothea Langes „Migrant Mother" 1936), Robert Capa am D-Day, die Gründung von Magnum Photos 1947
Kerngedanke: Es gibt keinen neutralen Realismus — jedes scharfe Bild ist eine Entscheidung, und die Frage ist, wer sie trifft.Zeitplan:
[00:00] Intro: Steichens Auktionsrekord · [04:00] Die Malerei-Falle: Piktorialismus, Atget, Trčka · [17:30] Europa: Neue Sachlichkeit, Salomon, Film und Foto · [30:00] USA und Mexiko: Weston, Modotti, f/64 · [43:30] Reform, Krieg und Humanismus: Hine, FSA, Capa, Magnum · [54:30] Schluss und Ausblick auf Folge 2Kontakt: b@gfaev.de 
 Theorie, Selbstzeugnisse und fotografische Primärquellen der Episode
  • Siegfried Kracauer: „Die Photographie“. Erstveröffentlichung: Frankfurter Zeitung, 28. Oktober 1927; wieder abgedruckt in: Ders., Das Ornament der Masse. Essays, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1963, S. 21–39.
  • Walter Benjamin: „Kleine Geschichte der Photographie“. Erstveröffentlichung in drei Teilen in Die literarische Welt, September/Oktober 1931; wieder abgedruckt in: Ders., Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Drei Studien zur Kunstsoziologie, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1963, S. 45–64.
  • Bertolt Brecht: „Der Dreigroschenprozeß. Ein soziologisches Experiment“, 1931, zuerst veröffentlicht in der Reihe Versuche, Heft 3.
  • August Sander: Antlitz der Zeit. Sechzig Aufnahmen deutscher Menschen des 20. Jahrhunderts, mit einer Einleitung von Alfred Döblin, München: Transmare Verlag / Kurt Wolff Verlag 1929.
  • Albert Renger-Patzsch: Die Welt ist schön. Einhundert photographische Aufnahmen, herausgegeben und eingeleitet von Carl Georg Heise, München: Kurt Wolff Verlag 1928.
  • Karl Blossfeldt: Urformen der Kunst. Photographische Pflanzenbilder, mit Karl Nierendorf, Berlin: Ernst Wasmuth 1928.
  • Eugène Atget: Lichtbilder, mit einer Einführung von Camille Recht, Paris/Leipzig: Henri Jonquières 1930.
  • Erich Salomon: Berühmte Zeitgenossen in unbewachten Augenblicken, Stuttgart: J. Engelhorns Nachf. 1931.
  • Edward Weston: The Daybooks of Edward Weston, 2 Bände, hrsg. von Nancy Newhall, New York: Horizon Press / Rochester: George Eastman House, 1961–1966.
  • Robert Capa: Slightly Out of Focus, New York: Henry Holt and Company 1947.
Kontextliteratur
  • Beaumont Newhall: Geschichte der Photographie, aus dem Englischen von Reinhard Kaiser, München: Schirmer/Mosel 1984. Englisches Original: The History of Photography from 1839 to the Present Day, New York: Museum of Modern Art 1949.
Online-Quellen – Museen und Institutionen
  • Metropolitan Museum of Art, Heilbrunn Timeline of Art History: „Eugène Atget (1857–1927)“
  • Metropolitan Museum of Art: Anton Joseph Trcka, Egon Schiele, 1914
  • Metropolitan Museum of Art, Heilbrunn Timeline of Art History: „Group f/64“
  • Library of Congress: National Child Labor Committee Collection – Fotografien von Lewis Hine und anderen
  • Museum of Modern Art: Tina Modotti, Workers Parade, 1926, Audio-Kommentar von Kuratorin Eva Respini
  • Museum of Modern Art, Object:Photo: Edward Weston, Steel: Armco, Middletown, Ohio, 1922
  • Museum of Modern Art: Ausstellung Road to Victory, 1942
  • International Center of Photography: Erich Salomon
  • Art Institute of Chicago: The Alfred Stieglitz Collection

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