EGL107 Fender kills Strat: Wie eine Marke sich kaputt klagt (Stromgitarre 9)

July 2
41 mins

Episode Description

"Oh, the sound is thin and the sound is cheap. Like a tin can falling on a dead-end street. Fender Stratocaster" Jonathan Richman 1989

Diese Folge ist anders als alles, was Flo erwartet hat. Micz trägt Liedtexte des Singer-Songwriters und Proto-Punkers Jonathan Richman vor, speziell "Fender, Fender, Fender" und "The Fender Stratocaster". Die wahrscheinlich bekannteste und beliebteste E-Gitarre ever, inzwischen über 70 Jahre alt (1954), beschreibt Richman passend: "Everythin’ your parents hated about rock ’n’ roll (...) Wangin’ and a twangin’, sounding so tough (...) And the kids in my corner, they can’t get enough. Fender Fender Fender". In dieser Episode reden wir darüber, wie Fender unter neuem Leadership ihre Community verstört, und über das vielleicht wichtigste "Gitarrenurteil" des Jahres. Das Landgericht Düsseldorf hat entschieden, dass die Korpusform der Fender Stratocaster als urheberrechtlich geschütztes Werk der angewandten Kunst gelten kann. Konkret ging es um einen chinesischen Hersteller, der Strat-Kopien über AliExpress in die EU verkauft hatte – der jedoch gar nicht vor Gericht erschienen ist. Das Urteil ist also ein "Versäumnisurteil", zu einer Verhandlung kam es nicht. Dabei kommen wir nicht umhin, einen Blick auf die Geschichte von Fender zu werfen. Legende Leo Fender verkaufte das Unternehmen bereits 1965. Heute gehört es mehrheitlich zur Servco-Gruppe, die während des Corona-Lockdowns massiv vom weltweiten Gitarrenboom profitierte. Wir diskutieren die Frage, ob die Branche die außergewöhnliche Nachfrage der Pandemie möglicherweise überschätzt hat und ob die aktuelle juristische Offensive auch vor dem Hintergrund eines schwächeren Marktes nach dem Boom betrachtet werden sollte (ausdrücklich eine Hypothese, keine belegte Tatsache). Fragt man die Kund:innen und die Gitarren-Community, dann gibt es zwar Verständnis dafür, gegen eindeutige Plagiate vorzugehen, aber auch viel Unmut über das rabiate Vorgehen mit Abmahnungen gegen kleine Hersteller:innen, Drohungen im sechsstelligen Euro-Bereich und Aufforderungen, Gitarren zu zerstören. Gehört die Stratocaster wirklich Fender allein – oder ist diese Gitarre nach 70 Jahren längst Gemeingut?

Shownotes

Mitwirkende

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Quellen, die überquellen

Weil die Zündschnüre der Anwält:innen kurz zu sein scheinen, finde ich es nur richtig gleich zu Beginn klarzustellen:
In dieser Episode spreche ich über Vermutungen, die in manchen Gitarren-Foren angestellt werden, was denn „hinter“ all dem Gerassel bei Fender steht. Ihr seht schon: das hat schnell auch Verschwörungscharakter. Und es handelt sich nicht um meine Überzeugungen, sondern Vermutungen anderer, die ich versucht habe zu prüfen und die entsprechenden Quellen in den Shownotes verlinkt habe. So z.B. dass Leo Fender auf einem Ohr taub gewesen sei, dass die Corona Pandemie das Musik Business verändert hat und dabei Fender während der Pandemie ein „Revival“ von Gitarren erlebte, denn während der Pandemie ging der Verkauf von Gitarren bei Fender stark in die Höhe. Dass der relativ neue Besitzer von Fender ‚Servco‘ schon 2022 hunderte von Angestellten entlassen habe und auch 2026 Entlassungen bei Fender anstehen. Eine Zusammenfassung zu den Entlassungen 2022 und einer Klage gibt es auf YouTube.

Zur aktuellen Situation 2026: Der Fender CEO äußert sich zur Kontroverse, denn viele Gitarist:innen und Gitarrenbauer:innen (Luthier) sorgen sich, was das Stratocaster-Urteil für Gitarristen bedeutet und ob die „Kult-Gitarre“ vielleicht Gemeingut sei? Spekuliert wird mancherorts, dass Fender das „Leo Fender“ Trademark 2025 beim Konkurs von G&L aufgekauft hat, um den Rechtsstreit über das Urheberrecht (nicht Patente, nicht Markenrecht, nicht Gebrauchsmusterschutz) zu führen.

„One significant development is Fender’s acquisition of the trademark for the ‘Leo Fender’ name and likeness. Court filings published by the United States Patent and Trademark Office reveal that Fender successfully filed for this trademark at the beginning of October. This move gives Fender control over one of G&L’s most valuable assets and allows them to use Leo Fender’s name in future operations.“
musicalinstrumentworld.com 5.11.2025

Auf jeden Fall gibt es scheinbar aktuell (2026) eine Abmahnwelle im Gitarrenbau.

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