Ex-Greenpeace-Chef Thilo Bode im Interview mit Volker Resing – „Ohne die Zivilgesellschaft wäre die Demokratie tot“
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Episode Description
Thilo Bode ist eine Art Nestor der deutschen NGO-Szene. Im Cicero Podcast Politik mit Volker Resing fordert der einstige Greenpeace-Chef und Foodwatch-Gründer, der Staat solle weniger Geld an politische Organisationen geben.
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2:33 "Wenn die NGOs Geld vom Staat nehmen, direkt für ihre Projekte oder für ihre Kampagnen und sich vom Staat finanzieren lassen und noch dazu im größeren Ausmaß, dann können sie ihre eigentliche Rolle sozusagen, die unabhängige kritische, nach allen Richtungen kritische Zivilgesellschaft und auch Einfluss zu nehmen auf die Politik nicht mehr wahrnehmen." (Thilo Bode)
4:28 "Dass in der Tat NGOs, auch gerade bei der Ampelkoalition eine zu große Nähe zu der Grünen-Partei hatten, ja, und da gab es Verbindungen, Kontakte, die sind sicher nicht rechtswidrig in formeller Art. Aber das kann ja nicht die Aufgabe der NGOs sein. (…) Neutralität und kritische Distanz zu allen ist sehr wichtig." (Thilo Bode)
12:09 "Politisch unterstütze ich diese Aktion (der letzten Generation) nicht, ja. Das habe ich, glaube ich, auch sehr, sehr intensiv bei Greenpeace gelernt. Die Aktionen müssen, die können ruhig Regeln brechen, aber man darf nicht weglaufen. Ja, ich stelle mich hin, bin kein Terrorist und gehe dann auch ins Gefängnis. (…) Sie machen nur Fortschritt, wenn Sie Leute begeistern. (…) Und da wurden die Autofahrer instrumentalisiert. Das fand ich nicht gut." (Thilo Bode)
14:53 "Also ohne die Zivilgesellschaft wäre die Demokratie tot" (Thilo Bode)
28:55 "Wenn wir eine wirkliche Energiewende wollen, und wenn wir wirklich die Klimaziele erreichen wollen und sagen, Atomenergie ist keine nachhaltige Energie, weil wir wissen gar nicht, wie wir die Entsorgung machen. Und wir haben heute, und das ist, glaube ich, einer der großen Verdienste, die die Umweltorganisationen außerhalb der Parlamente gemacht haben, dass sie sich effektiv für die regenerativen Energien eingesetzt haben, gegen großen Widerstand, (…) Das hätten wir noch gar nicht, dieses Spektrum an regenerativen Energien." (Thilo Bode)
41:05 "Ich glaube, dass man die Wirtschaft viel mehr einhegen muss, damit sie die umweltpolitischen Ziele befolgt. Aber das ist für mich jetzt nicht mehr eine Systemfrage, sondern eine Machtfrage." (Thilo Bode)
43:55 "Ich will einen starken Staat, der in der Lage ist, den Konzernen was entgegenzusetzen. Das ist doch ein Witz. Das ist auch ein absoluter Witz, dass man giftige Lebensmittelstoffe, (..) dass der Staat nicht in der Lage ist, aus Angst, oder unter dem Vorwand der Wettbewerbsfähigkeit diese Stoffe nicht zu verbieten. Das geht doch nicht. Es gibt doch Grundrechte. Schutz des Lebens und Gesundheit. Dazu muss auch in der Marktwirtschaft was geschehen." (Thilo Bode)
53:23 "Ich kann Widerstand gegen eine schlechte Politik in unserer freiheitlichen Ordnung ausüben, muss ich auch, gegen die Konzerne, muss ich zum Beispiel im Nahrungsmittelbereich und gleichzeitig dieses System im Grundsatz unterstützen und gut finden, da sehe ich keinen Widerspruch." (Thilo Bode)
55:13 "Da muss ich eine Kritik üben an meiner Branche, dass heute viel zu sehr in Konsenzrunden und Konferenzen gearbeitet wird. Wir sollen draußen bleiben, wir sollen von draußen Druck aus üben, damit die richtig was machen." (Thilo Bode)