EGL110 Scherbenland – Xbergs Identity Property

August 13

Episode Description

„Der Traum ist aus, zu dieser Zeit. Doch nicht mehr lange - mach dich bereit für den Kampf ums Paradies. Wir haben nichts zu verlieren, außer unsere Angst. Es ist unsere Zukunft, unser Land. Gib mir deine Liebe, gib mir deine Hand.“ Rio Reiser

In dieser Sommerfolge machen wir es uns vermeintlich leicht: keine große Vorbereitung, einfach zusammen ins Kino und danach beim Laufen reden. Wir sehen im Kino Zukunft den Dokumentarfilm „Scherbenland“ an und stolpern prompt in einen Metaclash, als wir merken, dass ein Interview des Films direkt vor der Tür dieses Kinos aufgenommen wurde. Anschließend spazieren wir Flos alte Laufroute nach entlang der Rummelsburger Bucht und Alt-Stralau. Dabei versuchen herauszufinden, was dieser Film eigentlich mit uns gemacht hat. „Scherbenland“ ist weniger die erhoffte historische Ton-Steine-Scherben-Doku als vielmehr eine Liebeserklärung an Kreuzberg – ein Heimatfilm, dessen Schauplatz auf ein bis zwei Quadratkilometer schrumpft. Drei Musik-Perspektiven werden verwoben: das Rap-Trio RAPK mit ihrer Kiez-Attitüde und ihrem Lebensgefühl „Land Kreuzberg“, die Liedermacherin Maike Rosa Vogel mit ihrer klaren, ergreifenden Stimme und ihren Songs um soziale und ökolgische Ungerechtigkeiten, sowie der starken Stimme von Rio Reiser mit Ton Stein und Scherben. Micz ist skeptisch, ja fast empört: ihm fehlt die Einordnungen, das Thema, der rote Faden. Er hat das Gefühl, in die Irre geführt zu werden. Besonders bei der Frage, ob verschnittenes Wasserwerfer-Material und ein Rio-Reiser-Konzert zeitlich und örtlich (DDR? West-Berlin? Mainzer Straße 1990?) überhaupt zusammenpassen. Flo hält dagegen: Der Film schaffe ein Gefühl, ein Lebensgefühl, auch wenn die Collage nicht ganz zusammenklebt. Den meisten Raum im Film nimmt RAPK ein. Das Rap-Trio wird ausführlich porträtiert, mit vielen Songs, Konzertmitschnitten aus der Columbiahalle und intimen Momenten in Hinterhöfen, Kinderzimmern und auf Kreuzberger Dächern. In diesen Passagen bekommen wir das Gefühl einem Promotionvideo der Band zu folgen. Dennoch vermittelt sich ein Bezug; RAPK sind keine Zugezogenen mit einem ungelösten Konflikt oder auf Suche nach einer neuen Heimat, sondern die Einheimischen, die einfach geblieben sind, hineingewachsen in den Kiez wie Fische ins Meer. Ihr Widerstand ist weniger Parole als Lebensgefühl. Wir tauchen auch in die Stadtgeschichte und linke Tradition von Kreuzberg ein: das von der Mauer umschlossene Insel-Kreuzberg mit seinen toten Ecken, billigem Wohnraum, hohem Migrationsanteil, „Fahnenflüchtigen“ und der queeren Szene. Wir sprechen über die Hausbesetzerbewegung, den Schwenk zum „Das Private ist das Politische“ und die Autonomen-Szene. Es geht auch um die Räumungen von der Mainzer bis zur Liebigstraße und um den ritualisierten, fast sportlichen revolutionären 1. Mai. Am Ende bleibt Ambivalenz: ein Film, der vor allem ein Gefühl transportiert, dem aber der rote Faden und die politische Dringlichkeit fehlen. Muss man sehen? Möchte man gesehen haben, wenn man Kreuzberg liebt!

Shownotes

Mitwirkende

Film
TitelScherbenland
ProduktionslandDeutschland
OriginalspracheDeutsch
Erscheinungsjahr2026
Länge100 Minuten
Stab
RegieLutz Pehnert, Ferdinand Hübner
DrehbuchLutz Pehnert, Ferdinand Hübner
ProduktionSusann Schimk
MusikTon Steine Scherben
KameraThomas Lütz
SchnittThomas Kleinwächter

Prinzessinnenbad – RAPK

Ich glaub‘, ich hab‘ mich verlor’n
In ei’m Land namens Kreuzberg (Ahh)
Oh ja, hier kannst du was seh’n (Kannst du was seh’n)
Und glaub nicht, dass du enttäuscht wirst, ah, ah
Lolo, ich bin hier gebor’n, ey (Ja, ja, ja)
In ei’m Land names Kreuzberg
Ja, Tauben fliegen übern Zaun
Das kannst du auch, wenn du hier aufwächst, mhm

Drei, sechs, sechs, eins
The whole day through (Hole day through)
Is‘ wie ein alter Song, so gut
In meinem Kopf bleibst immer du, du
K-Köfte Kottbusser Damm, ah
Prinzenbad ist wie Strand
Touris sind hier verlor’n, ah
Laufе Skalitzer lang (Ja)
Barbecues im Park
Guck, еin paar Rentner sammeln Pfand
Ich weiß selber keinen Weg hier raus, doch zeig mir, wenn du’s kannst
I-I-In der O-Straße häng’n Punk-Rocker bei Coretex
Und die Schuhe von der Ampel am Rio
Ja-ja, hier zählt nicht, wo du irgendwann gebor’n bist
Ich weiß nur, wer das nicht versteht, ist ein Idiot
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Tyler, The Creator

