Episode Description
Der 250. Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung liefert genug Stoff, um über das Versprechen des amerikanischen Traums sowie über die kulturellen Verbindungen zwischen den USA und Europa nachzudenken. Die in Brandenburg lebende Autorin Nell Zink kennt beide Welten. Ein Gespräch über deutsche Kulturblasen, amerikanische Könige und die vielen verbindenden Unterschiede zwischen hüben und drüben.
24:05 "Damit eine Handlung funktioniert, braucht man Konservative, weil sie sehr viel eher ausflippen, wenn was schief geht. Also du kannst doch keinen spannenden Roman schreiben über eine locker-flockige Patchwork-Familie, oder dann kommt die Tochter zu Weihnachten nicht nach Hause. Und was macht die Mutter? Sie sagt, "ja dann, dann, viel Spaß. Wir sehen dich vielleicht nächstes Jahr." Man braucht diese wirklich bornierte, engstirnige Menschen, um richtig Schwung in einen Roman einzubringen. Ich denke, es ist genau das Gegenteil." (Nell Zink)
25:11 "Aber Amerika ist ja so frei im Vergleich mit Deutschland. Ich meine, hier könnte einfach der Platz ausgehen und die Leute ziehen, die wollen allein sein, dann müssen sie halt irgendeinen Tal im Schwarzwald finden, wo die Sonne nie scheint. Und in den USA hast du ganze Bundesstaaten, wo praktisch niemand lebt. Also da gibt es Bundesstaate mit so vielen Menschen wie Stuttgart. Also, es ist ein anderes Lebensgefühl, absolut." (Nell Zink)
29:07 "Man muss fleißig sein, so ein bisschen ordentlich, sich um den eigenen Dreck kümmern, die anderen nicht auf die Nerven gehen, und dann ist man schon so was wie hundert Prozent amerikanisch. Für die meisten Amerikaner. Es sind ja diese Rechtsextreme, diese Trump-Anhänger, die dann sagen, nein, nein. Die werden akzeptiert, diese Menschen, aber eigentlich sind die gar keine Amerikaner, schau mal ihre Pässe an. Und für den Durchschnittsamerikaner ist das befremdlich. Weil man einfach denkt, okay, die sind da, ich bin auch da, jetzt machen wir zusammen weiter. Also man ist so locker, tolerant, weil man eben so individualistisch ist." (Nell Zink)
30:30 "Jeder Amerikaner ist ein Stück weit libertärer Anarchist" (Nell Zink)
31:23 "Die Extreme sind natürlich in den Medien heutzutage immer sehr präsent, weil Extreme bekommen die meisten Klicks. Ich denke, die meisten Amerikaner denken einfach, 250 Jahre, toll, jetzt gibt es Hotdogs und Feuerwerk und vielmehr denken sie sich nicht dabei. Aber natürlich gibt es Leute, die sagen, 250 Jahre Genozid und Ausbeutung und Leute, die sagen. 250 Jahre englischsprachige stolze Weiße und natürlich geraten sie aneinander und das kann auch sehr hässlich werden, aber ich gehe davon aus noch, dass das Minderheiten sind." (Nell Zink)
40:47 "Das ist wirklich eine Frage der Bildung, der Schulen und man kann einfach in Deutschland sich glücklich schätzen, dass man so was noch hat wie die Bundeszentrale für politische Bildung, die wirklich den Leuten einbläut, dass es diesen abstrakten Menschen gibt, um den es geht. Es gibt nicht nur dich und mich, sondern es gibt den Bürger an sich und der ist wirklich so Art wie so ein Strichmännchen, mit allen möglichen Qualitäten oder Mängeln, aber er hat diese Bürgerrechte. Darauf kommt man nicht von alleine, dafür hat es 2000 Jahre europäische Kultur gebraucht. Man kann nicht davon ausgehen, dass jedes Kind von sich aus auf die Demokratie kommt. No. Man muss es ihnen beibringen. Und die Schulpflicht hat man in den USA sehr aufgeweicht. Die AfD will es natürlich auch in Deutschland abschaffen. Das finde ich fatal." (Nell Zink)