Episode Description
In der 213. Folge des Digital Business Podcasts begrüßt Matthias Walter Eser einen Gast, dessen Lebensweg mit einem Absturz begann: Jan Pörschmann wollte Pilot werden. Geboren in Brasilien, aufgewachsen in Lissabon, saß er als Kind regelmäßig im Cockpit und bereitete sich nach dem Abitur akribisch auf die Lufthansa-Verkehrsflugschule vor. Den Theorietest bestand er, im praktischen Flugtest flog er dann „wie man Auto fährt" – und der Traum war vorbei. Statt in die Luft ging es an die EBS, danach fünf Jahre zu 3M (die Firma hinter Post-its und Overheadprojektoren) – und 1999 mitten hinein in die deutsche Venture-Capital-Gründerzeit, wo sein Fonds mit knapp 10 Mio. EUR unter anderem wetter.com finanzierte.
Heute ist Jan Pörschmann Partner der Münchner M&A-Beratung atares (hervorgegangen aus Proventis Partners), blickt auf über 200 Transaktionen zurück und ist zugleich Vorstand des Bundesverbands Mergers & Acquisitions. Das Gespräch spannt den Bogen von der Dotcom-Ära zur KI-Revolution – und zeigt, dass sich die Muster wiederholen: Damals wie heute entscheidet nicht die glänzende Oberfläche über den Wert eines Unternehmens, sondern das, was verteidigungsfähig darunter liegt.
Was du in dieser Folge lernst:
- Die vier P's des Venture Capital – und warum man in Menschen investiert, nicht in Excel-Modelle: Pörschmanns teuerste Lektion aus der Dotcom-Zeit war ein Investment in eine perfekt durchgeplante Idee, die sich unterwegs komplett veränderte. Seine Formel seitdem: People und Passion schlagen den Plan, denn Ideen pivotieren – und aus dem Einmaleins des Businessplans wird verlässlich das Zweimalzwei: alles dauert doppelt so lange und kostet doppelt so viel.
- Warum wetter.com das erfolgreichste Investment wurde – gegen den Zeitgeist: Während alle anderen Gründer über ihre Burn Rate sprachen, sprach Manfred Klemann über Gewinne. Ein Unternehmer alter Schule führte das Portfolio-Unternehmen durch die Dot-Gone-Phase, bis ProSieben komplett übernahm. Die Lehre: Der langweiligste Satz der Betriebswirtschaft („ich muss Gewinne machen") überlebt jeden Hype-Zyklus.
- KI ist der Hochgeschwindigkeitszug auf den Schienen des Internets: Pörschmanns Analogie für das Verhältnis der beiden Technologiewellen – das Internetprotokoll gehörte niemandem, die Foundation Models gehören den Anthropics dieser Welt. Und die heutigen AI-Wrapper sind die Internet-Startups von 1999: eine schöne Oberfläche über fremder Technologie, ohne eigene IP darunter. Die Kernfrage jeder Tech-Transaktion lautet deshalb heute: Wird KI dieses Geschäftsmodell ergänzen, beschleunigen – oder komplett überflüssig machen?
- Wem gehört KI-generierter Code? Die neue Baustelle der Software-Due-Diligence: Wenn die Maschine den Code schreibt, stellt sich die Eigentumsfrage neu – und Pörschmann erwartet analog zu Open Source eine Dokumentations- und Kennzeichnungspflicht. Wer glaubt, das prüfe später niemand, sei naiv: In ein bis zwei Jahren komme die große rückwirkende Plagiatsdebatte. Der Bundesverband M&A arbeitet bereits an KI-Prüfkriterien für den Due-Diligence-Prozess.
- Human in, on oder out of the Loop – und das Ende der Beraterstunde: Kein Memo verlässt atares ohne gegengelesenes Quellenverzeichnis mit Originalquellen, denn die Verantwortung bleibt beim Menschen. Gleichzeitig kippt die Preislogik der gesamten Beratungsbranche von inputorientierten zu ergebnisorientierten Modellen: bezahlt wird die Value Creation, nicht die produzierten Charts. Pörschmanns Kernsatz dazu: „Die Maschine schafft mehr Raum fürs Zwischenmenschliche."
- M&A ist 80 % emotional und 20 % rational: Wer das Gegenteil behauptet, nutzt nach Pörschmanns Erfahrung die Ratio nur, um das Emotionale zu verplausibilisieren. Am Ende entscheiden Fragen, die in keinem Modell stehen: Wer kann mit wem? Geht es mir um meine Mitarbeiter oder nur um den Kaufpreis? Und bin ich mit fünf Euro sicher glücklicher als mit zwölf Euro unsicher? Dazu seine Marktdiagnose für Herbst 2026: Rückenwind aus dem ersten Halbjahr, „Last in, first out"-Flucht der Modeinvestoren aus Software, Konsolidierungswelle im Handwerk zu niedrigen einstelligen Multiples und der neue ETA-Trend – kaufen statt gründen.
Das Fazit für Unternehmer: Deutschland ist ein reiches Land, das sein Kapital schlecht arbeiten lässt. 10 Billionen EUR Barvermögen der privaten Haushalte liegen überwiegend in niedrig verzinsten Sicherheitsprodukten, während Pensionsfonds in den USA und Kanada 25 bis 30 % in Private Equity und Venture Capital investieren. Pörschmanns Wunschliste ist deshalb zugleich eine Wachstumsagenda: ein harmonisierter europäischer Kapitalmarkt, mehr Mut der Privatanleger und eine Rentenreform, die Kapital in die Kapitalmärkte bringt – damit auch die Exits wieder stattfinden. Und weil ein technischer Defekt dieses Gespräch vorzeitig beendet hat, ist das erst Teil 1: Schreib deine Fragen an Jan Pörschmann in die Kommentare – sie werden in Teil 2 aufgegriffen.
👇 Links & Ressourcen zur Folge:
- atares – Die digitale M&A-Manufaktur aus München: https://atares.team
- Bundesverband Mergers & Acquisitions (BM&A): https://bm-a.de
- Vernetze dich mit Matthias Walter Eser auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/in/matthias-walter-eser-mba-880174237
- Dein Umsatz wächst, aber dein Steuerberater verwaltet nur die Vergangenheit, und niemand plant strategisch deine finanzielle Zukunft? Lass uns sprechen: https://eser.capital/
Angaben gemäß § 5 TMG
ESER Capital Advisory Partners GmbH
vertreten durch: Herrn Matthias Walter Eser
Adlerstraße 9
82467 Garmisch-Partenkirchen