Ich glaub‘, ich hab‘ mich verlor’n
In ei’m Land namens Kreuzberg (Ahh)
Oh ja, hier kannst du was seh’n (Kannst du was seh’n)
Und glaub nicht, dass du enttäuscht wirst, ah, ah
Lolo, ich bin hier gebor’n, ey (Ja, ja, ja)
In ei’m Land names Kreuzberg
Ja, Tauben fliegen übern Zaun
Das kannst du auch, wenn du hier aufwächst, mhm

Ich kann nicht anders – Maike Rosa Vogel

Ich bin traurig, dass wir nicht für immer leben, und dass diese Welt nicht schneller zu dem Ort wird, den wir wollen
Nur einen Augenblick kann ich was von mir geben, dann hört es auf und ist vorbei, wie blöd ist das denn?

Wir sind so unterschiedlich und alle diese Menschen wollen verstanden werden, manche wollen sogar auch verstehen.
Es scheint vergeblich und umsonst, in diesem Chaos ist es Kunst nur für fünf Minuten zu wissen, wer man sein soll.

Und wenn ichs weiß, dann schau ich um mich und sehe alles, aufgereiht im Durcheinander, wild zerschossen wie im Krieg.
Ich mag es so gern, und ich mochte es schon immer. Ich kann nicht anders als zu glauben dass es ein gutes Ende gibt,
irgendwann. Irgendwann. Irgendwann. Irgendwann.

Vielleicht ohne mich, vielleicht mit meinen Kindern. Wer weiß schon, in welchen Wellen glückliche Enden auf uns rollen,
aber jetzt ist es schon gut, mit dem Schwachsinn und dem Schwindel, mit den Spießern, den Idioten, mit den Lebenden, den Toten.

Mit dem atomaren Müll und mit den gequälten Tieren, mit dem Gift auf unserer Haut, mit dem Dreck, den wir produzieren,
mit den Bomben, den Geschossen, Kindern in Westen statt Schwimmflossen, im Mittelmeer auf Rettungsbooten, fast gerettet, fast verloren.

Und wenn es schlimm ist, richtig schlimm, dann schau genau hin: wie viele Menschen sich noch finden, um den Horror zu verhindern.
Es sind meistens mehr als die, die den Rücken zu uns kehren, und uns den Teil in sich verwehren, mit dem sie auch geboren werden.

Es gibt immer welche, die ins kalte Wasser hinterher springen, bis zur Erschöpfung Deiche sichern, ins brennende Haus wieder hineinrennen,
die aus Containern Essen reichen, die dem schlimmsten Mob nicht weichen, wenn es darum geht den anderen ihre Menschlichkeit zu reichen

Es ist gut, mit Polizisten, manche hier, um uns zu schützen, manche nur um wegzuschauen, wenn andere wieder Menschen hetzen.
Mit den viel zu dünnen Frauen die sich viel zu wenig trauen, mit dem vielen Sex, den viele haben ohne es zu wollen.

Und mit der Schuld, die wir mal spüren und mal betäuben, weil wir trotzdem gerne hier sind weil wir uns trotzdem an uns freuen.
Sie steht da und lässt uns aussehen wie Idioten, wenn wir die Leichtigkeit so wollen, wenn wir einfach glücklich sind.

Wenn wir verliebt sind und betrunken, wenn wir tanzen, ganz versunken.
Es ist gut, noch hier zu sein. Es ist gut noch hier zu sein.
Es ist gut, noch hier zu sein. Es ist gut noch hier zu sein.
Es ist gut, noch hier zu sein. Es ist gut noch hier zu sein.
Es ist gut, noch hier zu sein. Es ist gut, noch hier zu sein.

Der Traum ist aus – Ton Steine Scherben

Ich hab geträumt, der Winter wär‘ vorbei
Du warst hier und wir war’n frei
Und die Morgensonne schien

Es gab keine Angst und nichts zu verlieren
Es war Friede bei den Menschen und unter den Tieren
Das war das Paradies

Der Traum ist aus
Der Traum ist – aus
Aber ich werde alles geben, dass er Wirklichkeit wird
Aber ich werde alles geben, dass er Wirklichkeit wird

Ich hab geträumt, der Krieg wär vorbei
Du warst hier und wir war’n frei
Und die Morgensonne schien

Alle Türen waren offen, die Gefängnisse leer
Es gab keine Waffen und keine Kriege mehr
Das war das Paradies
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Der Traum ist aus
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Aber ich werde alles geben, dass er Wirklichkeit wird
Aber ich werde alles geben, dass er Wirklichkeit wird

Gibt es ein Land auf der Erde, wo der Traum Wirklichkeit ist?
Ich weiß es wirklich nicht
Ich weiß nur eins, und da bin ich sicher:
Dieses Land ist es nicht
Dieses Land ist es nicht
Dieses Land ist es nicht
Dieses Land ist es nicht

Der Traum ist aus, zu dieser Zeit
Doch nicht mehr lange – mach dich bereit
Für den Kampf ums Paradies
Wir haben nichts zu verlieren, außer uns’rer Angst
Es ist uns’re Zukunft, unser Land
Gib mir deine Liebe, gib mir deine Hand

Der Traum ist aus
Der Traum ist – aus
Aber ich werde alles geben, dass er Wirklichkeit wird
Aber ich werde alles geben, dass er Wirklichkeit wird
Dass er Wirklichkeit wird
Wirklichkeit

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